Skitour Hoch Fulen – Saisonauftakt über den Dächern des Urner Unterlands
Kategorien Allgemein, Natur, Ski / Snowboard, Uri
Hoch über Erstfeld erhebt sich ein markanter Gipfel, der das Herz jedes Skitourengehers höherschlagen lässt: der Hoch Fulen. Mit seinen 2506 Metern, bietet dieser Berg eine der schönsten Skitouren des Urner Unterlands.
Die klassische Skitourenroute führt von Unterschächen durch das idyllische Brunnital und weiter hinauf über das Griesstal. Diese Route ist zwar oft schattenseitig exponiert (warm anziehen!), dennoch mit der SAC Bewertung WS (Wenig Schwierig) gut zugänglich und machbar. Dank der abgeschiedenen Lage, den weiten Hängen und der atemberaubenden Aussicht vom Gipfel auf den Vierwaldstättersee, Bristen und Erstfeld, stellt die Tour eine lohnende Tagestour für ambitionierte Skitourengeher dar. Eine winterliche Skitour mit der Urner Bergschule Exped Tribe steht heute auf dem Programm.
Die Tour beginnt im malerischen Unterschächen, einem beschaulichen Bergdorf im Schächental, auf 995 m Höhe. Es ist dem Schneeschuhwanderer und Eiskletterer bestens bekannt. Denn hier haben Urner Alpinisten wie Dani Arnold viele Linien und Eiszapfen erstbestiegen. Heute wird das Tal oft von Familien und Schneeschuhwanderer besucht, die etwas Ruhe vom Alltag suchen und bis zur Alp Brunni dem Bach entlangwandern. Die Sicht auf die mächtige Nordwand des Gross Ruchen, der über das Tal thront, ist schlicht spektakulär und auf jeden Fall einen Besuch wert. Von hier aus führt uns der Weg zunächst durch das wildromantische Brunnital, vorbei an schneebedeckten Alphütten und durch lichte Wälder. Die Route gilt als landschaftlich besonders reizvoll und ist mit rund 1500 Höhenmetern eine ordentliche Trainingstour für die beginnende Saison!

Unterschächen, wir kommen!
Heute früh klingelt unser Wecker schon kurz vor Sonnenaufgang. Im Kegel der Stirnlampen brechen wir vom Parkplatz in Unterschächen auf. Das Dorf liegt still und verschlafen da, die ersten Lichter gehen langsam an. Ein kalter Wind bläst vom Tal hinauf und lässt uns vor Kälte kurz frösteln. Bei dem angesagten, guten Wetter wird sich das schnell ändern – perfekte Bedingungen für den Saisonstart sollten gegeben sein. Die Vorfreude ist gross!
Schon beim Aufstieg durch das Brunnital bewundern wir die verschneite Landschaft im sanften Licht der Morgendämmerung. Während wir uns mit den Skiern durch den knirschenden Schnee arbeiten, wölbt sich der Himmel tiefblau. Das stimmt uns voll und ganz auf das bevorstehende Abenteuer ein! Über dem verschneiten Wanderweg arbeiten wir uns stetig höher, vorbei an der idyllischen Brunni Alp. Die Steigung ist moderat, ideal um in den Rhythmus zu kommen. In Kürze erreichen wir die offeneren Hänge und der Weitblick erlaubt es uns, die mächtigen Gipfel der Umgebung im ersten Sonnenlicht zu erkennen.
Wir ziehen zügig weiter in Richtung Griesstal. Die Landschaft wird karger, die Hänge weiter. Hier oben spüren wir die Weite der Urner Alpen. Beim Blick zurück sehen wir unsere Spuren, die sich wie ein feiner Faden durch die unberührte Schneedecke ziehen. Der Schnee knirscht bei jedem Schritt unter den Tourenskiern und die Sonnenstrahlen treffen uns im Gesicht – ein gutes und lang ersehntes Gefühl!
Wir erreichen das Griesstal, eine weitläufige Mulde unterhalb des Gipfels. Neben der felsigen Wand des Schwarz Stöckli legen wir eine kurze Pause ein. Wir trinken einen Schluck Tee, lassen den Blick hinüber zur Clariden-Gruppe schweifen, zum Tödi in der Ferne und direkt vor uns der markante Gipfelaufbau des Hoch Fulen.

Himmlische Aussichten in der wärmenden Sonne
Der Gipfelaufbau wird nun steiler. Wir wechseln die Gehrichtung in Spitzkehren und gewinnen stetig an Höhe. Die Beine brennen leicht – es ist schliesslich eine der ersten grossen Touren der Saison. Aber die Vorfreude auf den Gipfel und die Abfahrt treibt uns an. Der Schnee ist hier oben noch pulvrig und unberührt, perfekte Bedingungen! Unsere Gruppe kommt gut voran, ab und zu hört man ein begeistertes „Wahnsinn, diese Aussicht!». Ich ahne, dass alle die Tour bereits geniessen, und nehme meine Kamera zur Hand, um den Moment festzuhalten.
Die Sonne scheint und wärmt uns. Wir gönnen uns auf einem kleinen Plateau eine weitere Pause und geniessen die fantastische Aussicht hinüber zum Schärhorn, zum Gross Windgällen und hinunter ins Schächental. Die Nebelmeer-Grenze liegt tief im Tal – über uns strahlend blauer Himmel, unter uns ein weisses Wolkenmeer. Ein Anblick, der das Herz höherschlagen lässt!

