Der Überraschungsstein

Kategorien Andermatt, Kultur, Menschen

«Entdecke die kreative Seite in dir und erschaffe ein Kunstwerk». Der Flyer des Specksteinkurses machte mich neugierig und (fast) zur Künstlerin…

Speckstein und Serpentin werden bei Chamleten oberhalb von Hospental im Steinbruch abgebaut. Dieser Ort ist für Gedeon Regli magisch. Er führt eine über 350-jährige Familientradition als Steinbildhauer fort. Hier schwirren ihm jeweils tausend Ideen durch den Kopf. Hoffentlich färbt das heute auf mich ab, geht es mir durch den Kopf, als unsere fünfköpfige Frauengruppe sich für den Specksteinkurs im idyllisch gelegenen Steinbruch-Atelier über dem Urserntal einfindet.

Schritt 1 – Die Idee

Wer noch auf der Suche nach der passenden Idee ist, findet sicher eine in den zahlreichen Büchern, in welchen ich interessiert stöbere. Schlussendlich fällt mein Entscheid auf einen Teelichthalter, welchen ich nach meiner eignen Vorstellung noch etwas abändern werde.

Aus einem Stein dieser Kiste entsteht mein Teelichthalter

Schritt 2 – Der richtige Stein

Weisser Alabaster aus Italien, Speckstein aus dem Steinbruch vor Ort oder weiches importiertes Material aus der ganzen Welt. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ich entscheide mich für einen Stein aus der sogenannten Überraschungskiste aus Brasilien. Gemäss Beschriftung sollten die Werke daraus tendenziell rot werden.

An jedem Arbeitsplatz steht ein Werkzeugkorb für die Kursteilnehmerinnen bereit.

Schritt 3 – An die Arbeit

Jede Kursteilnehmerin darf sich einen passenden Arbeitsplatz aussuchen. Das Atelier an und für sich ist schon eine Inspiration. Was hier nicht alles rumsteht…in jeder Ecke wartet eine künstlerische Überraschung.

In meinem Korb finde ich für mich (noch) unbekannte Werkzeuge vor, welche uns Gedeon erklärt: Klüpfel, Meissel, Besen, Raspel und Bleistift, um ein paar davon zu nennen. Auf einer Werkbank liegen zusätzlich Sägen und diverse Feilen für die gemeinsame Nutzung vor.

Das Atelier selber ist ein Kunstwerk

Mit Muskelkraft wird der Stein in die richtige Grösse gesägt

Ausgangslage vor der Bearbeitung des Steins

Schritt 4 – Das Kunstwerk nimmt Formen an

Die Oberarmmuskeln werden beim zurecht sägen des Steinstückes ziemlich beansprucht. Muskelkater ist wohl vorprogrammiert. 🙂 Jetzt kommen die Werkzeuge zum Einsatz. Mit Knüpfel und Meissel nimmt die gewünschte Form langsam Konturen an. Höchste Konzentration im Atelier. Alle arbeiten fokussiert an ihrem Kunstwerk und werden mehr und mehr selber durch eine Staubschicht verhüllt. Derweil steht Gedeon mit Rat und Tat zur Seite, gibt Tipps und legt auch immer wieder selber Hand an, so verzweifelt auch niemand. 🙂

Der Teelichthalter nimmt konkrete Formen an

Nach dem Wasserbad zeichnet sich die neue Farbe ab

Schritt 5 – Schleifen, schleifen, schleifen

Ein paar Stunden und Schweissperlen später wird der Stein mit Schleifpapier bearbeitet. Die Oberfläche fühlt sich samtig weich an. Durch das Wasserbad, bei welchem die Staubresten weggeschliffen werden, verändert sich die Farbe des Steins bereits ein wenig.

Schritt 6 – Überraschungsstein

Zuletzt kommt eine Schicht Wachs auf den Stein. Jetzt kommt der Moment der Wahrheit: Welche Farbe kommt zum Vorschein? Mein Stein bleibt zwar dunkler als gedacht, aber ein paar braun-rötliche Stellen sind zu sehen. Aus dem Überraschungsstein ist innerhalb eines Tages ein Teelichthalter geworden.

Mein «Kunstwerk» des Tages

Fazit:

Es war ein wunderbarer Tag, welchen ich völlig im hier und jetzt wahrgenommen habe. Den Fokus nur auf mein Kunstwerk gelegt, alle anderen Gedanken waren weit weg. Ein eigenes Kunstwerk an einem Tag erschaffen zu haben, löste ein befriedigendes und stolzes Gefühl bei allen Kursteilnehmerinnen aus. Müde, aber mit einer inneren Zufriedenheit machten wir uns auf den Heimweg.

LandArt-Ausstellung

Die als Themenpfad konzipierte und aus reinen Naturmaterialien erstellte LandArt-Ausstellung «Perspektiven» führt auf zweieinhalb Kilometer entlang der Reuss. Gefragt ist ein waches Auge für die Formen der Natur und Zeit zum Verweilen, um die überraschenden Objekte der neun beteiligten Kunstschaffenden, eines ist von Gedeon Regli, zu ergründen. Der Pfad zwischen «The Swiss House» in Andermatt und dem Bahnhof in Hospental ist einfach zu begehen und grösstenteils kinderwagen- und rollstuhltauglich. Der Besuch ist kostenlos.

Mehr Infos auf www.andermatt.ch   


Infos und Tipps


Fränzi liebt es auf Achse zu sein. Egal, ob in der grossen weiten Welt oder dem schönen Kanton Uri. Im Vordergrund stehen dabei immer die Neugier Neues zu entdecken, die Begegnungen mit Menschen und der Genuss. Ihre Passion fürs Schreiben lebt sie auch als PR- und Kommunikationsmanagerin bei Andermatt-Urserntal Tourismus aus.

2 Gedanken zu „Der Überraschungsstein

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