Mit 24 Jahren das erste Mal auf Skiern

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Wenn ich Leuten erzähle, dass ich weder Ski noch Snowboard fahre, löst das jeweils dieselbe Kurzatmigkeit aus, wie wenn ich zugebe, dass ich noch nie Harry Potter oder Herr der Ringe gesehen habe. Da ich ja grundsätzlich die Idee unterstütze, ab und zu aus seiner Comfort-Zone auszubrechen, habe ich mich zu einem Skitag auf dem Stoos überreden lassen. Und so stand ich mit 24 Jahren das erste Mal auf Skiern.

Zum Kontext: Meine Tanzlehrerin Daniela ist gleichzeitig auch Skilehrerin auf dem Stoos. Vor ein paar Jahren hat sie eisern den Entschluss gefasst, mir das Skifahren beizubringen. Nachdem ich mich jahrelang vehement dagegen wehren konnte, habe ich dieses Jahr zu einer Privatlektion mit ihr eingewilligt.

Der Stress startet zu Hause

Die Problematik präsentiert sich mir bereits zuhause. Kleider für in den Schnee? Fehlanzeige. Ich meine es ernst. Warum sollte ich Kleider für in den Schnee besitzen, wenn ich mich aus Prinzip nur am Strand wälze. Mir fehlen Handschuhe, Helm, Skihosen und eine Jacke (wobei es anscheinend zwanzig Variationen gibt, wie man Faserpelz- und Softshelljacken kombinieren kann). Nachdem mich Daniela in ihre Winter-Ersatzkleider gestopft hat, bin ich (wenigstens kleidertechnisch) für das Abenteuer «Skifahren» gewappnet.

Mit rund 110% Steigung ist die Standseilbahn auf den Stoos die steilste Standseilbahn der Welt.

Mit etwas Bammel steige ich in den Zug nach Schwyz und mit noch etwas mehr Bammel erreiche ich nach knapp 1.5h das Feriendorf Stoos. Die Fahrt mit der steilsten Standseilbahn der Welt ist ein echtes Erlebnis und lässt mich meine bevorstehende Skistunde kurz vergessen. Ich staune nicht schlecht, als wir nach fünf Minuten bereits die Bergstation erreichen. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Tanztechnik im Schnee

Bei Suter Sport miete ich Skier und Skischuhe. Wie ein mit dem Leben überfordertes Küken watschle ich neben Daniela zur Skischule Stoos, was uns gefühlt den halben Tag kostet, da mich meine Skischuhe masslos überfordern. Ich glaube die Schuhe sind zudem falsch eingestellt, denn solche Schmerzen sind wirklich unzumutbar.

Links: Daniela zeigt mir von Anfang an, wie man die Skier richtig trägt, damit ich nicht zu sehr als Tourist auffalle.
Rechts: Die Schweizer Skischule auf dem Stoos – im Hintergrund blinzeln die Mythen hervor.

Zu Beginn nimmt mir Daniela die Stöcke weg und lässt mich nur mit den Skiern etwas im Flachen herumlaufen. Dann gilt es kleinere Abschnitte im Pflug hinunterzufahren und bremsen zu üben. «Drück die Fersen mehr auseinander und geh mehr ins plié. Mehr ins plié!!», ruft mir Daniela von unten her zu. Es macht ihr sichtlich Spass, die Korrekturen im Tanz-Chargon an mich zu adressieren. «So wollte ich schon immer mal unterrichten!», lacht Daniela und zückt schon wieder ihr Handy, um der Social-Media-Welt meine Fortschritte zu zeigen.

Die ersten Fahrversuche im Kinderland.

An der Haltung lässt sich noch etwas arbeiten.

Ich gurke eine gute Stunde im Kinderland herum und lasse mich von dreijährigen Knirpsen in stylischen Skianzügen überholen. Während die Kleinen souverän auf dem Förderband (genannt Zauberteppich) wieder zum Start hinauf transportiert werden, haut es mich volles Rohr von den Latten. Herrvorragend, schiesst es mir durch den Kopf während ich so daliege und wie ein gerupftes Huhn zum nächsten Verarbeitungsprozess hinauf befördert werde. Überhaupt nicht peinlich. Daniela eilt mir bereits zu Hilfe und stellt mich wieder mit beiden Beinen auf das Förderband.

