Luzerner Fasnacht im Skigebiet – Bäribrommer Sempach zu Besuch in Engelberg

Kategorien Kultur, Luzern, Menschen, Obwalden, Regionen, Sempachersee, Tradition

Mit Pauken und Trompeten ziehen sie wieder durch die Gassen: Die Guggenmusigen aus dem Kanton Luzern freuen sich, die diesjährige Fasnacht nun definitiv zelebrieren zu dürfen. So auch die Guggenmusig Bäribrommer aus Sempach, die im Februar einen musikalischen Ausflug auf die Engelberger Pisten und den Titlis erleben durfte.

Ein ungewohntes Bild: Guuggen-Instrumente inmitten eines Skigebiets.

Ich muss schon sagen: Im Jahr 2022 ein ausgiebiges Fasnachtsprogramm für eine Guggenmusik zu planen, war definitiv keine leichte Aufgabe. Die ständig wechselnden Bestimmungen um Covid-19 erforderten viel Flexibilität. Umso stolzer ist die Sempacher Guuggenmusig Bäribrommer auf das vollgepackte Programm, dass sie der Programm-Chefin Isabel zu verdanken haben. Einer unvergesslichen Fasnacht steht also nichts mehr im Wege.

Fasnacht in Luzern: Informationen und Termine

Auch ich gehöre seit 2014 zu diesem verrückten Haufen, der sich «Bäribrommer» nennt (Selina aus der Tourist Information Luzern übrigens auch). Und in diesem Jahr dürfen wir bereits unser 40-jähriges Jubiläum feiern. Man stelle sich bloss die vielen Geschichten vor, die in diesen Jahren geschrieben wurden. Und an besagtem Samstag folgte noch eine weitere – auf dem musikalischen Ausflug in das Skigebiet Engelberg-Titlis.

Selina (rechts) und ich geniessen den sonnigen Tag in Engelberg. Wir beide Tragen ein unterschiedliches Gwändli aus den letzten Jahren.

Das Skigebiet Engelberg-Titlis begrüsst in normalen Zeiten regelmässig Guggenmusigen, um während der Vorfasnacht für ein bisschen «Konfetti-Feeling» im Skiurlaub zu sorgen. Doch wie bei vielem ist heuer alles etwas anders und wir Bäribrommer hatten das Glück, einen heiss begehrten Platz in der Planung zu ergattern.

Der frühe Vogel fängt… das Konfetti

So starteten wir also in aller Herrgottsfrüh an einem Samstag im Februar mit den Vorbereitungen für unseren Ausflug. Seit Jahren bin ich im Schminkteam. Bei uns «Land-Guuggen» gehört nämlich anstelle eines «Grindes» ein geschminktes Gesicht zum obligatorischen Outfit dazu. So schön es auch ist, zu Beginn eines Fasnachts-Tages allen müden Gesichtern ein kaltes Schmink-Schwömmli ins Gesicht zu drücken, so mühsam ist halt manchmal die Tatsache, dass man als erstes am Treffpunkt eintrudeln muss. Denn die Schminkutensilien wie auch die Air-Brush-Düsen müssen vorbereitet sein, sobald die «normalen» Guuggen-Mitglieder zum Schminken eintreffen.

Auch Tambourmajor Lukas muss den Kopf hinhalten.

Und in diesem Jahr – dem Jubiläumsjahr – ist das speditive Vorankommen beim Schminken sowieso ein Muss. Wir dürfen dank einigen Ehemaligen, die es nochmals in den Fasnachtsfingern gejuckt hat, mit sage und schreibe 70 Nasen auf der Bühne (und Strasse) stehen. Das ist echt der Hammer! 70 Köpfe zu schminken aber weniger… 😉 Nein nein, es macht uns allen Spass, sonst wären wir ja nicht im Schminkteam. Und in diesem Jahr ist es sowieso eine bunte Sache, denn jedes Mitglied darf während der Vorfasnacht frisch von der Leber entscheiden und sein oder ihr Lieblings-Kleid aus den vergangenen Jahren anziehen. Farbliche Flexibilität gefordert!

