Winterwandern – auf Anweisung der Ärztin

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Über eine Woche später diesen Blog zu schreiben fühlt sich seltsam an. In der Zwischenzeit ist so viel passiert und mein Ausflug in die Region Engelberg wäre in dieser Form heute nicht mehr möglich. Ein Grund mehr wieso ich froh bin diese Winterwanderung erlebt zu haben.

Was ich neu für mich entdeckt habe, ist Dinge allein zu unternehmen. Alleine im Restaurant essen, alleine in die Ferien reisen oder alleine Popcorn mampfen im Kino – alles kein Problem. Schliesslich befinden sich all diese Aktivitäten im städtischen Umfeld – meiner Komfortzone. Nun habe ich mich entschieden meine Komfortzone zu verlassen und einen Bergausflug zu planen, alleine! Okay, zugegeben ich habe zuvor versucht jemanden zu akquirieren der vielleicht Lust und Zeit hätte mitzukommen – ging dann halt nicht weil alles recht kurzfristig war (verstehe ich auch voll, die Welt hat ja nicht auf mich und meine Aufforderung gewartet).

Sonne muss es haben – und ein wenig Schnee

Meine Wahl fiel auf Brunni im Engelberertal. Mein Ziel musste gut mit dem ÖV erreichbar sein. Zudem fahre ich nicht allzu gern mit dem Postauto, dort kann ich nicht lesen. Da meine Ärztin einen Vitamin D Mangel festgestellt hatte, war Sonnenlicht ein weiteres Killerkriterium (Unter uns, wenn ich gleichzeitig meinen Teint auffrischen kann – why not).

Weiter im Text. Ich fuhr also mit meinen auf Tutti erworbenen Secondhand-Schneeschuhen nach Engelberg und nahm den Bus zur Talstation Brunni. In der Umsteigezeit wollte ich mir einen Soja Cappuccino holen – wurde dann doch zu knapp und ich musste mich mit der Plörre vom Bäcker zufrieden geben. Anyway. Ich hatte aus meinem Sonntagsausflug von vergangener Woche gelernt und erkundigte mich an der Talstation nach den Schneebedingungen. Die nette Dame meinte: Naja, mal schauen. Wird knapp. Die Klostermatt, der Stutz, an dem alle Kinder Skifahren lernen, sei eher braun als weiss. Das fängt ja gut an, dachte ich mir während die Brunnibahn mich auf die Mittelstation Ristis transportierte.

Die Schneeschuhe werden zurückgelassen

Da ich keinen optimalen Rucksack für meine Schneeschuhe dabei hatte, habe ich mich entschieden mich vorübergehend von diesen zu trennen und zu Fuss loszulaufen. Nachdem ich die Wegweiser eingehend studiert hatte, etnschied ich mich für den Ristis -Schönenboden Trail. In meinem Freundeskreis bin ich bekannt für meine ausführlichen Instagram-Stories. So liess ich mir es auch nicht nehmen, das Geräusch von knirschendem Schnee unter meinen Schuhen festzuhalten.

Nach den ersten Metern im Schnee und teilweise im Schatten des Waldes, spürte ich bereits, wie mich diese Winterwanderung beruhigte. Als wollte mir das Universum sagen, das war eine gute Entscheidung, gelangte ich an eine kleine Lichtung und knipste sogleich ein Foto gegen die Sonne (Ich weiss, da sieht man nie was, aber es gibt diese tollen Strahlen). Mir kam eine Songzeile aus einem Brad Paisley Lied in den Sinn: «She feels like a solar powered girl» und ich beschloss, das dies mein heutiges Motto war.

Der Weg war teilweise noch mit Schnee bedeckt. Es wäre wohl doch gegangen mit den Schneeschuhen, dachte ich mir. Im Nachhinein bin ich doch froh habe ich mich dagegen entschieden, als dann ein Feld und zum Schluss noch eine Strasse ohne Schnee kam!

Hindernisse überwinden

Ein umgekippter Baum auf dem Weg, brachte mich dazu über Hindernisse und «Challenges» nachzudenken. Mir fiel auch die Stille auf. Aus dem Tal tönte ein dumpfes Grollen, dass ich nicht genau zuordnen konnte, die Rega flog einmal kurz durch. Ansonsten traf ich keinen Menschen an, nur eine Katze, die sich im Dachbalken eines Speichers versteckt hatte. Für einen kurzen Moment waren wir uns beide nicht sicher wer mehr erschrocken war.

Der weitere Weg führte nun aufwärts, brachte mich ins Schwitzen und Schnaufen und ich merkte wieder einmal, dass ich nicht in bester Kondition war. Oben angekommen, war ich dann doch ein bisschen stolz auf mich. Ich habe mich aus meiner Komfortzone gewagt! Beim nächsten Mal könnte ich mir noch eine etwas anspruchsvollere oder zumindest längere Tour raussuchen. Dafür hat mir an dem Tag aber noch das Selbstvertrauen gefehlt, zudem habe ich grossen Respekt von den Bergen und den potentiellen Gefahren.

Auf meinem Rückweg treffe ich dann doch noch ein paar andere Ausflügler an. Ich mache eine Pause auf einer sonnigen Bank und geniesse den Ausblick auf den Titlis (wie die anderen Berge heissen, weiss ich nicht. Dafür fehlt mir die fachkundige Begleitung oder die Peakfinder-App).

Eine Stärkung zum Schluss

Da ich doch recht zügig unterwegs war oder die falsche Runde gelaufen bin (wer weiss das schon so genau) hängte ich vor dem Mittag noch eine zweite Schlaufe an. Währendessen freute ich mich auf eine leckere Stärkung auf der Sonnenterrasse des neu umgebauten Restaurants der Berglodge Ristis.

Es ist ein herrlicher Sonntag und die Sonnenterrasse ist gut gefüllt. Als Single-Gast bin ich die Ausnahme, und erhalte ein paar erstaunte Blicke, welche aus meiner Wahrnehmung aber wohlwollend sind. Also sitze ich an der Sonne, geniesse meine Suppe und schreibe meiner Freundin Regula, dass wir dann mal zusammen mit unseren Zukunftskindern hierhin kommen könnten.

Hoffentlich ist diese Krise bald überwunden. Da ich mich nun aus meiner Komfortzone gewagt habe, bin ich bereit für weitere Herausforderungen und Solo-Adventures!

Gast-Bloggerin: Martina F. aus Freiburg. Aufgestelltes Stadtkind, treue Podcast-Liebhaberin und mit einer Schwäche für vegane Kuchen.


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Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

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