Tief unter der Erde im Muotatal

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Heute nehme ich euch mit in den dunkelsten Winkel des Muotatals: ins Hölloch. Endlich habe ich selber ausprobiert, wovon unsere Gäste schwärmen. Nämlich eine geführte Tour im Hölloch samt Raclette bei Kerzenlicht.

Schwarz

Schwarz. Das ist das Einzige, was man sieht, wenn im Hölloch das Licht ausgeht. Nicht blau-schwarz, wie es um drei Uhr morgens draussen ist. Nicht bunt-schwarz, wie wenn man die Augen schliesst. Nein, absolut-schwarz. Wie das Fehlen von Raum und Materie. Mich persönlich hat diese Erfahrung am nachhaltigsten beeindruckt. Natürlich dauert das Lichterlöschen nur einen kurzen Moment. Während der ganzen Tour spenden die Helmlichter zuverlässig Licht.

Eine Höhle für alle

Daher Angsthasen und Unsportliche aufgepasst. Eine Führung im Hölloch ist für fast alle machbar und ein Erlebnis. Man muss sich ja nicht gleich die dreitägige Expedition mit Übernachtung im Biwak aussuchen. Sondern man kann wie ich die rund dreistündige Kurzführung wählen und dafür noch ein stimmungsvolles Raclette anhängen.

Erstaunlich

Während der Tour habe ich so viel gestaunt, dass ich eine Liste zusammengestellt habe:

  • Erstaunlich, dass 56 Tierarten im Hölloch leben. Dies bei absoluter Dunkelheit, konstanten 6 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von fast 100 Prozent. Darunter sind auch Tiere, die es nur hier gibt.
  • Eindrucksvoll, wie stark Luft ist. In der Luftschleuse schiebt mich der Luftstrom in den nächsten Gang, egal ob ich will oder nicht.
  • Bemerkenswert: unser Guide Marcel Rota. Mit seinen Erzählungen liess er uns vergessen, dass über unseren Köpfen Tonnen von Kalkstein waren.
Höhlenwart und Hölloch-Guide Marcel Rotta
  • Unglaublich, wie gross das Höhlensystem ist. Ich hatte nach zwei Stunden nur einen Bruchteil der 204 Kilometer gesehen.
  • Verblüffend, wie man bereits 1905 den vordersten Teil der Höhle touristisch erschloss. Mit Weg, Treppen und Strom!
  • Überraschend, wie wohl ich mich gefühlt habe. Die Kerzendekoration brachte beim Raclette eine schöne Stimmung in die Höhle.

Nicht allein

Das Hölloch ist nur geführt zugänglich. Das ist auch besser so. Allein hätte ich aus diesen Gängen nicht wieder herausgefunden. Zudem kündet Guide Marcel jeweils an, wenn man auf etwas besonders aufpassen soll. Der Einstieg ist zum Beispiel ziemlich rutschig. Vielleicht hat der Muotathaler Bergbauer, der die Höhle 1875 entdeckte, sie deshalb «hähls Loch» genannt. Auf Hochdeutsch «rutschiges Loch».

Sandhang, weite Gänge, enge Gänge, abseilen, kriechen, eine senkrechte Leiter hinuntersteigen. Die Zeit vergeht, ohne dass wir es merken. Vom Teenager über junge Frauen bis zum gestandenen Mann finden es alle spannend und abwechslungsreich. Und ich fühle mich wie eine verwegene Abenteurerin. Solange Marcel in meiner Nähe ist …


Infos und Tipps


alle Fotos stammen von © Stefan Zürrer

Manuela schreibt seit dem Jahr 2000 über den Kanton Schwyz. Zuerst als Journalistin, später für Schwyz Tourismus. Allein oder mit ihrer Familie sucht sie nach Neuem, Unentdecktem und Verstecktem zwischen dem Zürichsee, dem Vierwaldstättersee, der Spitze der Rigi und dem hintersten Winkel des Muotatals. Sie begegnet Menschen, die im lokalen Brauchtum verwurzelt sind, innovative Ideen leben oder die Schätze der Natur hegen. So viel Begeisterung für die Schwyzer Vielfalt und landschaftliche Schönheit kann man nicht für sich behalten, man muss sie teilen.

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