Wenn Geisseln durch die Krienser Gassen knallen

Kategorien Kultur, Luzern, Menschen, Regionen, Tradition

Wer die Chlausenzeit bereits einmal miterlebt hat, weiss: Das «Geisslechlöpfe» ist ein Muss bei jeglichem vorweihnachtlichen Treiben. Im Kanton Luzern gilt Kriens als Hochburg dieser Tradition. Zahlreiche Chlöpferinnen und Chlöpfer begleiten hier die grauen Novembertage mit lauten Knallen. In diesem Blogbeitrag erzählt dir René Duss, Leiter des Chlöpferkurses, mehr über die Geisslechlöpfer der Galli-Zunft Kriens und was ihn an dieser Tradition besonders fasziniert.

In Kriens zählt das Geisslechlöpfe zu den ältesten Bräuchen. Das laute Knallen der Geissel soll Tote und Dämonen, welche im Winter die Erde heimsuchen, vertreiben. «Das Geisslechlöpfen wird in Kriens schon sehr lange durch die Galli-Zunft gefördert», erklärt René Duss, langjähriger Chlöpfer aus Kriens. Das Mitglied der ortsansässigen Galli-Zunft kümmert sich als Leiter des Chlöpferkurses um den zukünftigen Nachwuchs.

Mit einem Team von rund 14 Chlöpflehrerinnen und -lehrern bietet er unter dem Patronat der Galli-Zunft einen Kurs an, in dem Kinder das Schwingen der Geissel erlernen. Die Schule feiert bis heute grosse Erfolge: Jährlich nehmen um die 80 bis 100 Kinder am Chlöpferkurs teil. Stolz berichtet Duss von den Anfängen dieses Angebots: «Bereits 1971 wurde durch die Gallizunft der erste Chlöpferkurs durchgeführt. In diesem Chlöpferkurs werden Kinder im Chlöpfen und ganz speziell im Gruppenchlöpfen gefördert», so Duss. Was ihn dabei besonders freut: Nach 50 erfolgreichen Jahren würden einige Teilnehmer von damals nun sogar selbst Kurse geben.

Das sind die Chlöpferlehrer vom Chlöpferkurs der Galli-Zunft. (Bild zvg)

Mit Fleiss und Schweiss zum lauten Knall

Zusätzlich zu den Kinder-Kursen bieten die Chlöpfer der Galli-Zunft auch eine Werkstatt für defekte Geisseln an. Und wenn René Duss sein Wissen nicht an die nächste Generation weitergibt, ist er natürlich selbst mit seiner Geissel on tour: «Nebst dem Chlöpferkurs bin ich entweder als begeisterter Chlöpfer unterwegs oder begleite eine Samichlaus-Gruppe währen den Besuchstagen.»

In Kriens seien viele Geisslechlöpfer autonom unterwegs. Das macht es schwierig, eine genaue Anzahl zu nennen. Duss schätzt, dass in Kriens ungefähr 500 bis 1000 Chlöpfer aktiv sind. «Dazu zählen die Kleinsten im Alter von zirka 5 Jahren bis hin zu den Ältesten von über 70 Jahren.»

«Das Geisslechlöpfen ist für mich unglaublich faszinierend.»

— René Duss, Leiter Chlöpferkurs der Galli-Zunft Kriens

Dass beim Geisslechlöpfen viel Fleiss und Schweiss gefordert ist, findet René Duss unglaublich faszinierend. Insbesondere das Gruppenchlöpfen sei anspruchsvoll, denn nur mit Rücksichtnahme und Präzision kann man gemeinsam einen sauberen Rhythmus chlöpfen. Auch die Symbiose aus Kraft und Technik ist unabdingbar, um das Gruppenchlöpfen zu beherrschen. Duss ergänzt: «Und natürlich gehört dann auch die Kameradschaft der Chlöpfer dazu.»

(YouTube, Pieplow Mandy)

Den Knall mit  blossem Auge erkennen

Doch wie genau kommt es denn zu dem lauten Knall der Geissel? Mit beiden Händen umgreifen die Geisslechlöpfer den Holzgriff ihrer Geissel, an dem ein unterschiedlich langes Seil aus Hanf oder Flachs angebracht ist. Die Geissel wird dann gleichmässig durch die Luft geschwungen. Blitzartig wird die Richtung gewechselt, was dazu führt, dass ein Überschallknall entsteht. Der «Zwick» – eine Nylonschnur am Ende des dünnen Seils der Geissel – sorgt für die richtige Lautstärke des Knalls. Ein scharfes Auge vermag sogar die Kondenswolke erkennen, die der Überschallknall bei hoher Luftfeuchtigkeit erzeugt.

(YouTube, Pieplow Mandy)

Wer «chlöpfen» will, muss sich dabei an strikte Regeln halten. So ist beispielsweise das Schwingen der Geissel meist nur von Anfang November bis zirka 8. Dezember erlaubt. «Die Chlöpferzeit ist auf gut einen (intensiven) Monat beschränkt», meint Duss und ergänzt: «Daher bleibt der Brauch etwas Spezielles, das man nicht das ganze Jahr über machen kann.» Auch in Kriens ist der 8. Dezember der Höhepunkt der hiesigen Chlöpfer-Saison. Dann feiern die Krienser Chlöpfer das traditionelle Wettchlöpfen für die Schulkinder. «Nebst dem Wettchlöpfen findet am 8. Dezember auch noch der mystische Samichlaus-Umzug statt», erzählt Duss.

«Am Abend folgt das Show-Chlöpfen, bei welchem die erwachsenen Gruppen ihr Können zeigen.» Und der offizielle Schluss wird dann nochmals ganz laut: Beim sogenannten «Schlusschlapf» schwingen und chlöpfen alle Teilnehmenden ihre Geissel für fünf bis zehn Minuten wild durcheinander. Ein letztes Aufbäumen, bevor die Holzstecken mit dem langen Hanfseil wieder für viele Monate im Schrank verstaut werden müssen.

In diesem Jahr findet das Wettchlöpfen und der Schlusschlapf aufgrund von Covid-19 leider nicht statt. Duss hofft, dass die Chlöpfersaison im Jahr 2022 dann wieder bis zum Schlusschlapf um 22.55 Uhr andauern wird. Hier klicken für weitere Informationen.

Das Geisslechlöpfe ist in vielen Teilen der Schweiz beliebt, so wie hier am Samichlauseinzug in Sempach.

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