Frühlingsschwumm im Sempachersee – was du über das Kaltbaden wissen musst

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Achtung Achtung, folgendes Erlebnis ist kein April-Scherz! Im März habe ich mich für einen kurzen Schwumm in den kühlen Sempachersee gewagt. Die Wassertemperatur betrug 11 Grad und brachte meine Haut ordentlich zum Glühen. Doch es tat unglaublich gut! In diesem Blogbeitrag erfährst du alles, was du über das Kaltbaden wissen musst.

Ich bin eine Wasserratte. Für mich ist es das schönste, das Seewasser nach einem Schwumm noch auf meiner Haut zu riechen. Inmitten der Natur zu sein und über die weite Oberfläche des Sees zu blicken. Während des Winters kann ich es jeweils kaum erwarten, endlich wieder in den Bikini zu schlüpfen und in den See zu springen. Nachdem ich in den letzten Wochen die eine oder andere TV-Reportage zum Thema «Kaltbaden» und «Winterschwimmern» (wie diese von SRF über die Schwimmgruppe Luzern) gesehen habe, möchte auch ich den Sprung wagen. So begab ich mich im März also für einen Schwumm in meinen Heimatsee, den Sempachersee.

Der Sempachersee im März. Da zittert man ja schon beim hinschauen.

Die Wassertemperatur beträgt 11 Grad, die Sonne strahlt aber bereits gefährlich stark auf uns hinab. Bei prächtigem Wetter radle ich mit dem Fahrrad ans Ufer des Sees auf der Seite Nottwil. Der flache Uferbereich ermöglicht mir hier einen guten Einstieg ins Wasser. Im Rucksäckli mit dabei: einen warmen Pulli, ein Badetuch und natürlich meine GoPro, um das Spektakel für die Nachwelt festzuhalten. Ich brauche ja schliesslich einen Beweis für meine verrückte Tat. 😉 Doch laut der «Swiss Cold Training Association» sei Kältetraining keineswegs etwas Spezielles. Denn die Menschheit hatte schon seit jeher mit schlimmen Kälteperioden zu kämpfen – und unsere Uuuuuuur-Vorfahren waren diesen schutzlos ausgesetzt.

Du interessiert dich fürs Kaltbaden? Bei den «Winterschwimmern Luzern» findest du Gleichgesinnte.

Komische Vorstellung, dass wir Menschen von heute, die ein Leben voller Luxusgüter führen, uns der Kälte «nur zum Spass» aussetzen. Doch nur für den Spass mache ich es ja nicht. Denn ich will mit dem Kälteschock meine Energie wieder etwas ankurbeln. Und Kaltbaden ist ja bekanntlich gesund und soll sogar bei Krankheiten weiterhelfen. Es hat auch einen meditativen Ansatz, was beispielsweise die wissenschaftlich anerkannte Atem-Methode des niederländischen Extremsportlers Wim Hof zeigt.

Wim-Hof-Methode…

…bezeichnet die positive Auswirkung des Zusammenspiels von folgenden drei Aktivitäten:

  • bewusste Atem-Technik
  • schonende Bewegungen wie Yoga oder Gymnastik an der frischen Luft
  • positive Wirkung von Kälte

weitere Informationen zur Wim-Hof-Methode auf carpediem.life.

Auf geht’s ins kühle Nass!

Ob ich das Kältebad zu einem festen Bestandteil meiner Gesundheits-Routine machen möchte, ist für mich noch nicht klar. Denn aktuell steht mir ja mein erster Sprung ins kalte Wasser noch bevor. Also genug der Plapperei, los geht’s!

Es ist ein komisches Gefühl, im Frühling bereits im Bikini in der Badi herumzustehen, während enthusiastische Velofahrerinnen und -fahrer an mir vorbeiziehen. Die schrägen Blicke bestätigen mein Gefühl. Ich verstecke mich aber nicht wieder in meinen Klamotten, sondern im See! Langsam setze ich einen Fuss vor den anderen – die Turnschuhe habe ich aus Sicherheitsgründen angelassen. Sie sind ja wasserfest und ich habe keine Lust, mir schon im März meine Füsse an einer Scherbe aufzuschlitzen.

