Auf der Turmwächter-Tour in Hospental

Kategorien Andermatt, Kultur, Museum / Ausstellung

Über dem einzigartig schönen Ort Hospental thront der mächtige mittelalterliche Turm und wacht zusammen mit der barocken Kirche Maria Himmelfahrt über das Dorf und das ganze Urserntal. In einer rund anderthalbstündigen Führung erzählt der Turmwächter von Hospental die Geschichte und Anekdoten rund um den heimlichen Hauptort des Tals.

«Ausgehend vom Bahnhof, vorbei am Belle-Epoque-Hotel Meyerhof, am St. Gotthard, in den oberen Teil des Dorfes mit Turm und Kirche, über den alten Furkaweg wieder zurück zum Bahnhof. Das alles im Dunkel der Nacht bei hoffentlich klarem Sternenhimmel und glitzerndem Schnee». Soweit die Beschreibung auf der Website von Andermatt-Urserntal Tourismus zur neuen Turmwächter-Tour. Schon das Titelbild lässt es vermuten: Der klare Sternenhimmel wich zugunsten von Frau Holles Schleusen. Trotz oder gerade wegen des Schneefalls verlieh dieser Umstand unserer Tour einen Hauch von Magie. Aber der Reihe nach…

Wir lauschen (zusammen mit Frau Holle) den interessanten Geschichten zur touristischen Entwicklung vor dem Hotel St. Gotthard.

Winterliche Tour

Der Turmwächter alias Georg Simmen erwartete uns bereits mit seiner Laterne (tja, erste Tücken mussten bereits bei der Parkplatzsuche mit einem nicht allradtauglichen Fahrzeug gemeistert werden). Wenig später erfuhren wir, dass Andermatt, Hospental und Realp wohl die Talschaft Ursern bilden, jedoch die Dörfer und ihre Einwohnerinnen und Einwohner spezielle Eigenheiten aufweisen. Diese zeigen sich zum Beispiel bei den jeweils unterschiedlichen Abstimmungsresultaten, aber auch bei der mehr oder weniger ernst gemeinten Rivalität zwischen alteingesessenen Clans und Familien. Das erste Schmunzeln auf unseren Lippen war deshalb der Tatsache geschuldet, dass ein Realper jetzt als Turmwächter von Hospental mit uns unterwegs war.

Für die Wohnhäuser der Region typisch – und in Hospental beispielhaft zu sehen – ist der hölzerne Blockbau auf einem steinernen Sockel- bzw. Kellergeschoss.

Direkt am Fusse des Gotthardpasses gelegen, auf 1493 m ü. M., und in der Mitte des Urserntals. Das letzte Dorf bevor es über den Gotthard in den Süden geht, genoss grosse Aufmerksamkeit während der Säumerzeit. Wie wir erfahren, stammt der Name selbst, Hospental, aus dem lateinischen «hospitale» für Herberge.

Unterwegs im unteren Dorfteil

Ehrfürchtig: Magische Stimmung vor dem Wehrturm

Bewegte Geschichte

Der Dorfkern von Hospental ist definitiv einen Besuch wert. Der heutige Dorfcharakter hat den Ursprung in einer Katastrophe. Am 29. September 1669 fällt Hospental einem Brand zum Opfer. Nur das Rohnihaus bleibt verschont. Das heute harmonische Dorfbild zeigt weitgehend die Häuser nach dem Wiederaufbau. Prägend für das Landschaftsbild der Gemeinde ist auch der Wehrturm, der aus dem 13. Jahrhundert stammt. Vom Turmwächter erfahren wir, dass zum Bau des Turmes leider keine Akten überliefert sind. Schon seit Jahrhunderten ist das Wahrzeichen unbewohnt. Es soll jedoch schon bald zu einer begehbaren Touristenattraktion aufgepeppt werden (siehe Box). Vielleicht bildet der Turm also schon bald das romantische Symbol im Dorf, auf dessen Plattform Heiratswillige ihre Liebe bekunden. Wer weiss?

Die Dorfkirche Maria Himmelfahrt liegt östlich des Turmhügels. Hier stehen wir auf dem Kirchplatz, wo jeweils am dritten Maisonntag des Jahres die Talgemeinde der Korporation Ursern stattfindet.

Langsam aber sicher machen wir stapfenden Schrittes dem Schneepflug Konkurrenz. Wir setzen unseren Rundgang fort und erfahren dabei aus erster Hand, wer wo wohnt und welche Familiengeschichte dahintersteckt. Viele Kleinigkeiten, welche normalerweise meiner Aufmerksamkeit entgehen würden, wie zum Beispiel Jahreszahlen, Symbole etc. an den Häusern gewinnen an Spannung, sobald ich erfahre, welche Bedeutung sie haben.

«Schaut her, das Müllerhaus und das ehemalige Hotel Löwen» – der Turmwächter kennt die Familiengeschichten der Hospentaler.

Hospental hat Potenzial. Daran glaubt nicht nur der Turmwächter aus Realp :-). Diese Aufbruchsstimmung bestätigen u.a. Projekte wie die Sanierung des Hotels Meyerhof und die geplante Aussichtsplattform für den Turm. Nicht zuletzt soll der Turmwächter neue Gäste nach Hospental locken.

Die Laterne des Turmwächters ersetzt bei dieser Tour das bekannte Tourguide-Merkmal Fähnchen oder Regenschirm.

Fazit

Ein sehr lohnenswerter Rundgang durch ein unterschätztes Dorf-Bijou. Dass wir trotz kalten Füssen und klammen Fingern dem Turmwächter Schritt für Schritt und aufmerksam durch den Winterguxx gefolgt sind, spricht für ihn. Ich kann mir vorstellen, dass er noch einige Anekdoten mehr im Köcher hat …

Neue Aussichtsplattform geplant
Das Projekt soll 2021 realisiert werden: Es beinhaltet einen verbesserten Zugang zum Turmhügel. Dazu müssen einzelne Bäume und Baumgruppen rund um den Turm entfernt werden. Zudem erhält das Wahrzeichen von Hospental aus dem 13. Jahrhundert eine Aussichtsplattform und vier Zwischenpodeste, erreichbar über Treppenstufen. Als Zugang zur Krone dient im Innern des Turms eine Stahlkonstruktion. Das Erscheinungsbild wird durch den Einbau der Stahlkonstruktion im Grundsatz nicht verändert.

Info: Die Tour ist bei Andermatt-Urserntal Tourismus buchbar, für Individualgäste oder auch als Gruppenerlebnis


Infos und Tipps


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Fränzi liebt es auf Achse zu sein. Egal, ob in der grossen weiten Welt oder dem schönen Kanton Uri. Im Vordergrund stehen dabei immer die Neugier Neues zu entdecken, die Begegnungen mit Menschen und der Genuss. Ihre Passion fürs Schreiben lebt sie auch als PR- und Kommunikationsmanagerin bei Andermatt-Urserntal Tourismus aus.

1 Gedanke zu „Auf der Turmwächter-Tour in Hospental

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