Einige Leute pflanzen ihr Gemüse nach dem Mondkalender an. Andere schneiden ihre Haare nur in der passenden Mondphase. Und wir stapfen bei Vollmond durch die schneebedeckte Winterlandschaft der Marbachegg und lassen uns beim Winterlichen Mondgenuss in der UNESCO Biosphäre Entlebuch kulinarisch verwöhnen.  

Immer wenn ich nachts vor dem Zubettgehen meine Fensterläden schliesse und die runde, silberne Kugel am Himmel sehe, welche mir hell ins Zimmer scheint, muss ich einen Moment innehalten. Der Mond hat schon eine ganz spezielle Wirkung auf Natur und Lebewesen. Ganze Meere bewegen sich, Ringelwürmer passen ihr Fortpflanzungsverhalten an die Mondphasen an und Wölfe heulen ihn (anscheinend) ganz dramatisch auf einer Felskuppe an. Und dann gibt es noch Menschen, welche bestimmte Arbeiten, wie Gemüsesäen oder Haareschneiden nur in der korrekten Mondphase verrichten. Einige davon werden wir heute beim Winterlichen Mondgenuss kennenlernen.  

Da der Mond symbolisch für Weiblichkeit und Emotionen steht, habe ich passend für den heutigen Ausflug wieder meine beste Freundin Aline an meiner Seite. Sie ist auch die letzte Person, die ich auf den Mond schiessen würde und darum stets eine vortreffliche Reisebegleitung. 

In Remos Zuckerhütte 

Nach einer relativ kurzen Fahrt nach Marbach (ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell die Anreise in die UNESCO Biosphäre Entlebuch ist) stehen wir ganz aufgeregt im Tourismusbüro bei der Talstation. Nach einer herzlichen Begrüssung bekommen wir unsere Tickets, das Programm des Abends sowie den Wegbeschrieb zu unserem ersten Monderlebnis – die MondArt-Werkstatt und Ausstellung von Remo Emmenegger.  

Beim alten Bauernhof angekommen, werden wir von Remo gleich in seine «Zuckerhütte» geführt. Es riecht angenehm nach Holz und ein wohliges Gefühl umschliesst unsere Gruppe. «Zuckerhütte», so nennt der gelernte Schreiner aus Ruswil liebevoll seinen Werkraum, wobei der Name nicht weit hergeholt ist. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war das Entlebuch nämlich das Zentrum der Schweizer Zuckerproduktion und hier in Marbach wurde der Zucker raffiniert. Heute entstehen in diesen Räumlichkeiten allerlei Unikate aus Holz. Von Massivholzbetten, Nachttischen, Bänken und Tischen bleibt aber das Mondholzbett der Star des Abends (auch wenn die anderen fünf Teilnehmenden am liebsten die riesige, runde Tischplatte aus der Werkstatt zu sich nach Hause gerollt hätten). 

Einblick in Remos Werkstatt – rund drei bis fünf Tage dauert die Produktion eines Mondholzbettes.

Entspannter Baum – entspannter Schlaf 

Zu Beginn klärt Remo die brennendste Frage im Raum. «Was ist eigentlich Mondholz?» Mondholz stammt von Bäumen, welche nach dem Mondkalender gefällt wurden. Also in den Wintermonaten jeweils kurz vor Neumond. Anschliessend werden die Bäume (in Remos Fall vor allem Fichten) mitsamt Ästen für drei Monate im Wald liegen gelassen. So können sich die Bäume von der Fällung erholen und die Äste den Saft aus dem Stamm saugen. Ein entspannter Baum bedeutet nämlich auch einen entspannten Schlaf. Die Holzbalken verarbeitet Remo so, dass die ehemalige Baumwurzel bei den Füssen und die Krone beim Kopf zu liegen kommt. Mondholz ist also ein schönes Beispiel, wie die Kraft der Natur mit alter Handwerkskunst vereint werden kann. Remo erzählt lachend, dass er sein Mondholzbett sogar bei seinen Reisen mit dem Wohnwagen dabeihat.  

Wir verlassen die Werkstatt und wechseln in den angrenzenden Ausstellungsraum, wo bereits eine prall gefüllte Apéro-Platte auf uns wartet. Während ich mich an einem der besten Weisswein-Tropfen erfreue, welcher je seinen Weg in mein Glas gefunden hat, packen die anderen Teilnehmenden die Gelegenheit beim Schopf und legen sich in eines der Ausstellungsbetten zum Probeliegen. Allen voran Aline, welche mir vorher noch heimlich ihren Fichtenschössli-Likör rübergeschoben hat. Da sage ich nicht Nein. Gegen 19:00 Uhr verabschieden wir uns schweren Herzens von Remo. Der Vollmond wartet. Und unsere Truppe ist ziemlich in Stimmung den jetzt anzuheulen.  

