Den Napf an den Hörnern gepackt

Kategorien Bike, Natur, Willisau

Der Schweizerische XL-Hügel Napf gilt als störrischer Kerl. Seine Hügelkaskaden haben schon machen an den Rand der Verzweiflung gebracht. Immer neue Kreten und Gräben tun sich auf, endlose Verwerfungen treiben auch den Kartenkundigen zum Wahnsinn. Gut, gibt es seit einem guten Jahr diese roten Wegweiser der «Herzroute Napf» mit der Nummer 399, die einen sicher ins Labyrinth und auch wieder hinaus führen.

Allein mit den Schildern aber ist es nicht getan. Auch wer weiss, wo es lang geht, ist dem Superhoger noch lange nicht gewachsen. Dazu braucht es eine weitere Zutat, die man an den drei Ausgangspunkten der besagten Route 399 findet: Das Elektrovelo. Sitzt man einmal darauf, den vollen Akku eingesetzt, kann das Abenteuer beginnen: Die Napf-Umrundung auf der «Herzschlaufe Napf».

Herzschlaufe? Herzklopfen? Ja, vielleicht. Etwas nervös machen sie schon, diese Kennwerte der besagten Velowanderroute: 150 Kilometer und etwa 4500 Höhenmeter. Das tönt eher nach Hochgebirge, nach Col d’Izoard als nach unserem Moosklumpen in der Mitte der Schweiz. Aber eben: Schon mancher hat sich getäuscht und ist flennend nach Hause gekommen, weil ihn der Hügel nicht mehr aus seinen Tentakeln freigelassen hat.

Erste Etappe

Das soll uns nicht passieren. Ausgestattet mit dem vollgeladenen FLYER summen wir die ersten Kilometer von Willisau in Richtung Sumiswald. Die Etappe sagt es bereits: Eine Grenzüberschreitung ins Emmental ist angesagt, wo der Napf ebenso seine Arme hinstreckt, grün ins Flache hinaus mäandriert und sich über hundert Hügelkuppen ins Mittelland hinein bewegt.

Kartenstudium in der Altstadt von Willisau

Wer allerdings Emmental sagt, unterschlägt etwas Wesentliches. Was zwar aussieht wie das Emmental, es aber nicht ist, nennt sich Oberaargau, und ist ein Teil früherer Bernischer Grossmachtbestrebungen, die den damaligen Stadtstaat bis an die Reuss führte. Von den früheren Eroberungen in Richtung Osten ist noch ein Rumpf erhalten, eben der Oberaargau, liebreizende Velolandschaft erster Güte, wo die Herzschlaufe Napf rund um Huttwil und Eriswil so manch pittoreske Anhöhe zum Besten gibt.

Zwischen Willisau und Langnau – die grünen Hügel des Emmental

Erst in Sumiswald kommt es dann, dieses Emmental, und zwar nicht zu knapp. Man wird regelrecht durchgenudelt, bis man endlich in Langnau angelangt ist, hat eine wilde Querung der Napf-Krete hinter sich, wo die Lüderenalp zu einer prächtigen Bergsicht auf die Berner Alpen lädt. Wer ihn noch halten kann, stemmt den Löffel ins redlich verdiente Meringue und lächelt dazu erschöpft. Aber genau soll sich Glück doch anfühlen, oder?

Zweite Etappe

Die zweite Etappe ist nicht mindert spektakulär, wird aber deutlich versüsst durch den Besuch der verführerischen Biskuitfabrik im urigen Trubschachen, wo die Butter von den grünen Hängen trieft und im Tal zu knusprigen Brezeli gestanzt wird. Von diesen haben wir ein paar Müsterchen im Bauch, um erneut den Napf zu attackieren, dieses Mal über eine Seitenkrete, wo sich die Strecke auf imposante 1200 Meter aufschwingt. Welche Aussicht, dieses Mal ins Entlebuch, sich weit unter uns ausbreitet! Beflügelt durch eine massive Packung Höhenlinien lassen wir uns in Luzernisch Escholzmatt hinuntergleiten, wo uns ein Zmittag und ein frischer Akku erwartet.

Während Cabrios und Töffs banal dem Talgrund folgen, nestelt sich diese Herzschlaufe Napf wieder kunstvoll ins Gelände hinein, sodass man alsbald jede Orientierung verliert und dies sogar noch geniesst! Denn inzwischen weiss man, dass die roten Schilder für einen genussvollen, abwechslungsreichen und nahezu verkehrsfreien Weg zurück in die Zivilisation sorgen. In unserem Fall ist dies Entlebuch, die zweite Station der drei Etappen und gleichzeitig namensgebende Ortschaft im gleichnamigen Tal mit dem UNESCO-Siegel auf der Pobacke.

Die wunderbare Aussicht auf die Berner Alpen bei Trubschachen

Dritte Etappe

Wer nun glaubt der Napf sei bereits erobert, darf sich auf die letzte Etappe freuen. Zwischen Entlebuch und Willisau bäumt sich der wilde Hügel nochmals mächtig auf, versucht uns abzuschütteln oder in seinen Gräben verschwinden zu lassen. Beides gelingt ihm beinahe. Hinter Romoos tänzeln wir über eine atemberaubende Krete, um gleich danach in den Schlund der Kleinen Fontanne zu tauchen, wo Felswände und Goldgräber für eine urige Stimmung sorgen. Kräftezehrend rappeln wir uns aus dem tiefen Graben hinaus, erklimmen Menzberg und werfen uns ermattet dem lokalen Hotelier an die Brust, der uns mit einer Mahlzeit und einem frischen Akku wieder tröstend auf die Beine holt.

Blick ins lauschige Luthertal

Unglaublich, was diese Schlaufe alles an Landschaften, Aussichten und Passagen aneinanderreiht! Man muss schon weit gereist sein, um hier auf Ebenbürtiges verweisen zu können. Sogar mein Mitreisender, der schon fast alles gesehen hat, was sich weltweit touristisch aufplustert, ist beeindruckt: «Das hat nur die Schweiz», fügt er trocken an und lässt seinen Blick in den grünen Landschaftsgemälden umherschweifen.

Zurück in Willisau ist klar: Das ist sie wohl, die spektakulärste Velowanderroute der Schweiz. Kaum eine andere Strecke kann diese Kombination aus Intimität, Spektakel und Ursprünglichkeit bieten. Hier hat man sie, diese Schweiz der unaufgeregten Superlative. Und das praktisch vor der Haustüre. Was will man mehr? Akku einsetzen genügt.

Übersichtskarte Herzschlaufe Napf

Wichtig

Wer noch nicht viel Fahrpraxis auf Velo oder E-Bike hat, soll sich nicht als erstes an diese Schlaufe wagen, die doch recht anspruchsvoll ist und auch ein paar ruppige Naturstrassen aufweist. Wer es allerdings gerne deftig hat, wird hier das neue T-Bone-Stück des Velowanderns finden.

Gast-Blogger: Paul Hasler aus Burgdorf


Infos und Tipps


alle Bilder stammen von © Herzroute

Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

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