Anstrengende Spitzkehren – einzigartiges Panorama

Kategorien Andermatt, Natur, Ski / Snowboard

Um alpine Notfälle während der Corona-Krise zu vermeiden, wird an BergsportlerInnen appelliert auf Berg- und Skitouren zu verzichten. Ich bin darum froh, vor der aktuellen Situation noch einige Skitouren in der Region Andermatt gemacht zu haben und berichte von einer Tour anfangs März 2020 auf das Winterhorn (auch Piz d’Orsino), 2660.8 m ü. M.

Travel safe! Ausflüge in die Region Luzern-Vierwaldstättersee sind unter Einhaltung der Hygiene- und Verhaltensregeln wieder möglich.

Vorbereitung

Den Rucksack mit Schaufel, Sonde, Fellen, Harscheisen, Handschuhen, Sonnenbrille und Helm lege ich am Vorabend bereit, um am nächsten Morgen vor der Tour ein effizientes Zeitmanagement auf die Reihe zu kriegen. Die Tourenskischuhe sind griffbereit, die Tourenskier und Teleskopstöcke verweilen neben den Alpine Skier im Skiraum.

Morgens

Um 6.45 Uhr klingelt der Wecker. Voller Vorfreude stehe ich auf und gönne mir ein reichhaltiges Frühstück mit Porridge, Joghurt, Früchten und Kaffee. Wichtig: Das Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) und Sonnencrème nicht vergessen. Lagenlook anziehen und Zopf flechten – ich bin startklar. Das Lunchsäckli mit Brötchen, feinen Hauswürsten, Früchten und genügend Getränken ist schnell zusammen, alles schmeckt noch besser, wenn man es den Berg hochträgt. Um 7.30 Uhr werde ich vom Rest der Gruppe in Andermatt abgeholt, das Auto voller Material.

Start

Nach dem Kreisel in Hospental parkieren wir das Auto, fellen die Skier an und schalten die LVS ein. Wir starten auf rund 1500 m ü. M. und machen uns auf der alten Gotthardpassstrasse auf den Weg zu unserem anvisierten Gipfel. Kurze Zeit später steigen wir auf steileren Passagen weiter auf. Wir laufen im Bereich der ehemaligen Skipisten durch einen Staudengürtel in Richtung des verwaisten Bergrestaurants, wo wir eine erste Verschnauf- und Getränkepause einlegen. Schon fast 500 Höhenmeter sind bewältigt.

Immer weiter

Entlang der Skiliftüberleibsel machen wir uns wieder auf den Weg. Die Winterhornbahnen haben im Herbst 2008 den Betrieb eingestellt, woran die bestehende Infrastruktur noch erinnert.

Wir haben die Gruppe mittlerweile in zwei 2er-Teams aufgeteilt. Rund 400 Höhenmeter weiter, bei der Endstation den alten Liftanlagen Gitschen, warten wir auf unsere zwei Teamgspändli, welche beschliessen, nicht weiter aufzusteigen. Wir haben einen spektakulären Blick auf den Nordostgrat und den Gipfel in den Wolken.

Spitzkehren, Spitzkehren, Spitzkehren

Über den Nordostgrat steigen wir weiter durch die Nordostflanke zum Südostgrat auf. Es fehlt nicht mehr viel Höhe. Ein steiler letzter Hang trennt uns vom Gipfelglück. «Spitzkehren» heisst das Zauberwort. Sie sind unvermeidbar um diesen letzten Hang zu bewältigen, jedoch gehören sie nicht zu meinen bevorzugten Touren-Aktivitäten. Der Oberkörper dreht sich zum Hang, mit den Stöcken wird abgestützt und der Ski wird scheibenwischerartig um 180 Grad in die neue Aufstiegsrichtung gedreht, die Stöcke werden umgesetzt, das Gewicht etwas verlagert und der zweite Ski folgt. Schnaufend und schwitzend bewältige ich Spitzkehr um Spitzkehr. Die Puste, die ich zum Fluchen benötigen würde, bleibt mir aus.

Geschafft

Etwas unter dem Gipfelkreuz legen wir ein Skidepot an und fellen ab. Wir machen uns mit den Stöcken auf zum Gipfelkreuz. Ein wunderschöner Ausblick in Richtung Gotthardpasshöhe erwarten uns hier oben. Wir haben etwas mehr als 1200 Höhenmeter bewältigt, die Anstrengung des letzten Abschnitts ist vergessen und ein zufriedenes Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Das Gipfelkreuz hat durch Schneefall und Wind eine neue Struktur erhalten.

Pulversuche

Kurz verweilen, Erinnerungsfotos schiessen, eine Gipfelumarmung und einen Schluck trinken später, machen wir uns an die wohlverdiente Abfahrt. Die Schneeverhältnisse sind durchzogen und die Abfahrt dadurch etwas herausfordernd. Ein paar Pulver-Abschnitte finden wir zum Glück und geniessen diese darum umso mehr. Beim ehemaligen Pistenrestaurant treffen wir auf unsere Gspändli und legen eine kurze Mittagspause ein. Der letzte Teil der Abfahrt führt durchs Staudengebiet, kurz darauf befinden wir uns wieder auf der Passstrasse und wenig später beim Auto. Etwa um 13 Uhr bin ich wieder Zuhause, tausche das Tourenmaterial gegen Alpin Skier und die entsprechenden Schuhe und mache mich auf, Freunde auf den Pisten der SkiArena zu treffen. Am Abend bin ich erschöpft und zufrieden – was für ein gelungener Tag auf und abseits der Pisten.

Gast-Bloggerin: Nina, 26 Jahre aus Andermatt


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Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

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