Hier kümmern sich einige Mitglieder um die noch unvollständigen Plaketten für die Fasnacht.

Startschuss für die Düsen

Um 7.20 Uhr geht es für uns los. Die Air-Brush-Düsen wurden zum Glück schon am Vorabend bereit gemacht. So können wir schnurstracks loslegen, unsere potenziellen Neumitglieder – wir nennen sie «Erstelis» – zu verschönern. Nach und nach trudeln die einzelnen Register ein, sodass wir pünktlich um 9.30 Uhr losfahren können. Mit dem Car geht es ab auf die Autobahn und «aufi aufn‘ Berg», den Titlis. 

Sonne, Schnee und… Sousaphon

In Engelberg angekommen erwartet uns zwar eisige Kälte (wir vom tiefer gelegenen Luzerner Hinterland sind halt etwas verwöhnt). Doch die strahlende Sonne wärmt unsere Glieder schnell wieder auf. Gemeinsam mit Ski-Enthusiasten und Pisten-Liebhaberinnen stehen wir für die Gondelbahn an.

Diese Susis sind bereit zum Abflug mit der Gondel.

Ein lustiges Bild, zwischen all den geschulterten Skiern, Boards und Skihelmen auch ein Sousaphon hervorblitzen zu sehen. Und man staune, wie viel Platz in einer einzelnen Gondel tatsächlich zur Verfügung steht. Die grossen Pauken, Susis und «Chochene» (Schlagzeuge) kamen jedenfalls alle sicher oben an. Unser Ziel heisst: Dachterasse des Berghotels Trübsee. Es ist nun ungefähr 11.30 Uhr. Es bleibt also noch genügend Zeit, sich vor dem Auftritt mit einer feinen Portion Pommes und Chicken Nuggets zu stärken. Und dank den Getränkegutscheinen, die wir von Engelberg-Titlis Tourismus erhalten haben, reicht es auch für ein erfrischendes Getränk.  

Sara ist mit der Brommer-Maske bestens ausgerüstet für die Fahrt mit der Gondel.

12.45 Uhr: Los geht’s zum Instrumenten-Depot, denn der Auftritt um 12 Uhr steht kurz bevor. Wir geben ein lustiges Bild ab, in voller Fasnachts-Montur zwischen all den Wintersportlerinnen und -sportlern. Wie buntes Konfetti inmitten eines Schneehaufens. Des Öfteren ertappe ich auch den einen oder anderen Touristen, der mich schräg von der Seite her begutachtet. So schockierend kann die Schweizer Kultur also sein. 😉

Guuggenmusig-Klänge bei Panoramaaussichten

Der Auftritt auf 1’800 Metern über Meer – ein tolles Gefühl!

Und dann geht es los. Auf 1‘800 Metern über Meer geben wir unser musikalisches Können zum Besten. Für mich und viele meiner Gspändli ist es der erste Auftritt in einem Skigebiet. Und ich muss sagen, es gefällt mir sehr gut! Nicht nur, weil man beim Spielen eine wunderbare Sicht auf unsere Zentralschweizer Alpenpracht geniessen kann, sondern auch, weil sich die Gäste an der so unerwarteten Showeinlage noch viel mehr erfreuen. Wir werden gefilmt, es wird getanzt und die Touristen aus nah und fern singen heiter mit. Auch wenn nicht jedes Tönli richtig aus dem Guuggi kommt… 🙂

Beste Stimmung bei schönstem Wetter.

Nach einer kurzen Pause folgt ein zweiter Auftritt, bei dem wir uns auch an einige neue Stücke in unserem Repertoire heranwagen. Es tut gut, zu merken, dass wir die beiden Lieder gar nicht mal so schlecht im Griff haben. Und jeder hat spätestens jetzt die eigenen «Problemzonen» im Stück entdeckt.

