Obwalden un-trivial mit Annalisa, 14 Jahre

Kategorien Familie, Natur, Obwalden

Also dieses Götti-Dasein ist hart. Finde ich. Ich mache das jetzt schon seit über zehn Jahren und bin der Meinung, es wird nicht einfacher. Annalisa, mein 14-jähriges Götti-Kind, liebt Bücher und bedruckte T-Shirts. Schwieriger war es bisher mit gemeinsamen Aktivitäten. Die Kleine entwickelt sich zunehmend zur Individualistin und findet vieles, was Gleichaltrige aufregend finden, «trivial» (ein Ausdruck, den sie wohl aus einem meiner Bücher hat…). Zum Glück hat die Region Obwalden so einiges an un-trivialen Aktivitäten auf Lager.

Ich meine: Klar will man der bombigste Erwachsene im Umfeld des Kindes sein — lässiger als die Eltern, lockerer als die Grosseltern; vor allem aber interessanter als die Gotte. Mit Geschenken gelingt mir das ziemlich gut, mit gemeinsamen Aktivitäten – eher weniger.

Nun war ich letzten Herbst bei einem Seminar in Obwalden (sehr coole Sache, aber das ist eine andere Geschichte) und habe anschliessend entdeckt, dass dieser Kanton voller Ideen steckt, mit denen Annalisa zu begeistern sein dürfte. Am ersten Sommerferien- Wochenende haben wir das dann gemeinsam ausprobiert.

Panoramasicht über Lungern mit dem Lungerersee

Camping und Moorlandschaften

Einquartiert haben wir uns auf dem Campingplatz Obsee direkt am Lungerersee. Jetzt weiss ich: So ein Wurfzelt ist wahnsinnig schnell aufgestellt, dann aber nicht ganz so rasch wieder verpackt. Aber wir standen ja erst am Anfang unserer Tage in der Natur.

Erster Stopp war die Moorlandschaft Glaubenberg — gleichzeitig die grösste Moorlandschaft der Schweiz und eines der leider selten gewordenen Moorbiotope hierzulande. Am Anfang haben wir uns, umringt von sanft wiegenden Tannenkronen, vom Bäeren-Turm (der schreibt sich wirklich so; ein Moor- «Bäer» ist das lokale Maskottchen) einen Überblick über das eindrückliche Hochmoor verschafft. Dann sind wir los zum
Rundweg, dessen Höhepunkt unbestritten der Moor-Tretpfad ist, ein mit Torf gefülltes Becken, das man barfuss durchwatet. Praktischerweise fliesst gleich daneben ein Bächlein, in dem wir die vor Torf triefenden Füsse waschen konnten.

Moorlandschaft Lanigs-Glaubenberg

Higlight: Lama-Trekking

Nach einem abendlichen Bad im See und einer erstaunlich ruhigen Nacht stand der Höhepunkt meiner Planung auf den Programm — unser Tag mit Lamas. Genauer eine Lama-Trekkingtour. Die Tiere leben auf dem Bauernhof von Familie Ambauen in Giswil. Zusammen mit anderen Tierfreunden haben wir uns recht zügig an die Tiere gewöhnt — oder sie sich an uns. Auf diese Anfreunde-Phase folgte eine Wanderung, bei der Annalisa und ich, wie alle anderen Teilnehmenden, je ein Lama führen durften. Am Wildbach Laui haben wir den Lamas das mitgebrachte Pick-Nick abgenommen; «Trekking» bedeutet nämlich, dass alle laufen: Mensch und Tier. Niemand sitzt also auf den Lamas. Nach einem ausgiebigen Mittagessen mit grossem Lagerfeuer, einer Runde Steinmandli-Bauen
und willkommener Abkühlung im Fluss ging die Wanderung weiter. Zurück nach Giswil, wo wir uns von den Tieren verabschiedeten. Für Annalisa leider tränenreich. Gut ist Obwalden so nah…

Mit Lama Mogli auf Trekkingtour

Zum Abschluss noch was trendiges

Am Sonntag, natürlich waren die zutraulichen Lamas am Vorabend noch lange Thema, wollten wir ans, bzw. aufs Wasser. Weil «Stand-Up Paddeln inzwischen jeder macht», haben wir uns einen Kanadier geschnappt (oder war es doch ein Kanu?), bzw. reserviert und an den Sarnersee bringen lassen. So könnte ich ja jeden Tag verbringen: Paddeln, einsame Buchten ansteuern, schwimmen, weiter paddeln, ein Sandwich essen, schwimmen…

Und siehe da: Auch Annalisa konnte sich für diese lässige Aktivität begeistern. Und nicht nur das. Sie will ihre Schulklasse davon überzeugen, die nächste Schulreise nach Obwalden zu planen. Dafür hat sie (nein nicht die Lamas ins Auge gefasst , die sollen exklusiv ihre Freunde bleiben), sondern das Hochmoor. Das müsse jedes Kind gesehen haben, meint sie. Dann würden «auch die Letzten verstehen, warum es wichtig ist unsere Umwelt zu schützen».

Diese Erkenntnis, denke ich, kann man nicht aus Büchern gewinnen.

Gast-Blogger: Philipp U., 36 Jahre, aus Zug


Infos und Tipps


Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

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