Rasante Kräuterschätze im Entlebuch

Kategorien Bike, Biosphäre Entlebuch, Kulinarik, Natur, Regionen

Es scheint, als wäre ich in der UNESCO Biosphäre Entlebuch immer bei denselben Tätigkeiten anzutreffen. Zum Essen und gemütlich Sport treiben. So auch diesen Sonntag. Die kulinarische Schatzsuche «Savurando» war aus diversen Gründen ein Sommer-Highlight für mich. Ich konnte meine Nase nicht nur zwischen bombastisch duftende Bergkräuter stecken, ich habe so ganz nebenbei noch ein kleines Trauma überwunden.

Als ich erfahren habe, dass mensch die kulinarische Schnitzeljagd Savurando am besten mit einem E-Bike absolviert, habe ich etwas gezögert. Schliesslich verarbeite ich noch immer mein Trauma von den elektrischen PubliBikes in Bern, welche beim Start derart beschleunigen, dass du dich Kopf voran den nächsten Pfosten umarmen siehst. In Anbetracht der Steigung war ich im Nachhinein aber gottenfroh um mein Motörchen unter dem Sattel. Doch ganz von Anfang an.

Das Gefährt des Tages. Die Savurando-Tour geniesst mensch am besten per E-Bike.

Prickelnder Start

Wir starten die Savurando-Tour im Hotel Drei Könige in Entlebuch. Bevor wir die vorab reservierten E-Bikes ausgehändigt bekommen, gilt es das erste Rätsel zu lösen. Und das ist ganz schön knifflig. Bis uns die nette Dame am Empfang darauf hinweist, dass wir auch im Inneren des Hotels nach Hinweisen suchen dürfen. Gesagt – getan. Als Belohnung gibt es ein prickelndes «zämä», ein energiegeladenes Erfrischungsgetränk aus den Entlebucher Kräutern Tannenspitz, Hirtentäschel und Brennnessel. Diese Energie werden wir später noch brauchen und auch die genannten Kräuter werden wir in den nächsten Stunden in natura wachsen sehen.

Die nette Dame will uns die E-Bikes aber immer noch nicht aushändigen. Zuerst müssen wir noch ein paar Häuser weiter unser Znüni «errätseln». Das kriegen wir aber relativ schnell zusammen und wir packen die kulinarischen Kostbarkeiten, inkl. Vegi-Alternative in unsere wiederverwendbaren Stoffsäckli, welche wir zum Start erhalten haben.

Zurück im Hotel trennt mich nur noch ein Garagentor von meinem Albtraum. Garage auf – Velo raus – Laila drauf. Ich schwinge mich auf den Sattel und dann sehe ich meine Erlösung: der Motor lässt sich auch nach dem Anfahren noch einschalten. Die Tour ist gerettet und Freund ebenfalls froh, dass er mich und meine flache Nase nicht vom Entlebucher Boden kratzen muss. Jetzt aber los. Es warten noch fünf weitere kulinarische Kräuter-Schätze auf uns.

Das Logo ist natürlich extra verdeckt, damit die Schatzsuche für euch spannend bleibt.

Für die Tour könnt ihr auch euer eigenes E-Bike mitnehmen. Wer keines besitzt oder es nicht ins Entlebuch transportieren will, mietet ganz einfach eines unter: rent-a-bike. Mit einer Prise Kondition lässt sich die Tour aber auch mit dem normalen Fahrrad absolvieren.

Freudentaumel im Moor

Bereits nach fünf Minuten Fahrtzeit erreichen wir den gesuchten Hofladen und die holzige Schatztruhe. Während ich meinen verlegten Fahrradhelm suche, hat Freund bereits das nächste Rätsel gelöst und wir düsen bergaufwärts den imposanten Windrädern entgegen. Dank unserem Motor ist der Aufstieg ein Klacks. Ha! Wer hätte gedacht, dass mir E-Bike fahren derart Spass machen würde.

Und während ich den Blick über die endlose Entlebucher Hügellandschaft schweifen lasse und mir der Duft von frischen Kräutern in die Nase steigt, sehe ich es. Das Moor! Übermütig rufe ich Freund zu: «Schau, das ist die Moorlandschaft Mettelimoos!» und holze dabei mit meinem Vorderrad fast einen Pfosten ab. So viele Texte habe ich während meiner Zeit bei Luzern Tourismus über die Moorlandschaften der Zentralschweiz geschrieben. Tausende von Tonnen Torf wurden während den beiden Weltkriegen im Mettelimoos und bei Wissenegg gestochen und anstelle von Kohle in den Öfen der Firmen verheizt. Heute sind die Moore geschützt und ich habe sie endlich live vor mir. Einen malerischeren Ort für unser Znüni kann ich mir gar nicht vorstellen.

Moor soweit das Auge reicht.

Zeit für eine Pause: Zum Glück gibt es während der gesamten Tour leckere Kräuterprodukte zum Schnausen.

Im Kräuterparadies

Nachdem die Sonne unser Schattenplätzchen eingenommen hat, zieht es uns weiter zu Schatz Nr.3. Wir verfahren uns nur kurz und finden gleich wieder auf den richtigen Weg zurück. (Dank meinen vergangenen Blogbeiträgen wisst ihr ja, dass ich den Orientierungssinn einer Seegurke habe – Tja. Freund eben auch. Wie passend). Auf jeden Fall erreichen wir den schmucken Bauernhof kurz nach Mittag und freuen uns gigantisch über den kühlen Sommereistee, den wir gleich durstig ansetzen.