Sonne und Gondel senken sich dem Tal entgegen

Die Sonne senkt sich langsam dem Horizont entgegen – hoch in den Bergen liegt dieser Horizont ja ziemlich weit oben… Noch ein letztes Mal geniessen wir alle die einzigartige Stimmung auf der Terasse des Berghotels Trübsee, genehmigen uns ein heisses Holdrio, ein kühles Migi-Möschtli oder toben uns im Schnee aus. Und die obligatorischen Föteli für die Familie dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Viel zu schnell müssen wir unsere Sacken packen und den Weg zur Talstation antreten. Doch es hat sich noch lange nicht ausgespielt! Unten angekommen offeriert uns das Skigebiet nochmals ein Getränk unserer Wahl – echt meeeega! Gut gelaunt und vor einem grossen Publikum dürfen wir im Anschluss noch ein letztes Mal die Musik erklingen lassen. Und ich muss sagen: Auch wenn einige schon etwas müde Lippen haben, klingt es doch immernoch sehr gut! Und die Stimmung ist hier unten bei den Skigästen im Aprés-Ski und jenen, die bald den Heimweg antreten wollen, am besten!

Unseren letzten Auftritt des Tages durften wir vor zahlreichem Publikum geniessen.

Es erstaunt mich, wie viele Leute uns ansprechen. Sie fragen, was für eine Gruppe wir seien und ob das hier in der Schweiz immer so ablaufen würde. Im Gespräch mit Dänen, Briten und Amerikanern kann ich auch endlich wieder mal mein Englisch auspacken. Schön zu wissen, den Touristen einen waschechten Einblick in die Zentralschweizer Fasnacht ermöglicht zu haben.

Ein glücklicher Bäribrommer vor der Talstation des Skigebietes Engelberg-Titlis.

Abschluss in der Gletscherspalte

Unser Tagesausflug neigte sich schon bald dem Ende zu. Gemeinsam trampeln wir durch die Strassen Engelbergs (brrrrr, ist das kalt hier!) in Richtung Sporting Park und stärken uns dort mit einem grossen Teller Spaghetti. Eine Wohltat für Magen, Herz und die kalten Glieder.

Fasziniert von der eindrücklichen Popkorn-Maschine im Eingangsbereich des Sporting Parks (ein Bäribrommer hätte sie am liebsten abgekauft) und mit einem vollen Magen geht es für uns zur letzten und definitiv tiefsten Station des Tages: die Gletscherspalte. Keine Angst, wir haben uns nicht wirklich in einen Gletscher abseilen lassen. Die Gletscherspalte ist eine Trendbar inmitten des Dorfes Engelberg. Hier drehen wir den Energie-Hahn nochmals richtig auf. Und kommen das erste Mal so richtig ins Schwitzen! Die Musik ist der Hammer, die Bedienung an der Bar freundlich und die Stimmung toppt alles. Ein gelungener Abschluss eines gelungenen Tages.

Krönender Abschluss in der Gletscherspalte.

Glücklich und zufrieden begeben wir uns um 00.30 Uhr auf den Heimweg. Danke Engelberg-Titlis für dieses unvergessliche Erlebnis! Eine weitere Geschichte in den 40 Jahren Bäribrommer Sempach wurde geschrieben.

Hier geht’s zum Fasnachts-Programm der Bäribrommer Sempach



Weiteres zur Luzerner Fasnacht

Honigernte bei den Bienen oder Nachtbaden im Sempachersee – solche Abenteuer gehören für Franziska zum Jahresablauf dazu. Mit Hilfe von Bild, Text und Ton berichtet sie gerne über ihre Erlebnisse in der freien Natur und lässt sich dabei von der Schönheit der Zentralschweiz bezaubern.

2 Gedanken zu „Luzerner Fasnacht im Skigebiet – Bäribrommer Sempach zu Besuch in Engelberg

    1. Lieber Alexander
      Vielen Dank für deine Rückmeldung und das Lob. Es freut mich sehr, dass ich die super Stimmung unseres Ausflugs an die Leserschaft weitergeben konnte.
      Liebe Grüsse, Franziska

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