Bergmeditation mit Skiern und Fellen
Je weiter wir nach oben kommen, desto rhythmischer werden unsere Bewegungen. Spitzkehre um Spitzkehre arbeiten wir uns dem Gipfel entgegen, eine Art Meditation für Bergsportler. Die letzten steilen Meter fordern noch einmal alles – aber dann stehen wir am Gipfelkreuz! Der Hoch Fulen auf 2506 m – geschafft! Wir evaluieren im Team kurz die Verhältnisse für die Abfahrt und freuen uns auf das, was jetzt kommt: eine traumhafte Pulverabfahrt zurück ins Tal!
Der Gipfel und die verdiente Abfahrt
Am Gipfel angekommen haben wir alle genug Platz und geniessen den 360-Grad-Rundblick: Im Norden das Reusstal und das Urner Unterland, im Osten die Glarner Alpen mit Tödi und Clariden, im Süden die Gotthardregion und im Westen die Berner Alpen. Die Aussicht ist schlichtweg überwältigend! Selbst das Nebelmeer im Tal wirkt von hier oben wie ein ruhiger, weisser Ozean. Wir machen das obligatorische Gipfelfoto, packen die Felle weg und rüsten um für die Abfahrt.
Was für ein Genuss! Die ersten Schwünge im unverspurten Pulver sind pure Freude. Das ist der Grund, wofür wir früh aufstehen! Wir “cruisen” durch das Griesstal hinunter, immer den Spuren des Aufstiegs folgend. Die weiten Hänge laden zu grossen Schwüngen ein. Beim Übergang zum Brunnital wird es wieder steiler, hier ist volle Konzentration gefragt. Der Schnee trägt perfekt und wir gleiten fast schwerelos talabwärts.
Nach rund drei Stunden Abfahrt und einigen kleinen Pausen, erreichen wir wieder Unterschächen – müde, glücklich und mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Was für ein perfekter Saisonstart!

Eine klassische Skitour mit Charakter
Der Hoch Fulen zählt zu den beliebtesten Skitouren im Urner Unterland – und das völlig zu Recht! Die Tour bietet alles, was das Skitourenherz begehrt: einen landschaftlich reizvollen Aufstieg durch abwechslungsreiches Gelände, moderate Schwierigkeit (Ski-Schwierigkeit der SAC-Skala WS), traumhafte Aussichten und eine lange, genussvolle Abfahrt. Mit 1500 Höhenmetern und rund 6–7 Stunden Gesamtzeit ist es eine ideale Trainingstour für geübte Skitourengeher. Die Kombination aus landschaftlicher Schönheit, technischem Anspruch und der langen Abfahrt machen den Hoch Fulen zu einem echten Klassiker. Eine wundervolle Skitour im Herzen der Urner Alpen! Und erneut die wiederkehrende Botschaft: in Uri gibt es alles, was das Herz eines Wintersportlers begehrt!

Besondere Infos zur Tour:
- Lawinensituation beachten: Der Gipfelhang und einige Passagen im Griesstal sind lawinengefährdet. Die Tour sollte nur bei stabilen Verhältnissen und guter Lawinensituation begangen werden. Wenn du dir unsicher bist, kannst du einen der Bergführer von Exped Tribe buchen, die dich sicher bei dieser Tour führen.
- Beste Jahreszeit: Dezember bis April, wobei März und April durch die längeren Tage und stabileren Verhältnisse besonders empfehlenswert sind.
- Nebelmeer-Phänomen: Der Hoch Fulen liegt oft über der Nebelgrenze – bei Hochnebel im Tal erlebt man hier oben strahlenden Sonnenschein!
Über die Bergschule Exped Tribe
Als stark verwurzelte Bergschule im Kanton Uri bietet die Firma Exped Tribe GmbH mehrmals pro Saison geführte Skitouren aller Schwierigkeitsgrade, Schneeschuhtouren und Lawinenkurse in Uri an. Ihre Bergführer kennen das Gebiet wie die eigene Hosentasche und zeigen den Teilnehmenden gerne den einen oder anderen unverspurten Powder Run. Ferner bieten sie Haute Routen, Freeride-Tage, Skireisen ins Ausland und für die Mutigsten unter uns, Expeditionsreisen in exotische Länder an. Kommst du mit?

Gast-Blogger:
Davide Guzzardi ist Gründer und Geschäftsführer von Exped Tribe, einer Bergschule und Abenteuerreise-Anbieter, die Ende 2021 im Kanton Uri geboren wurde. Davide hat Exped Tribe von einer Gruppe von gleichgesinnten Freunden zu einem Unternehmen entwickelt, das einzigartige Expeditionen zu abgelegenen und schwer zugänglichen Orten anbietet. Seine Leidenschaft gilt dem Bergsport, arktischen Landschaften und Pizza (wie wohl jeder Italiener).
Fotos: © Copyright Bilder: Marco Barbieri, Exped Tribe GmbH