Muhende Hochlandrinder statt heulende Wölfe 

Zurück bei der Talstation setzen wir uns in die Panorama-Gondelbahn, welche uns schnurstracks auf 1’500 m.ü. M. befördert. Wir gleiten lautlos durch den dichten Nebel und haben den Gedanken, heute noch den Vollmond zu sehen, bereits beerdigt. Auf der Marbachegg angekommen, kommt die Gruppe auf die glorreiche Idee, mir auf dem Weg zur nächsten Station zu folgen. Grosser Fehler. Die nächste kulinarische Überraschung wartet nämlich auf dem Schottenhof Lochsitli von Renate und Andy Wyss auf uns. Diesen habe ich im Rahmen meines Blogbeitrages zum Sternenhimmelbett letzten Juni zwar besucht, mein Orientierungssinn ist aber so ausgeprägt, wie derjenige eines Steines. Also gar nicht. Natürlich verlaufen wir uns und nach einer zehnminütigen Extraschlaufe entlang der Marbacher Ferienhäuser, zeigt uns ein Anwohner den direktesten Weg zum Schottenhof: Die Skipiste gerade runter.  

Während Aline und die anderen Teilnehmenden johlend und relativ standfest die Piste runterrennen, legt es mich all zwei Meter in die Horizontale, sodass ich schliesslich bäuchlings und wie eine vollgefressene Robbe die Skipiste hinunter purzle. Das einzige furchteinflössende Heulen, das wir also in dieser Vollmondnacht vernehmen, ist unser Gelächter.  

Beim Schottenhof angekommen erhält Hofhund Lotta natürlich eine gehörige Portion Knuddeleinheiten von mir. Doch es wird noch flauschiger. Renate zeigt uns auf einer kleinen Hofführung das Besuchermagnet schlechthin: Die 66 Hochlandrinder. Die zotteligen Genossen schlecken eifrig nach unseren ausgestreckten Händen und spätestens beim Besuch der frisch geschlüpften Kälber bleibt kein «Jööööö » unausgesprochen.  

Die beste Rösti im Entlebuch 

Zurück in der Wärme geniessen wir Renates köstliche Rösti aus hofeigenen Kartoffeln und eine heisse Schottenwurst vom Hochlandrind. Auch unser Durstlöscher wurde während dem Vollmond gebraut und hat einen äusserst feinen Abgang. Das MondBier der Brauerei Hohgant wurde extra für Renate und das Mondgenuss-Angebot entwickelt und die Leidenschaft für das Produkt entfaltet sich Schluck für Schluck.  

Langsam wird es Zeit aufzubrechen und den letzten Gastropartner unseres MondTrails aufzusuchen. Wir verabschieden uns von Renate und schleppen uns mit vollem Bauch wieder die eisige Skipiste hoch. Auf halbem Weg legen wir röchelnd eine kurze Pause ein. Der Vollmond scheint geheimnisvoll durch die Wolken und dichte Nebelschwaden legen eine mystische Stimmung auf die schneebedeckte Marbachegg und die eingeschneite Schrattenfluh. Somit haben wir den Vollmond heute Abend doch noch zu Gesicht bekommen.   

Die Schrattenfluh leuchtet mystisch im Mondschein.

Im Schein des Mondes erreichen wir das Berggasthaus Marbachegg, wo uns der Abend mit einem grosszügigen Dessert und einem Entlebucher Kaffee versüsst wird. Da Aline und ich noch die letzte ÖV-Verbindung nach Luzern erwischen müssen, lassen wir uns um 22:30 Uhr von der Gondelbahn der Sportbahnen Marbachegg wieder zurück ins Tal chauffieren.  

Auf dem Weg nach Hause lassen wir die kulinarische Vollmondnacht noch einmal Revue passieren und checken kurz den heutigen Mondkalender. Die Haare haben wir uns heute nicht schneiden lassen. Zucchettis haben wir auch keine angepflanzt. Dafür durften wir in dieser nebligen Vollmondnacht ganz viele Leckereien aus der UNESCO Biosphäre Entlebuch schnausen, in die Welt des Mondholzes eintauchen und mit Hochlandrindern kuscheln. Ein voller Erfolg, würde ich sagen.  


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Egal ob im Tanzstudio oder an der Bushaltestelle, Laila ist immer tanzend anzutreffen. Mit einem Lachen im Gesicht und einer Fotokamera in der Hand sucht die gebürtige Luzernerin überall nach Geschichten und Menschen die sie inspirieren. Oder einfach nach weiteren Orten um tanzen zu können. Mehr von Laila auf www.laila-schreibt.com

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