Bähndlispass: Klein und hoch hinaus

Kategorien Natur, Nidwalden, Wandern

Nidwalden ist das Land der Luftseilbahnen. Oft sind sie der Lebensnerv für Familien, die entlegen auf Bergheimet wohnen. Ganz nebenbei fahren sie aber auch für Touristen und lassen dich ein ganz anderes Nidwalden entdecken als jenes der Reisecars. Etwa auf der kurzen Wanderung von Diegisbalm nach Bielen.

Nach Diegisbalm geht’s durch die Luft: An der Talstation in der Nechimatt steige ich ein, drücke auf den grünen runden Knopf mit dem Pfeil, jener der nach oben zeigt, und warte bis es klingelt. Ein kleiner Ruck. Die Kabine schwingt ganz leicht. Dann nimmt sie Fahrt auf und schwebt schon bald hoch über der Matte, der 400 Meter hohen Felswand entgegen…

… und einer schönen Frühsommerwanderung. Wenn unter den Gipfeln noch Schnee liegt, dann ist diese Wanderung von Diegisbalm nach Bielen (oder umgekehrt) schon sehr bald möglich. Vorausgesetzt du hast gut zwei Stunden Zeit, besser drei.

Der Weg führt entlang der frischen Engelberger-Aa. Das Wasser, das den Strom für die Bahn liefert.

Doch ganz von vorn. Vom Bahnhof in Wolfenschiessen geht es als erstes entlang der Engelberger-Aa, vorbei am Hechhuis bis zur Talstation der Diegisbalmbahn in der Nechimatt. Sitzt man einmal in der Bahn geht alles schnell. Schon nach drei Minuten setzt die Seilbahn schwungvoll über den Masten, der zu äusserst auf der Felswand hockt. Ich lehne mich zurück. Zugegeben: etwas mulmig ist mir fast jedesmal in der Luftseilbahn, obwohl ich weiss, dass es das sicherste Transportmittel der Welt ist. Aber, wer will schon den Boden unter den Füssen verlieren?

Erstes Zwischenziel ist die Talstation der Diegisbalm-Bahn in der Nechimatt.

Die Bahn – der Lebensnerv

Gut vier Minuten und 500 Höhenmetern nach der Abfahrt trifft die rote Luftseilbahn in der Bergstation auf Diegisbalm ein. Genauer genommen auf Hinter Diegisbalm. Denn Diegisbalm ist ein knapp drei Quadratkilometer grosses Stück Land mit drei Heimet: Mit Hinter- und Vorderdiegisbalm und mit der Unteralp. Zwölf Erwachsene und vierzehn Kinder leben hier. Sie alle sind auf die kleine rote Luftseilbahn angewiesen. Denn sie bringt die Kinder zur Schule und die Erwachsenen zur Arbeit. Besonders im Winter bei Schnee, wenn alle Wege eingeschneit sind, hat die Bahn Hochbetrieb. Dann ist sie sogar die einzige Verbindung zum Tal – dem Lebensnerv der Leute auf Diegisbalm.

Bald schon schwebt man hoch über dem Engelbergertal. Die Bahn ist immer geöffnet. Sommer und Winter, Tag und Nacht. Fahrplan gibt es keinen. Die Bahn muss man nämlich per Knopfdruck selber bedienen.

Auch an der Bergstation ist niemand, der die Bahn bedienen würde. Nur eine Katze schleicht den Besuchern um die Beine. Der Zeitaufwand, die Bahn zu bedienen, ist viel zu gross. Deshalb wurde auf Diegisbalm auf den automatischen Betrieb umgestellt. Als Wanderin weiss ich den unkomplizierten Service sehr zu schätzen. «Als Mitbenützer der Seilbahn», steht auf einem Zettel in den Bergstationen geschrieben, «tragen Sie dazu bei, einen Teil der Unterhaltkosten zu decken.» Sechs Franken kostet die Fahrt. Der Fünfliber fällt mit einem dumpfen Ton, der Einfränkler folgt klirrend gleich darauf.

Nach Bielen

Hier auf Diegisbalm fängt die Bergwanderung an. Sie führt in einer Dreiviertelstunde mit knapp 200 Metern Anstieg nach Bielen. Der Wegweiser führt dich auf einem kurzen Stück Strasse Richtung Wald. Bald schon überquerst du einen Bach und gelangst dann zum Ochsenweidli. Der weitere Weg verläuft ganz wunderschön im Wald. Es ist ein richtiger Wald- und Wanderweg mit Wurzeln zwischendurch. Moose und Farne leuchten am Wegesrand. Das Buchenlaub ist jung, so dass genügend Licht auf den Boden fällt und die Waldblumen spriessen: Grad jetzt blüht der Waldmeister sehr schön. Sobald das Kronendach jedoch dichter wird, werden die Blumen verwelken.