Wir beschliessen noch den Wachstumsort dieser wunderbaren Kräuter zu erkunden, welche wir den ganzen Tag schon in regionalen Köstlichkeiten degustieren durften. Wir kommen nicht weit, da läuft uns bereits lachend Pia Bieri entgegen. Dicht gefolgt von schwanzwedelndem Hofhund Gina, eine Mischung aus Berner Sennenhund und Dackel. Stell dir diese zuckersüsse Kombo mal vor! Nach ein paar ausgiebigen Streicheleinheiten ist es Gina an der gleissenden Mittagssonne aber dann doch zu heiss und wir folgen Pia alleine in den Kräutergarten.

Wir riechen uns satt an der Ricola-Minze, fühlen die flauschigen Blätter der Apfel-Minze und halten die Nasenspitzen in das Verveine-Beet. Mit viel Herzblut und Sorgfalt werden die Felder nach biologischen Richtlinien gepflegt und die kostbaren Pflanzen mit reiner Handarbeit gemischt und verpackt. Pia erzählt uns von den harten, aber vor allem schönen Seiten des Kräuteranbaus. Wie erfüllend es sei, wenn alle 15 Bauernfamilien aus der Genossenschaft zusammenkommen, sich austauschen, gemeinsam die produzierten Kräuter verarbeiten und an neuen Tee-Kreationen tüfteln. Auf die Frage, welcher Tee denn ihr Favorit sei, zeigt sie schmunzelnd auf den Jodlertee. Dieser geschmacksvolle Tee ist 2016 in Zusammenarbeit mit den Jodlerinnen und Jodler des Zentralschweizer Jodlerfests in Schüpfheim entwickelt worden und wirkt belebend für Stimme und Hals. Da ich sowieso nicht singen kann, nehme ich den leckeren Sommereistee als Souvenir nach Hause.

Seegurken par excellence

Was nun folgt, war schon lange absehbar. Wir bedanken uns bei Pia für die spannende Kräutergartenführung, geben Gina eine letzte Umarmung und radeln mit unseren E-Bikes zum nächsten kulinarischen Schatz. Durch einen schattenspendenden Heidelbeer-Wald, vorbei an bunten Kräuterwiesen und kleinen Bauernhöfen, immer steiler und schneller hinunter – bis wir wieder auf der Hauptstrasse im Dorf stehen. Ähm, ich glaube wir sind falsch… Die Seegurken haben sich verfahren. Oder sind wir etwa nur schlechte Schatzsuchende? Etwas genervt aber sichtlich erleichtert, dass wir mit dem E-Bike unterwegs sind, pedalen wir unsere orientierungslosen Gesässe bei hitzigen 31° C wieder den Berg hinauf.

Da waren wir noch richtig.

Wir finden die korrekte Abzweigung und parkieren unsere E-Bikes gleich neben einem hübsch gedeckten Tisch. Die Aufgabenteilung ist einmal mehr on point. Während Freund das Essen vorbereitet, inspiziere ich mit meiner Kamera den hiesigen Kräutergarten. Auch hier strahlen mir Blumen in den grellsten Farben entgegen. In welchen regionalen Entlebucher Produkten diese wohl hinein gezaubert werden?

Süsse Mischung zum Abschluss

Mit aufgeladenem Kohlenhydrat-Speicher sind wir bereit für die Abfahrt (welche wir ja wegtechnisch bereits kannten). Ausnahmsweise knacken wir das Rätsel relativ schnell und finden auf Anhieb den gesuchten Hof. Doch wo ist denn jetzt der Hofladen? Wir finden Baby-Kätzchen, schnuckelige Kälber und einen kleinen Kräutergarten, bis wir den Hofladen mit einer süssen Überraschung finden. Ich entscheide mich für «Knickers», Freund sticht den Löffel euphorisch in «Kafi-Träsch», während wir gemeinsam das Kreuzworträtsel lösen. Dank jahrelanger «Schweizer-Illustrierte-Rätselerfahrung» meinerseits, wissen wir wo der letzte Schatz versteckt ist.

Mit aufziehenden Gewitterwolken im Rücken pedalen wir zurück ins Dorf Entlebuch und machen unterwegs in einem weiteren Hofladen halt. Wir packen das letzte Souvenir ein und kehren ins Hotel Drei Könige zurück. Verschwitzt, überglücklich, dass wir alle Posten gefunden haben und ausgerüstet mit kulinarischen Köstlichkeiten voller Entlebucher Kräuter retournieren wir die E-Bikes. Schön wars im Land der Kräuter.

Alle Stempel geholt! Die Schnitzeljagd Savurando ist definitiv auch was für Velo-Muffel, da sie Kulinarik mit den schönsten Landschaften der Schweiz verbindet.

Kulinarische Schatzsuche Savurando

  • Dauer: 5-6h (davon 1h 55Min reine Fahrtzeit)
  • Distanz: 18.5km
  • Höhendifferenz: 478m
  • Die E-Bikes sind im Angebot nicht enthalten. Der Startort Hotel Drei Könige Entlebuch ist auch eine E-Bike Vermietstation. Unbedingt im Voraus reservieren. Savurando-Gäste erhalten Rabatt auf die Vermietung
  • Weitere Infos zur Tour: hier

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Egal ob im Tanzstudio oder an der Bushaltestelle, Laila ist immer tanzend anzutreffen. Mit einem Lachen im Gesicht und einer Fotokamera in der Hand sucht die gebürtige Luzernerin überall nach Geschichten und Menschen die sie inspirieren. Oder einfach nach weiteren Orten um tanzen zu können. Mehr von Laila auf www.laila-schreibt.com

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