Auf den Spuren des Loipenmachers

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Was passiert eigentlich nachts auf der Loipe im Urserntal? Welche Arbeitsschritte müssen getan werden, damit die LangläuferInnen frühmorgens elegant über die Loipe schweben können? Und was mag der Loipenmacher überhaupt nicht? Ich nehme euch mit auf die Spurensuche in Andermatt.

Ungewöhnliches Taxi

Es ist Mitte Dezember als die Sonne langsam das Urserntal verlässt, und die Abendstimmung uns mit prächtigen Farben verwöhnt. Ich muss von meinem Zuhause in Andermatt nur einmal über die Strasse gehen und schon wartet mein heutiges Taxi auf mich: Auch, wenn ich es im Winter fast täglich sehe, ist es trotzdem immer ein ungewohntes Bild, die Raupenmaschine auf der Strasse zu erblicken. Umso toller ist es, dass ich heute sogar mitfahren darf.

Was die Loipe und ein Wein gemeinsam haben

Der «Loipenmacher», Markus Zurfluh, begrüsst mich mit einem: «Sooo gemmer einisch ga luegä» und schon setzt sich der Pistenbully in Bewegung. Ich freue mich auf diese Entdeckungsreise und bin vor allem gespannt, was mir Markus aus seinen letzten 25 Saisons erzählen kann, in welchen er bereits für das 28 km lange Loipennetz im Urserntal zuständig ist.

Wir starten direkt mit einem Fachgespräch, in welchem er mir aufzeigt, wie wenig Schnee teilweise im Moment liegt und dies eine entsprechende Loipenpräparation erschwert: «Da wir über Felder fahren, welche im Sommer landwirtschaftlich betrieben werden, gibt es eine Einigung mit den Bauern im Tal, dass wir eine Mindestschneehöhe von 50cm haben müssen». Bei der Erstpräparation zu Saisonbeginn soll zuerst alles kompakt gefahren werden. Danach wartet man über Nacht, bis man mit der eigentlichen Präparation beginnt. «Der Boden muss atmen können, wie ein guter Wein» beschreibt mir Markus den Ablauf mit einem Schmunzeln.

Unser treuer Beobachter

Begleitet vom Mond, welcher diese Tage immer runder wird, setzen wir unsere Fahrt langsam Dorf auswärts fort, und ich muss selber schon bald feststellen, wie dünn die aktuelle Schneelage ist; überall schauen Grashalme heraus, als würden sie noch die letzten Sonnenstrahlen suchen vor dem langen Winter.

Zuerst geht es auf dem Winterwanderweg in Richtung Zumdorf, dem kleinsten Dorf der Schweiz. Die Strecke führt über Feldwege entlang der Reuss und weist Spuren von Fussgängern, Pferdehufen und Kinderwagen auf. Feinsäuberlich tastet sich das Raupenfahrzeug sorgfältig an die Schneeoberfläche heran; vorne kratzt der Pflug mit spitzigen Zähnen die eisige Oberfläche auf, hinten lockert zuerst die Fräse den Schnee und anschliessend wird der Boden geschliffen mit dem «Teppich» wie ich es nenne (Fachjargon «Finisher») und es entsteht eine gleichmässige Spur.

Voller Einsatz für die Gäste

Langsam wird es dunkler, aber unser treuer Begleiter schenkt uns noch genügend Licht, so, dass wir auch die vielen Hasenspuren im Schnee gut erkennen können. Markus steigt aus und schaufelt eine Sitzbank frei: «Damit unsere Gäste morgen auch wieder gut dazukommen.» Es ist eine fast meditative Stimmung bei der langsamen Fahrt durch diese menschenleere und wunderschöne Natur. Markus schwelgt in Erinnerung an einen schneereichen Winter und kommt ins Schwärmen, wenn er mir erzählt, wie viel Spass es macht, wenn es richtig stäubt und man sich den Weg durch die Schneemassen erkämpfen muss. Dass er seinen 6,5 Tonnen schweren Freund blind im Griff hat, beweist er auch bei der Überquerung der Brücke, bei welcher er milimetergenau durchpasst – so zumindest scheint es mir.

Der Loipenmacher in vollem Einsatz.

Perfektion und Frust

Mittlerweile ist es Nacht geworden und unsere Fahrt neigt sich dem Ende zu. Ich schaue zurück und erkenne prächtige Loipen-Spuren, eine für «klassisch» und eine für Skating. Wir sehen weiter vorne zwei Langläufer, welche mit Stirnlampe ausgerüstet ihre Runden drehen.

Auf meine Frage wie ärgerlich es ist, wenn jemand die frisch gespurte Loipe «verfährt» meint Markus nur, dass es ihn schon ein wenig «fuchst», gerade wenn es weich ist und die Spuren über Nacht gefrieren. Auf seiner normalen Tour ist er fünf bis acht Stunden unterwegs, klar, dass man dann möchte, dass alles neu gespurt aussieht am Morgen. Ich kann diesen leichten Frust sehr gut nachvollziehen, so ergeht es mir, wenn alles frisch geputzt ist und mein kleiner Sohn mit seinen schmutzigen Gummistiefeln durch die Wohnung rennt.

Ich verstehe nun, dass Markus Tätigkeit durchaus etwas mit Perfektionismus und Ästhetik zu tun hat und erkenne, dass er seine Spuren hegt und pflegt – der «Loipenmacher» des Urserntals.

Bild: Andermatt-Urserntal Tourismus

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Gast-Bloggerin: Séverine Tresch, Andermatt-Urserntal Tourismus

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Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

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