Historisches Museum Obwalden: Was ist die Mehrzahl von Heimat?

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Heute gehe ich ins Historische Museum Obwalden. In diesem historischen Gebäude, lagern viele Schätze aus der Geschichte  Obwaldens. Doch nicht nur die Vergangenheit hat in diesem Museum Platz: Im Erdgeschoss befindet sich die Sonderausstellung «Mehrzahl vo Heimat». Beim Eintritt empfängt mich eine goldene Wand.

Eine golden gepunktete Wand

Unzählige Punkte kleben die Besucher an die Wand, wenn es darum geht herauszufinden, was «Heimat» bedeutet. Ist Heimat ein Ort, eine Landschaft oder ein Gefühl? Bestimmt die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe die Heimat? Der Pass? Die Sprache? Die Tradition? Wie lange muss etwas schon in Obwalden sein, damit es als einheimisch gilt? Kann jemand mehrere Heimaten haben?

18 überraschende Heimatgeschichten

Hinter der Wand gibt es achtzehn Heimatgeschichten zu entdecken. Menschen, die in Obwalden leben, erzählen von ihren Heimaten. Dazu haben sie sich einen Gegenstand aus dem Museum gewählt und einen weiteren aus ihrem eigenen Besitz dazu gesellt. Die Geschichten beeindrucken mich sehr. Hier einige Beispiele:

Kokosreibe und Apfelschäler

Hussain lebt seit 2008 in Obwalden, vorher hat er auf den Malediven gewohnt. Seine Frau ist Obwaldnerin. Er hat eine Kokosreibe mitgebracht. Er braucht die Kokosreibe immer, wenn er maledivisch kocht. Aus dem Museumsdepot hat er einen Apfelschäler gewählt, der ganz ähnlich aussieht. Was in den Malediven die Kokosnuss, ist in der Schweiz der Apfel. Sein Sohn Mika hat ein Sonnenschild ausgewählt, weil die Sonne hier und in den Malediven scheint.

Kultur und Weiterleben von Traditionen

Katrina wählt aus dem Museumsdepot eine Tracht. Von sich selbst hat sie ihren Trachtengürtel aus ihrer ersten Heimat  Lettland mitgebracht. Tanzen gehört zum Leben- sowohl am lettländischen Mitsommerfest als  auch am Trachtenabend in Obwalden.

Ein zweites Kleid stammt von Mostafa. Seine Familie hat es ihm aus Afghanistan geschickt. Als er aus dem Land flüchten musste, hatte sein Hab und Gut in einem Rucksack Platz. Mostafa trägt das Kleid manchmal an Festen. Dann fühlt er sich ein bisschen wie in Afghanistan.

Völkerverbindender Sport!

Carlos ist in Ghana geboren und in Giswil aufgewachsen. Für ihn ist Heimat ein Gefühl. Die Zugehörigkeit, die sich beim Blick in die Obwaldner Berge einstellt, Sicherheit und ein Zuhause, wohin man zurückkommen kann. Der Ski-Sport hat ihn seiner zweiten Heimat Ghana näher gebracht. Mit Freunden  gründet er das Team Ghana und fährt an der Olympiade für Ghana Ski!

Die Heimat der Kinder

In der Kinderecke finde ich Malstifte in allen Hautfarbtönen. Ich male probeweise die Menschen auf den Ausmalblättern aus. So vielfältig können Menschen sein.

Wie duftet Heimat? Beim Duftmemory erschnuppere ich verschiedene Duftnoten. Welche riecht wie daheim?

Bist du ein guter Obwaldner /eine gute Obwaldnerin?

Ich mach den Einbürgerungstest und finde es heraus. Als Person mit Obwaldner Wurzeln gehe ich ein Stockwerk höher und erfreue mich an den Exponaten. Welches Objekt würde ich auswählen, um damit etwas über meine Heimat auszusagen? Die Wahl fällt schwer. Viele Objekte kenne ich heute so gar nicht mehr. Man hat sie früher gebraucht. Auch Geschichte ist Heimat.

Bei einem Kaffee blättere ich das Programm durch: Sommerführungen jeden Donnerstag im Juli und August um 17 Uhr von Wegzeichen, Gweerigen Frauen und magischen Schutzzeichen, Vorträge zu Einbürgerung und Frauenstimmrecht, Ateliers und eine Museumsnacht für Kinder…Ich glaube, ich habe noch nicht alles gesehen und komme bald wieder.

Historisches Museum Obwalden
Brünigstrasse 127
6060 Sarnen
Mi-So, 14-17 Uhr / Führungen und Gruppen nach Vereinbarung


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Gast-Bloggerin: Silvia. 50 Jahre alt

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