Die neun Wächter von Luzern

Kategorien Kultur, Luzern

Wenn mich meine Freunde in Luzern besuchen, erklimme ich mit ihnen die vielen Treppen auf unsere Dachterrasse. Hoch über den Dächern von Luzern geniessen wir die Aussicht auf den Pilatus, die Rigi und die Stadt Luzern. »Wie heissen diese Türme«?, fragt mich meine Freundin aus Bern und zeigt mit fragendem Blick Richtung Museggmauer, die ehemalige Luzerner Stadtbefestigung. »Ähm, ja also der hohe Turm da ist der Luegisland und dort ist der Männliturm«, quetsche ich etwas unsicher hervor. Mit den neun Museggtürmen ist es wie mit den sieben Bundesräten. Man kennt sie – beim Aufzählen geht aber immer einer verloren. Zeit das historische Luzern-Schublädeli in meinem Gehirn abzustauben.

Stadtführung

Für diejenigen die sich speziell für die Museggmauer interessieren, gibt es die Themenführung Luzerns Stadtbefestigung – die Museggmauer. Ich buche den nächsten freien Termin und fühle mich wie auf einer Schul-Exkursion. Unser Guide entpuppt sich als kleiner fröhlicher Wirbelwind. Mit viel Charme erzählt sie uns spannende Hintergrundinfos zu den bekannten Sehenswürdigkeiten, während sie den thematischen Schwerpunkt auf die mittelalterliche Stadtbefestigung legt. Ich finde eine Stadtführung die bequemste Variante mich über eine Stadt zu informieren. Vor allem wenn es um deftige Kost wie das Mittelalter geht und mir in Büchern die Jahreszahlen nur so um die Ohren geworfen werden. Zuhören ist definitiv die beste Lernmethode.

Auf der Themenführung »Luzerns Stadtbefestigung – die Museggmauer« erfährt man allerhand spannende Infos über die Museggmauer und ihre Türme

Geschichte für eilige Leser

Wem bereits beim Wort Geschichte das Gesicht einschläft, hüpft am besten gleich zum nächsten Absatz. – Die Museggmauer und ein Grossteil der Türme wurde zwischen 1370 und 1442 erbaut. Die mittelalterliche Stadtbefestigung zählte einst 30 Türme, wobei im Rahmen der Stadterweiterung mehr als die Hälfte der Türme, grosse Teile der Stadtmauer und die Hofbrücke (die dritte Holzbrücke neben der Kapellbrücke und der Spreuerbrücke) abgerissen wurden. Mit einer Länge von 870 Metern prägt die Museggmauer mit ihren neun Türmen heute das Stadtbild von Luzern.

Aber wie heissen denn jetzt diese neun Türme? Folgendermassen Freunde:
Nölliturm, Männliturm, Luegisland, Wachtturm, Zytturm, Schirmerturm, Pulverturm, Allenwindenturm und Dächliturm.
Ihr denkt euch jetzt: Wie in aller Welt soll ich mir das merken können? So:

Nölli, Männli, Lueg is Land,
Be Wach mer Zyt,
Be Schirm mer s‘Pulver
Ond em Allewende s‘Dächli.

Natürlich gibt es an dieser Stelle noch UNMENGE zu erzählen: Wessen Zweck erfüllten diese Türme, wer musste sie errichten und wie werden sie aktuell genutzt? Mehr Links zur prickelnden Geschichte findet ihr unten in der Infobox.

Die flauschigen Wärter der Museggmauer

Ich bin ja ein grosser Tierfan. Umso mehr freut es mich, dass sich in den Spalten und Nischen des Mauerwerks Brut- und Nistplätze für verschiedene Tierarten wie Turmdohlen, Mauersegler, Gänsesäger und Fledermäuse befinden. Besonders angetan haben es mir die Gänsesäger. Gelockt vom Ruf ihrer Mutter, springen die Jungen am zweiten Tag nach dem Schlüpfen aus ihrer Nisthöhle. 20 Meter in die Tiefe – die Flügelstummeln zum Fallschirm ausgebreitet. Unter dem Schutz von Anwohnern watschelt die Gänsesägerfamilie anschliessend zur Reuss. Bei meinem Spaziergang entlang der Museggmauer ist mir leider kein Gänsesäger vor die Linse gekommen. Dafür entdecke ich vier Genossen, welche schon länger einen Haarschnitt nötig hätten.

Auf dem Kulturhof Hinter Musegg sind vier Schottische Hochlandrinder zu Hause

Der letzte Bauernhof in der Stadt

Die vier Hochlandrinder interessieren sich nicht wirklich für mich, als ich mit meiner Kamera vor ihnen herumhüpfe. Sie gehören zum Kulturhof Hinter Musegg, dem letzten Bauernhof der Stadt Luzern. Ob mit einem erfrischenden Museggbier, einem z’Vieri-Plättli oder einer Bio-Glace, auf dem Kulturhof geniesse ich in der Region produzierte oder sogar hausgemachte Produkte. Für Brunch-LiebehaberInnen gibt es am Sonntag ein herzhaftes Hofzmorge. Speck, Rührei und Rösti wird gleich draussen auf dem Feuerring zubereitet. Die ehemalige Heubühne wurde zu einem kulturellen Mekka umgebaut und beherbergt regelmässig Konzerte, Theaterstücke und Lesungen. Grande.

Noch etwas Sport zum Abschluss

In der Zwischenzeit haben die vier Hochlandrinder komplett das Interesse an mir verloren und kauen in der Mitte der Wiese desinteressiert auf einem Grasbüschel herum. Ich beschliesse noch kurz den Männliturm und den Zytturm zu besichtigen und mir das schöne Luzern von oben anzuschauen. Schreiende Wädli beim Aufstieg, zittrige Knie beim Abstieg. «Jetzt bloss nicht runterstolpern, es dauert eine Weile bis dich hier jemand findet«, denke ich mir und klammere mich noch mehr ans Geländer. Stimmt so nicht ganz, schliesslich gehört die Museggmauer zu den Hauptattraktionen von Luzern. Nichtsdestotrotz habe ich die Museggmauer bei meinem letzten Besuch als touristenarm empfunden (zugegeben: es war bereits 18:30 Uhr und es wehte ein eisiger Wind der jeden Nordpol-Wind blass aussehen liess).

Vom Männliturm hat man einen wunderschönen Ausblick über die Stadt Luzern und das Seebecken

Mit meinem neuen Wissen über die Museggmauer fühle ich mich ausgerüstet für den nächsten Gäste-Empfang auf meiner Dachterrasse. Die Frage zu den Türmen wird gestellt, ich sage mein Sprüchli auf. Soweit so gut. »Hei Laila wie heisst dieser Berg da?«, fragt mich meine Kollegin aus Fribourg und zeigt zu einem mir unbekannten Gipfel in der Ferne.

»Ehm…«


Infos und Tipps


Egal ob im Tanzstudio oder an der Bushaltestelle, Laila ist immer tanzend anzutreffen. Mit einem Lachen im Gesicht und einer Fotokamera in der Hand sucht die gebürtige Luzernerin überall nach Geschichten und Menschen die sie inspirieren. Oder einfach nach weiteren Orten um tanzen zu können.

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