Etwas später gelangst du zu offenem, steilem Wiesland. Hier habe ich im Sommer schon Wildheuer bei der Arbeit gesehen. Mit dem Aufstieg durch ein letztes Stück Wald erreichst du das Bergheimet Bielen.

Kurz vor Bielen überquert man eine steile Matte, die Schwand, wo im Sommer Wildheu gesammelt wird.
Mit Blick auf den Titlis wandert man über das Mittlere Geberts hinauf zum Bergheimet Bielen.

Im Land der 100 Seilbahnen

Luftseilbahnen, wie jene auf Diegisbalm, fallen unter die Kategorie der Kleinseilbahnen und dürfen bis zu acht Personen transportieren. In den Bergkantonen sind sie weit verbreitet. Sie erschliessen Berg- und Alpwirtschaftsbetriebe schnell und auf direktem Weg. Und sie sind, verglichen mit den Strassen, günstig und äusserst landschaftsschonend. Mehr als 200 Kleinseilbahnen sind in der Schweiz zurzeit in Betrieb. In Nidwalden gibt es gemessen an der Fläche des Kantons am meisten.

Das ist kein Zufall. Die Anfänge der Kleinseilbahnen wurden Ende des 19. Jahrhunderts durch eine Schmiede im Nidwaldnerischen Dallenwil bestimmt. Hier, wo die Felswände vom Talboden aus rechts und links senkrecht in den Himmel schiessen, zündete der Funke. Treibende Kraft war der Schmied Remigi Niederberger, ein findiger Geist mit einem Sinn für praktische Lösungen. 1898 hatte er die Idee, einen Draht vom Buochserhorn ins Tal zu spannen, an dem die Wildheuer ihre Ballen ins Tal sausen lassen konnten. In den Jahren darauf wurden einige tausend Meter solcher Drähte und später auch Seiler installiert.

Wie aber konnte Niederberger die Ware auf den Berg hinauf transportieren? Schon bald entwickelte er Transportbahnen mit Übergewicht. Ein in der Bergstation mit Wasser gefüllter Tank diente als Gegengewicht zur Last im Tal. Im Jahre 1912 erstellte Niederberger dann die erste von Motoren betriebene Seilbahnanlage. Ihr folgten bis Anfang der 1930er-Jahre zahlreiche andere Kleinseilbahnen hinauf zu den Bergheimet und Alpen. Nidwalden wurde so innert Kürze zum eigentlichen Land der Luftseilbahnen.

Das sicherste Transportmittel der Welt

Um die Sicherheit von Kleinseilbahnen braucht man sich übrigens keine Sorge zu machen. Sie werden jährlich von einer offiziellen Stelle überprüft. Man schaut hier gut zu den Bahnen. Das merkt man auch auf Bielen. Der Besitzer Josef Mathis, kurz Bielen-Sepp, ist vor Ort. Seit er pensioniert ist und sein Bergheimet verpachtet hat, bedient er die Bahn und hat auf Bielen ein kleines Mekka für Gleitschirmflieger geschaffen, die gleich neben dem Haus eine ideale Abflugrampe finden.

Ebenso schön aber ist es, in der blauen Bielenbahn nach Grafenort hinunter zu schweben, um dann weitere zwanzig Minuten lauschig entlang der Engelberger-Aa nach Grafenort zur Bahnstation zu wandern. Die Bahn fährt stündlich, jeweils um Viertel nach, Richtung Luzern.

Die Fahrt mit der Bielenbahn nach Grafenort ist eindrücklich und schön.

Infos und Tipps


Elsbeth ist als Wanderleiterin, Wanderin und Bergwanderin so viel und so oft sie kann in den Bergen unterwegs. Denn die Berge faszinieren sie immer wieder und von neuem. Erst waren es die Landschaften, die Farben und Formen, die Verwerfungen. Später stieg sie weiter und höher auf die Berge hinauf, dahin wo die Zivilisation aufhört und wo die Wildnis beginnt. Heute geht sie den Geschichten aus den Bergen nach und erzählt sie wandernd mit der www.wanderbar.ch.

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