WIE SCHMECKT STANS? Lustwandeln in DER ESSBAREN LANDSCHAFT

Kategorien Allgemein, Kulinarik, Kultur, Nidwalden

Stans, eine kleine Perle, ist alleweil eine Reise wert: Feine Restaurants, ein Teil Schweizer Geschichte und eine gute Portion Gemütlichkeit erwarten den Besucher. Aber eine Essbare Landschaft hat wohl keiner von uns schon mal erlebt. Im CULINARIUM ALPINUM gibt es nicht nur eine tolle Küche zu geniessen, nein, auch im ehemaligen Klostergarten entdeckt man Unerwartetes.

Beerenfrüchte …
… aus der Essbaren Landschaft

Träumt Ihr manchmal auch vom Schlaraffenland? Das Land, wo man in die Wiese liegen kann und einen die gebratenen Täubchen in den Mund fliegen, Würstchen in den Bäumen hängen; Milch statt Wasser im Bache fliesst, die Seen voller Wein und die Häuser aus Marzipan sind? Und wo man sich, wenn man sich alt fühlt, einfach in den Jungbrunnen setzt. Ach ja, arbeiten ist nicht, man frönt dem süssen Nichtstun. Nein? Ich auch nicht, aber genauso etwas habe ich mir unter einer „Essbaren Landschaft“ vorgestellt.

Echt kein Märchen!

Ich habe Euch ja bereits von den Küchenzauberern des CULINARIUM ALPINUM im Blogbeitrag Hiäsigi Zauberei im ehemaligen Kapuzinerkloster Stans erzählt. Und Ihr denkt jetzt bestimmt, ich sei eine Märchentante. Bin ich nicht, aber ein klein wenig Kind geblieben! Als ich zum ersten Mal von der „Essbaren Landschaft“ gehört habe, musst ich lachen – was für eine merkwürdige Bezeichnung. Inzwischen ist mir Einiges klar geworden und ein glückliches Lachen ist trotzdem geblieben.

Siegfried Tatschl.
Ein Blick vom Beerenbeet zum ältesten Apfelbaum.

Da gibt es doch einen Österreicher mit Namen Siegfried Tatschl. Er ist Permakulturpionier und hat in Kirchberg am Wagram eine „Essbare Gemeinde“ initiiert und mitgeschaffen. Dominik Flammer, der Ideenkopf hinter dem CULINARIUM ALPINUM, hat „Sigi“, wie man ihn liebevoll nennt, nach Stans geholt. Hier sollte dasselbe entstehen, im Kleinformat. Natürlich, das mag ja nett sein; aber was, um Himmels Willen, wir sind ja im Kloster, ist denn eine „Essbare Landschaft“?

Eine Miniportion Geschichte!

Habt Ihr Euch auch schon mal gefragt, weshalb wir so viele Beeren aus dem nahen und fernen Ausland importieren; weshalb wir in unseren Gärten und Parks Sträucher haben, die entweder giftig oder ungeniessbar sind und an deren Blüten kaum Bienen oder Schmetterlinge zu finden sind? Die Antwort: Es sind ganz und gar keine einheimischen Pflanzen und sie passen auch nicht in unsere Biodiversität. OK, der Apfel ist ursprünglich auch nicht einheimisch und, sorry, leider wurde auch die Aprikose nicht von den Wallisern erfunden. Aber die, oft weitgereisten, Mönche und Brüder vieler Klosterorden brachten schon vor Jahrhunderten ab und zu mal Früchte, Gemüse und Kräuter mit. Sie versuchten, ob diese nicht auch in mitteleuropäischen Gefilden zu kultivieren waren. Wenn es klappte, dann bekamen die Bauern das rasch mit und sie begannen, diese Pflanzen anzubauen. So kamen auch die Kartoffeln, den spanischen Entdeckern und ihren Klerikern sei Dank, zu uns; erst als Schmuckpflanze, dann als „Futter für alle“.

Dank der Felsenbirnenbäumchen entsteht über dem „Gartenzimmer“
ein essbares Dach …
Knallrot und geniessbar! Finde heraus, welche Frucht das ist!

