Hochmoor Rothenthurm: eine leise Rarität

Kategorien Natur, Schwyz, Tiere, Wandern

Mal in satten Farben, mal mit weissem Nebelschleier. Die Moorlandschaft Rothenthurm zieht zu jeder Jahreszeit die Blicke auf sich. Albert Marty ist seit den 1970er-Jahren fasziniert von ihr. Seit über 30 Jahren bietet er Moorführungen an.

Alles fing für Albert Marty ganz unscheinbar an mit der Frage: Was ist das – Moor? Doch der Hunger, immer mehr darüber wissen zu wollen, trieb ihn an, Informationen zu sammeln. Er ist der klassische Sammler-Typ. Bei ihm stapeln sich die Alben mit alten Postkarten und füllen Bücher aus dem Antiquariat die Gestelle.

Begeisterung teilen

Der 71-Jährige wollte sein Wissen über die Moorlandschaft Rothenthurm und seine Freude daran schon früh auch teilen. Seit den 1980er-Jahren bietet er zusammen mit seiner Frau Sylvie Führungen an. «Was der Mensch kennt, ist er bereit zu schützen», sagt er. Den Gruppen erklärt er, wie das Moor nach dem Rückzug der Gletscher entstanden ist. Er geht auf das Torfstechen und die Eisherstellung in Rothenthurm im 19. Jahrhundert ein. Und er erzählt von den seltenen Tieren und Pflanzen in der Moorlandschaft.

Die Mutter des Moorschutzes

Die Moorlandschaft in Rothenthurm wird manchmal als die Mutter des Moorschutzes bezeichnet. Dies ist damit zu erklären, dass 1987 die Rothenthurmer-Initiative zur Verhinderung des geplanten Waffenplatzes in Rothenthurm angenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren in der Schweiz bereits die meisten Moorflächen verschwunden.

Einfach ruhig

Man bewegt sich in einer Welt der leisen Raritäten. Beim Wandern auf dem Wanderweg «Moorweg» geniesst man die Ruhe: 1138 Hektaren weitgehend unbebaute Landschaft. Nur ab und an ein Haus oder eine verbliebene Torfhütte. Über weite Strecken flaches Gelände. Wer nicht dem Moorweg folgt, sondern den anderen Fusswegen, kann sogar einen sehr ausgedehnten, komplett ebenen Spaziergang ohne Auf und Ab machen.

Naturkunde und Sagen

Um den Wert der Raritäten zu erkennen, ist Albert Marty eine besonders gute Hilfe. Moorenzian und Wollgras sind einfach zu unterscheiden. Aber den Baumweissling oder den Moorbläuling bestimmen statt sie einfach in die Kategorie schöne Schmetterlinge einzuteilen – das wird schwieriger. Albert Marty kann stundenlang über das Moor erzählen. Nicht nur weil hier so viele verschiedene seltene Pflanzen und Tiere gedeihen. Er hat auch Sagen und Geschichten auf Lager aus Zeiten, als die Menschen noch fürchteten, als Moorleiche zu enden.


Infos und Tipps?


© Fotos: Albert Marty

Manuela schreibt seit dem Jahr 2000 über den Kanton Schwyz. Zuerst als Journalistin, später für Schwyz Tourismus. Allein oder mit ihrer Familie sucht sie nach Neuem, Unentdecktem und Verstecktem zwischen dem Zürichsee, dem Vierwaldstättersee, der Spitze der Rigi und dem hintersten Winkel des Muotatals. Sie begegnet Menschen, die im lokalen Brauchtum verwurzelt sind, innovative Ideen leben oder die Schätze der Natur hegen. So viel Begeisterung für die Schwyzer Vielfalt und landschaftliche Schönheit kann man nicht für sich behalten, man muss sie teilen.

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