Wohlverdiente Mittagspause

Wir gehen Mittagessen und ich realisiere, dass eine Apfelschorle auf der Skipiste genau so gut schmeckt, wie an einem sonnenverwöhnten Wandertag. Liegt wohl an der frischen Bergluft.

Sport macht hungrig. Vor allem Sport den man nicht beherrscht. Im Gasthaus Balmberg gibt es Älplermagronen zur Stärkung.

Während ich noch einen Löffel Apfelmus über die Älplermagronen werfe, wird mir bewusst, dass ich tatsächlich am Skifahren bin. Mit 24 Jahren habe ich bei bestem Willen nicht mehr daran geglaubt. Schliesslich lernt man mit 24 auch nicht mehr Schwimmen. Das ist etwa ähnlich peinlich. Solche elementaren Dinge bekommt man in der Kindheit beigebracht, weil dann die Hemmschwelle um einiges tiefer liegt und Angst sowieso ein Fremdwort ist. Ausser bei mir: ich war schon als Kind immer sehr ängstlich. Und genau diese Angst steigt gerade wieder in mir auf, als ich den steilen Abhang runterschaue. (Es handelt sich natürlich um eine einfache, blaue Piste. Aber stell dir vor, du wirst mit 0 Schwimmskills von einem Boot einfach ins Mittelmeer geworfen. Nöd so gail, oder?).

Die erste Abfahrt

Jetzt ist es soweit. Ich schicke Stossgebete zum Himmel und versuche das Gelernte der letzten Stunden anzuwenden: Schön in den Pflug stehen. Fersen auseinanderdrücken. Atmen. Ich setze zur ersten Kurve an. Immer noch im Pflug, immer noch mit 2km/h unterwegs und immer noch mit Todesangst. Zack ist die erste Abfahrt geschafft. Ich will mich schon auf dem nächsten Bänkchen erholen, doch Daniela kennt kein Pardon. Immer und immer wieder schleppt sie mich den Skilift Sternegg hinauf, um mich anschliessend wieder die Piste hinunter zu jagen.

Und dann passiert es: Bei der einen Rechtskurve lasse ich mir zu wenig Zeit für die Kurve und gewinne zu schnell an Fahrt. Vor meinem inneren Auge sehe mich bereits am «Bitte ab hier langsam»-Schild kleben und lasse mich in meiner Panik einfach auf die Seite fallen. Schnee wirbelt auf. Die Skier hab ich irgendwo, jedenfalls nicht mehr an meinen Füssen. (Und Nein – von dieser Szene gibt es kein Filmmaterial. Hättsch gärn).

Nach fünf Abfahrten, einem verlorenen Stock beim Skilift fahren, etlichen Schweissausbrüchen und Schienbeinen, welche sich schon vor drei Stunden ins gelobte Land verabschiedet haben, gebe ich mich für meinen ersten Skitag geschlagen.
Stoos: 1
Laila: 0.
Lailas Schienbeine: -10

Rasant ist anders. Aber jeder fängt ja klein an.

Tagesabschluss auf dem Fronalpstock

Zum Abschluss des Tages nehmen wir den Sessellift auf den Fronalpstock. Wir geniessen die Aussicht über das Nebelmeer und belächeln alle, die in der Nebelsuppe sitzen.

Mein aller erster Skitag endet mit einem Kaffee im Gipfelrestaurant Fronalpstock. Zwar mit noch etwas weichen Knien von meinem 360-Twist-Bauchklatscher, aber sichtlich stolz, dass ich mich zu diesem Skitag überwunden habe. Ausserdem muss ich zugeben, dass ich sogar zweimal von der Piste aufsehen und etwas in die Berglandschaft blicken konnte. Zwar im flacheren Gelände, but anyway).

Nächstes Jahr gehe es dann bereits viel besser, meint Daniela bei der Heimfahrt. Ich schaue sie mit grossem Entsetzen an: «Wir machen das noch einmal?»


Infos und Tipps


Egal ob im Tanzstudio oder an der Bushaltestelle, Laila ist immer tanzend anzutreffen. Mit einem Lachen im Gesicht und einer Fotokamera in der Hand sucht die gebürtige Luzernerin überall nach Geschichten und Menschen die sie inspirieren. Oder einfach nach weiteren Orten um tanzen zu können.

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