Niklaus von Flüe – der heilige Aussteiger

Kategorien Kultur, Museum / Ausstellung, Obwalden

Vor 75 Jahren wurde Niklaus von Flüe von Papst Pius XII. in Rom heiliggesprochen. 460 Jahre liess sich die katholische Kirche Zeit. Sie tat sich schwer mit dem Obwaldner Bauern, dem Laien, der seinem erfolgreichen Leben in Familie und Gesellschaft mit 50 Jahren den Rücken kehrte. Niklaus, der Frau und Kinder, Hof und Ämter zurückliess, um ein karges Leben als Gottsucher zu führen. Er entschied sich für den Ranft, nicht Rom.

Einsiedler Bruder Klaus (Holzschnitt, Weltchronik Hartmann Schedel, 1493

Prophet im eigenen Land mit weltweiter Ausstrahlung

Die Redensart «der Prophet gilt nichts im eigenen Land» (findest du in der Bibel, Mk 6,4; Mt 13,57) gilt nicht bei Niklaus von Flüe. Er genoss die ungeteilte Akzeptanz seiner Landsleute. Er redete ihnen ins Gewissen, wies auf wunde Punkte in Gesellschaft und Politik hin und die Menschen hörten auf seinen prophetischen Rat. Niklaus wurde zum beachteten Friedensstifter mit weltweiter Ausstrahlung. Niklaus gehört zu den wirkungsmächtigsten Leitfiguren der Schweiz. Einzigartig: In unmittelbarer Nähe liegen Lebens- und Wirkstätten und der Friedensort Ranft.

Der Ranft, authentisch und echt, wie einst bei Bruder Klaus.

Spektakuläre Eigeninitiative lange vor der Heiligsprechung

Fünf Jahre nach seinem Tod 1487 hoben die Sachsler ihren berühmten Sohn auf den Altar. In spektakulärer Eigeninitiative liessen sie 1492 ein lebensgrosses Abbild malen und platzierten es in der alten Pfarrkirche. Der zweitälteste Sohn soll Modell gestanden haben. Dieser Altarflügel ist Teil der Dauerausstellung im Museum Bruder Klaus Sachseln.

Heiligsprechung: Rom gewaltig, Sachseln überwältigend

Am 15. Mai 1947 fanden in Rom die grossen Heiligsprechungsfeierlichkeiten statt. Heerscharen nahmen daran teil. Zehn Tage nach Rom feierte Sachseln. «Rom war gewaltig – Sachseln überwältigend», verkündeten die Medien. Und die Schweiz hatte ihren ersten Heiligen 460 Jahre nach seinem Tod.

1947: Einzug zum Festgottesdienst in die Pfarrkirche Sachseln.

Jubiläum 75 Jahre Heiligsprechung

Vom 14. bis 17. Mai 2022 feiert Sachseln das «Jubiläum 75 Jahre Heiligsprechung». Höhepunkt ist der Sonntag 15. Mai unter anderem mit einem Festgottesdienst mit Kardinal Kurt Koch, Ausstellungen und Musik. Das abwechslungsreiche Festprogramm lädt zum Mitfeiern ein.

1947: Festgottesdienst mit Nuntius Erzbischof Filippo Bernardini (prächtige Gewänder, das Geschenk des Kt. OW zur Heiligsprechung)
1947: Feier auf dem neugestalteten Festplatz in Flüeli-Ranft.

Kabinettausstellung «Heiligsprechung 1947»

Die Kabinettausstellung «Heiligsprechung 1947» mit Fotos, einzelnen Trouvaillen sowie Geschichten von Zeitgenossinnen und Zeitgenossen gibt Einblick in das «grösste Fest, das Sachseln je gesehen hat». Initiiert und kuratiert vom «Förderverein Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss».

Ausstellung im Museum Bruder Klaus Sachseln findet vom 13. Mai 2022 bis 10. Juli 2022 statt und ist jeweils von Dienstag bis Sonntag zugänglich.

Trouvaille von 1947, in der Kabinettausstellung wird auch die Vorderseite gezeigt.

Bruder Klaus, auch unser Heiliger?

Die reformierte Schweiz tat sich schwer mit der Heiligsprechung. So erstaunt nicht, dass die Wahrnehmung des sperrigen Einsiedlers aus dem Ranft bis vor wenigen Jahren konfessionell geprägt war. Die Sicht der Reformierten beleuchtet Fritz Gloor am 17. Mai 2022, 19.30 Uhr, in Sachseln.

Restaurierter Film «Bruder Klaus» in Zentralschweizer Kinos

Rund um die Jubiläumstage 2022 zeigen Zentralschweizer Kinos (u.w. Bourbaki Luzern, Gotthard Zug) den restaurierten Film «Bruder Klaus» von Edwin Beeler («Arme Seelen», «Weisse Arche»). Das vielschichtige Portrait des sperrigen Heiligen aus dem Ranft, lässt das Publikum eigene Schlüsse ziehen.

Am 3. Juni 2022 zeigt der Förderverein den Dokumentarfilm in Sachseln mit anschliessender Podiumsdiskussion mit Edwin Beeler, Roland Gröbli und Marlene Wirthner.

Empfehlungen der Autorin

Geführter Rundgang Flüeli-Ranft

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Sachsler Kirchenbuch 1488

Zum 50-jährigen Jubiläum der Heiligsprechung von Bruder Klaus 1997 ist eine Volksausgabe des Sachsler Kirchenbuchs von 1488 erschienen. Die Publikation wird zu einem Spezialpreis von CHF 7.50 abgegeben und kann über den Webshop erworben werden.


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Gast-Bloggerin: Doris Hellmüller, geboren im Thurgau, sesshaft geworden in Nidwalden. Liebt Natur und Kultur. Sie ist gerne unterwegs zu Fuss und auf dem Velo. Als Geschäftsführerin des «Förderverein Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss» hält sie mit ihrem Team die Erinnerung an Niklaus und Dorothee wach.

Weitere historische Erlebnisse in der Region

Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

2 Gedanken zu „Niklaus von Flüe – der heilige Aussteiger

  1. Fur eine eigentliche Heiligsprechung im 17. Jahrhundert fehlte aber offenbar die Patronage, wie sie etwa beim gleichzeitigen Prozessverfahren des spanischen Erzbischofs Olegario festzustellen ist, das 1630 begonnen und 1675 mit der Kanonisation abgeschlossen wurde mit Unterstutzung des katalonischen Hofes in Barcelona und spanischer Kardinale. Der einfache Bauer und verheiratete Laie Bruder Klaus hatte aber keinen furstlichen Hof und keine Kardinale als Fursprecher.

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