So entstand mit Hilfe von Sigi Tatschl, der Organisation ProSpecieRara und FRUCTUS, im CULINARIUM ALPINUM, innerhalb der Klostermauern ein spezieller Garten. Da finden sich uralte Obst- und Beerensorten – kennt Ihr Maulbeeren, Nanking-Kirsche, Paw Paw oder gar Schisandra? Neben alten, aber für unsere Region neuen, Sorten. OK, was soll denn daran so spannend sein? Einfach alles!

Führungen durch die Essbare Landschaft bergen Überraschungen …
… und spezielle Einblicke!

Beeren retten die Welt!

Erstens wird das ein richtiger Naschgarten! Wer durch die Essbare Landschaft flaniert, entdeckt ab und zu mal das Schild: „Erntezeit“. Und damit ist er aufgefordert, diese Früchtchen einfach so in den Mund zu stecken und – das kann ich gar nicht beschreiben, das muss man einfach probieren. Zweitens kann sich hier jeder informieren, was er denn selber in einem Topf auf dem Balkon oder im Garten anpflanzen und so sich selber, seinen Kindern und der Umwelt Gutes tun könnte. Der Garten ist sozusagen interaktiv. Die Initianten stellen die Behauptung auf, Beeren würden die Welt retten. Ob das stimmt? Die Begründung findet Ihr auf einigen der Info-Stelen oder direkt an den Pflanzen – Handy nicht vergessen!

Auf den Stelen finden sich Erklärungen in verschiedenen Sprachen und QR-Codes zu ergänzenden Informationen.
Im April noch etwas nackt – jetzt schon grün und total beerig!
Kulinarische Spezialitäten im Restaurant – ein charmant serviertes Waldstaudenroggen-Risotto mit Brennnesseln und Stanser Flade.
Entdeckt mal, wie Brennnesseln schmecken! (Tipp: Kinder mögen den Sirup)

Entdecker:innen gesucht!

Was es nun also mit Beerenbeet, Streuobstwiese, Raritäten und gar einem Schattenreich auf sich hat? Das müsst Ihr schon selber entdecken oder noch besser, Ihr meldet Euch für eine Führung an.

Wer Lust hat, der kombiniert seinen Besuch mit einem Kochkurs. Denn da wird natürlich auch vermittelt, wie man die jeweiligen Saisonfrüchte und –kräuter verarbeiten kann. Oder er geniesst ein Essen im Restaurant, nach der Entdeckungsreise. Und ein klein wenig fühlt man sich im Schlaraffenland – nur essen muss man selber. Ich genehmige mir einen feinen Klosterlikör; gezaubert aus Dörrfrüchten in der Kursküche vom Team KEDA – der Stiftung für das Kulinarische Erbe der Alpen. Ehrlich, der hat etwas „Schlaraffia“ an sich.

Wie wäre es mit einem Feigenblattöl zum Geissenquark …
… oder Mispelmus, Szechuanpfefferöl und Goldjohannisbeerkonfitüre?

Das Wichtige zuletzt

Noch ist die grosse, schweizweite Attraktion der Essbaren Landschaft klein und bescheiden: Die „Rote Quitte“! Aber sie wurde Anfang Juni von hochoffizieller Hand gepflanzt und auch, wie es sich für einen Klostergarten gehört, gesegnet.
Mit googeln werdet Ihr nicht wirklich was finden – da müsst Ihr schon vorbeigehen und dieser Gartenkönigin huldigen, dann verrät sie mehr über sich.

Regierungsrat, Stiftungsrat und Mitbegründer pflanzen die Rote Quitte (v.l. Othmar Filliger, Tis Prager, Sigi Tatschl).
Segnung durch den Stanser Seelsorger Marino Bosoppi und Christian Schweizer vom Verein Kapuzinerkirche Stans.

Informationen zur ESSBAREN LANDSCHAFT

Die Essbare Landschaft des CULINARIUM ALPINUM in Stans ist jederzeit offen und frei zugänglich.


Gast-Bloggerin: Marie-Isabelle Bill

  • Sie lebt hoch über dem Zugersee
  • Die Grossmutter hat ihr das Gastgeber-Gen vererbt
  • …und die Leidenschaft fürs Kochen
  • Ihre Bibliothek umfasst über 4000 Kochbücher
  • Sie hat ein Buch geschrieben, leider kein Kochbuch
  • Sie ist Patin einer Schnecke
  • …aber nicht, weil sie Präsidentin von Slow Food Zentralschweiz ist

Fotos: © Timo Schwach

Weitere Erlebnisse in der Region

Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.