Auf einer Kostümführung im Forum Schweizer Geschichte in Schwyz taucht ihr ins Mittelalter ein. Ich war mit der Stauffacherin unterwegs. Das heisst mit der sagenhaften Frau von Landammann Werner Stauffacher. Sie liess keinen Zweifel daran: Der Rütlischwur ist ihr zu verdanken.

Gertrud Stauffacher.

An der mittelalterlichen Landsgemeinde teilnehmen

«Ich gehe in der Sage um Tell, der Geschichte um meinen Mann und der Entstehung der Schweiz häufig vergessen», sagt Gertrud Stauffacher keck zur Begrüssung der Besucherinnen und Besucher. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn Gertrud Stauffacher ist keine historisch belegte Person. Als mythische Figur blickt sie beim Museumsrundgang auf die historischen Fakten und den realen Alltag im Mittelalter – und würzt die objektive Historie mit subjektiven Kommentaren und Erzählungen. Es dauert nur wenige Sekunden und ich fühle mich in eine mittelalterliche Landsgemeinde zurückversetzt.

Landsgemeindeplatz im Forum Schweizer Geschichte Schwyz.
«Schwarze Stube» – Original aus einem für den Schwyzer Talkessel typischen Blockbau von 1311.

Berühmt geworden dank Schiller

Gertrud Stauffacher lädt uns in ihre Stube ein, erzählt uns vom Säumer, begleitet uns auf den Markt und spricht über die Rolle der Frau. Dabei sagt sie sehr frei, was sie denkt und wie sie ihrem Mann im 13. Jahrhundert hilft, Entscheidungen zu treffen. Nebenbei bemerkt: Die Stauffacherin hatte in der echten Geschichte ihren ersten Auftritt 1804, und zwar als Literaturfigur in Schillers «Wilhelm Tell». Dort sagt sie ihrem Gatten beherzt: «Sieh vorwärts, Werner, und nicht hinter dich.»

Marktplatz.

Seltene weibliche Heldin

Doch zurück nach Schwyz. Die 30-Jährige ist Ehefrau, Mutter und als Frau Landammann auch Dorfkönigin. Dies lässt sie auch immer wieder durchblicken. Ich verzeihe ihr das grosse Ego gern, denn es bringt mich auch immer wieder zum Lachen. Neben all den ernsten männlichen Helden aus der Befreiungstradition der Schweizer Geschichte ist Gertrud Stauffacher eine erfrischende, weibliche Identifikationsfigur.

Kauffrau Margherita di Domenico Bandini und Säumer Toni Simmen.

Ausstellung immer wieder neu entdecken

Die Kostümführungen im Forum Schweizer Geschichte mischen Fakten und Unterhaltung. Der Rundgang wird zum Erlebnis, ohne in Klamauk abzudriften. Neben der Stauffacherin stehen auch andere Figuren zur Auswahl, wie Ritter Arnulf von Hohenklingen, Kauffrau Margherita di Domenico Bandini oder Säumer Toni Simmen. Grundsätzlich könnte man mit jeder Zeitzeugin und jedem Zeitzeugen durch das Museum gehen, und man würde die Ausstellung jedes Mal neu entdecken.


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Manuela schreibt seit dem Jahr 2000 über den Kanton Schwyz. Zuerst als Journalistin, später für Schwyz Tourismus. Allein oder mit ihrer Familie sucht sie nach Neuem, Unentdecktem und Verstecktem zwischen dem Zürichsee, dem Vierwaldstättersee, der Spitze der Rigi und dem hintersten Winkel des Muotatals. Sie begegnet Menschen, die im lokalen Brauchtum verwurzelt sind, innovative Ideen leben oder die Schätze der Natur hegen. So viel Begeisterung für die Schwyzer Vielfalt und landschaftliche Schönheit kann man nicht für sich behalten, man muss sie teilen.

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