In guter Gesellschaft auf dem Napf 

Kategorien Allgemein, Biosphäre Entlebuch, Familie, Wandern

Hügel, Kreten und «Chrächen» zeichnen das Napfgebiet zwischen dem Emmental und der UNESCO Biosphäre Entlebuch aus. Aber wer den Gipfel des Napfs erklimmen will, muss das aus eigener Muskelkraft tun. Das geht um einiges einfacher, wenn die beste Freundin einen motivierend begleitet und der BLS-Wanderbus einen gemütlich an den Startpunkt der Wanderung chauffiert. 

Manchmal lastet die vergangene Woche etwas mehr auf einem, als andere Wochen. Manchmal muss mensch einfach raus in die Natur – um Gedanken neu zu sortieren, um Ballast abzuwerfen. Und manchmal braucht es eine Wanderung mit der besten Freundin, um wieder Kraft für die neue Woche zu tanken. Aline, besagte beste Freundin, und ich hatten uns am Sonntagmorgen für eine Napf-Wanderung verabredet und wollten dabei etwas über unser aktuelles Leben sinnieren. Wir hatten geplant etwas Höhenluft zu schnuppern, aber nicht gerade zu steil und alpin reinzuschiessen. Es war ja schliesslich immer noch Sonntagmorgen, nicht wahr. 

Wanderbus für müde Wandermäuse 

Unsere heutige Tour startet auf der Mettlenalp und führt von dort in steiler Manier direkt auf den Napf. Via Änziloch führt der Weg weiter nach Goldsitenegg und endet schliesslich in Romoos beim Holzwäge-Beizli. 

Der BLS-Wanderbus steuert am Wochenende beliebte Wanderdestinationen an. 

Da die Bushaltestelle Mettlenalp (Napf) nur am Wochenende bedient wird und der BLS-Wanderbus auch nur zweimal täglich verkehrt, bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere verschlafenen Körper um 08.16 Uhr auf den Zug Richtung Trubschachen zu schleifen. Wir sind wirklich dankbar für den BLS-Wanderbus, welcher uns bequem zum Ausgangspunkt der Wanderung chauffiert. Ohne dieses Angebot hätte sich die Wanderung wohl beachtlich in die Länge gezogen (wofür wir nach dieser harten Arbeitswoche körperlich und mental gar keine Kapazität hatten). Die BLS-Wanderbusse verkehren jeweils samstags und sonntags sowie an allgemeinen Feiertagen und steuern zwischen Anfang Mai und Ende Oktober viele bekannte Wanderdestinationen an, wie die Lüderenalp, das Chuderhüsi oder unsere Mettlenalp. 

Diese Aussicht begleitet uns auf dem Weg nach oben. 

Bei dieser angekommen folgen wir dem Wegweiser, der uns auf direktem Wege auf den Gipfel führt. “Direkt” heisst in diesem Fall auch steil. In der nächsten Stunde kommen unsere Wädli und Lungenflügel in den Genuss von 400 Höhenmetern, doch wir lassen uns nicht aufhalten. Wir schaffen es, uns ununterbrochen den angestauten Frust von der Leber zu reden und bleiben nur dann stehen, wenn die andere gerade etwas Schockierendes aus ihrem Leben enthüllt hat (oder vielleicht ist es auch nur eine gute Ausrede, um eine kurze Verschnaufpause einzulegen). Die letzten Meter haben es nochmal in sich, aber wir spornen uns gegenseitig zum Weiterlaufen an. Dreamteam halt. 

Der Napf mag unscheinbar aussehen, doch oben eröffnet sich eine Wahnsinns-Aussicht. 

Der Napf – ein Kraftort? 

Wir erreichen den aussichtsreichsten Gipfel zwischen dem Emmental und der UNESCO Biosphäre Entlebuch und werden sogleich von einer Horde Ziegen und einer einmaligen Rundumsicht begrüsst. Mit 1’406 m ü. M. ist der Napf der höchste Berg des Mittellandes. Einige halten sich bei dieser Aussage kichernd die Hand vor den Mund. “Der Napf kann ja unmöglich als Berg bezeichnet werden!” Wir finden – Stopp mit dem Mobbing. Wenn mensch auf dem mit Gras überwachsenem Plateau steht und sich daneben die tiefen, steilen Gräben sternförmig ins Tal fressen, kommt schon ziemlich Gipfelgefühl auf. 

Wir setzen uns auf eine Bank und lassen den Blick über die Pilatuskette und das Emmental bis hin zum Jura und die Berner Hochalpen schweifen. Um uns herum schlendern noch weitere Wandervögel. Alle scheinen zufrieden – mit sich und der Welt. Liegt wohl daran, dass alle den Weg aus eigener Kraft gemeistert haben. Macht dieses Gefühl den Napf zu einem Kraftort? 