Das Wasser ist echt a****kalt, ich kann es leider nicht anders ausdrücken. Doch jetzt gibt es kein zurück mehr. In der einen Hand halte ich eine Schwimmnudel zur Sicherheit, in der anderen meine GoPro. Hoffentlich vergesse ich nicht vor lauter Kälteschock, ein Foto zu machen. Das Wasser steht mir nun bis über die Schenkel und ich muss schon etwas schnaufen, um mich an die Kälte zu gewöhnen. Und tatsächlich: Wim’s Methode hilft.

Schritt für Schritt geht es für mich tiefer ins Wasser, bis ich den Pegel über meinem Bauchnabel spüre. Jetzt heisst es: alles oder nichts. Ich zähle auf drei… 1, 2, 3… und lasse mich voll und ganz ins Wasser fallen. Ich schnappe nach Luft und strample hin und her, doch schnell habe ich mich wieder gefangen. «Läck», ist das kalt! Nach ein paar Sekunden stehe ich wieder auf.

Ein GoPro-Schnappschuss meines Winterschwumms.

Peinlich berührt blicke ich um mich, doch es scheint mich niemand gesehen zu haben. Endorphine breiten sich in meinem Körper aus und bringen mich automatisch zum Lachen. Ich hab’s geschafft! Doch ich will mehr! Ich geniesse die Aussicht über den See und lasse mich einen kurzen Moment später erneut ins Wasser gleiten. Nun nehme ich ein paar Schwimmzüge und kann es sogar geniessen, wie das kalte Seewasser meine Haut umspielt. Hier bin ich zuhause!

Vorteile und Gefahren des Kaltbadens

Der perfekte Moment in meiner Geschichte, um über die Vorteile und Risiken des Kältebades/Winterschwimmens zu sprechen. Die Winterschwimmer Luzern (wow, was die leisten, imponiert mir sehr!) haben auf ihrer Webseite eine informative Auflistung zusammengetragen, die einen guten Überblick gibt. Hier die wichtigsten Punkte:

Vorteile:

  • Mehr Energie und Vitalität
  • Verbesserte Stimmung, besserer Fokus, mentale Klarheit und innere Ruhe
  • Besserer Umgang mit Stress
  • Besserer Schlaf
  • Reduktion von Entzündungsmarkern (hilft u.a. bei Arthritis)
  • Weniger Schmerzen (hilft u.a. bei Schmerzerkrankungen wie Rheuma)
  • Kurbelt den Stoffwechsel an und stärkt das Immunsystem

Risiken/Gefahren:

  • Die Aktivität muss sicher, verantwortungsbewusst und unter Berücksichtigung der eigenen Grenzen ausgeübt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, eine Unterkühlung, Frostbeulen oder Nervenschäden zu erleiden.
  • Das übertrieben Kaltbaden kann auch zu übermässigem Stress für den Körper führen, was Krankheiten auslösen kann.
  • Wie bei allen Sportarten im Wasser gilt auch beim Kaltbaden das Risiko des Ertrinkens. Wer alleine badet, sollte einen Auftriebskörper bei sich haben.

Quelle: Winterschwimmer Luzern

Allmählich wird es mir doch zu kalt und ich steige aus dem Wasser. Ich wickle mich in mein Badetuch ein und trockne mich ab. Nicht, dass ich mich vor lauter Übermut noch erkälte. Zwei vorbeifahrende Velofahrerinnen sprechen mich an und freuen sich ab meiner Waghalsigkeit. Eingekuschelt in den warmen Pulli setze ich mich noch für ein paar Minuten ans Seeufer. Ich fühle mich richtig lebendig. Und bin einfach nur stolz auf mich!

Einige Bekannte, denen ich in den letzten Tagen von meinem Vorhaben erzählt habe, lachten nur über mich und meinten, ich würde mich eh nicht trauen. Ha! Who’s laughing now? Richtig, die mit den – vor lauter Kälte – roten Schenkeln. Die hier am Ufer sitzt und voller Glückseligkeit den Moment geniesst. Das war definitiv nicht mein letztes Bad im kalten Wasser. Und wer weiss, vielleicht knacke ich beim nächsten Mal einen neuen Rekord und wage mich in unter 11 Grad kaltes Wasser. Uiuiui.

Sonnenuntergang über dem Sempachersee.

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Honigernte bei den Bienen oder Nachtbaden im Sempachersee – solche Abenteuer gehören für Franziska zum Jahresablauf dazu. Mit Hilfe von Bild, Text und Ton berichtet sie gerne über ihre Erlebnisse in der freien Natur und lässt sich dabei von der Schönheit der Zentralschweiz bezaubern.

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