Nachdem wir uns im Berghotel Napf mit einer Portion Älplermagronen gestärkt haben, nehmen wir die Wanderung Richtung Romoos wieder auf. Wir kommen nicht weit, da wir an unseren vergangenen Ausflug zum Bergwaldbaden zurückdenken müssen und sogleich das Verlangen spüren, ein paar Bäume anzufassen. 

Kreten, Gräben, «Eggen», und «Chrächen» prägen die Szenerie auf unserem weiteren Weg. Bei der Alpwirtschaft Stächelegg begegnen wir schliesslich dem wohl markantesten “Chrächen” und dem Highlight der Tour: das sagenumwobene Änziloch. Die steile Felswand am Fusse der Stächelegg erinnert ein wenig an den Creux du Van und raubt uns den Atem. Wir halten kurz inne. Lassen unsere Gedanken vom Wind in den Talkessel tragen und lauschen still unseren lauten Herzen. Alles wird gut – ist es noch immer irgendwie. 

Mystisches Änziloch 

Wo steile Abgründe sind, sind meistens auch Sagen. So hausen, gemäss den Erzählungen der Einheimischen, rastlose Geister und Gespenster im Schlund des Änziloches. Zu Lebzeiten hatten sie Macht und Reichtum missbraucht oder Wehrlose und Arme unterdrückt. Nun büssen sie in der Stächeleggflue für ihre Untaten. Gruselige Geschichten für eine solch friedliche Umgebung, finden wir. 

Das sagenumwobene Änziloch. 

Nur schwer können wir unseren Blick vom Änziloch und dessen anziehender Kraft lösen. Wir nehmen unsere Tratsch-Geschichten wieder auf und lassen auch den markanten Hängst hinter uns. Langsam macht sich die Wanderung in unseren Muskeln bemerkbar, doch wir marschieren via Ober Änzi tapfer weiter Richtung Mättebergegg. Immer wieder geniessen wir die tolle Aussicht gegen Süden zu den Alpen und gegen Norden ins Mittelland. Schon schön wieder auf Luzerner Boden zu sein. 

Umso mehr wir Richtung Romoos wandern, umso klarer wird uns, warum diese Gegend hier auch das «Centovalli des Kantons Luzern» genannt wird. Die tief eingekerbten Gräben wechseln sich mit den bewaldeten Steilhängen und den sonnigen Hügeln ab und lassen fast schon alpine “Italianità” aufkommen. 

Das Napfgebiet verzückt mit abwechslungsreichen Szenerien.

Nach zweieinhalb Stunden Wandern erreichen wir die Bushaltestelle Romoos, Holzwäge. Weil wir hier irgendwo im Nirgendwo stehen und das Postauto nur einmal in der Stunde zurück in die Zivilisation fährt, beschliessen wir noch die obligate Apfelschorle im Holzwäge-Beizli zu schlürfen. Endlich im Bus Richtung Wolhusen haut es Aline und mich gleich nach wenigen Millisekunden in den Tiefschlaf. Und so verlassen wir das Napfgebiet wieder: Ausgepowert, ohne emotionalen Ballast und mit sabberndem Mund an der Schulter der besten Freundin. 

Infos zur Wanderung 

  • Startort / Zielort: Mettlenalp  / Holzwäge, Romoos  
  • Dauer / Distanz: 2 Stunden 30 Minuten / 6.9 km 
  • Anreise: Mit dem Zug nach Trubschachen oder Langnau i.E., von dort mit dem BLS-Wanderbus 284 zur Endhaltestelle «Mettlenalp (Napf)» (Die Haltestelle wird samstags und sonntags von Mai bis Oktober bedient) 
  • Rückreise: Mit dem Bus Linie 221 ab «Romoos, Holzwäge» (die Haltestelle wird täglich von Mai – Oktober bedient). 
  • Infos zur Wanderung, Fahrplan und Tickets unter www.bls.ch/aenziloch 

Weitere Informationen & Tipps 


Fotos: BLS & Laila Bosco

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Egal ob im Tanzstudio oder an der Bushaltestelle, Laila ist immer tanzend anzutreffen. Mit einem Lachen im Gesicht und einer Fotokamera in der Hand sucht die gebürtige Luzernerin überall nach Geschichten und Menschen die sie inspirieren. Oder einfach nach weiteren Orten um tanzen zu können. Mehr von Laila auf www.laila-schreibt.com

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