Hertensteinstrasse Luzern. Ich bin baff. Beim Barbatti, mitten in der Gartenbeiz, steht «unsere» Dorothee. Frau des Friedensstifters Niklaus von Flüe, Mutter von 10 Kindern.

Zurück in Sachseln. Beruhigung. Dorothee ist noch da. Wie eh und je steht die Statue des Luzerner Bildhauers Rolf Brem beim Kirchturm nahe ihrem vermuteten Grab. Nachforschungen ergeben: Brem hat «unsere» Dorothee geklont. Mindestens sechs Mal. Ihre Schwestern sind verstreut in der ganzen Schweiz.

Frau mit Kindern in Luzern.
Dorothee Statue beim Kirchturm Sachseln.

Inspiration seit Jahrhunderten

Niklaus von Flüe (1417–1487) inspiriert Kunstschaffende seit Jahrhunderten. Unzählige Bilder, Skulpturen, Theaterstücke, literarische Texte und Kompositionen befassten sich mit ihm. Darstellungen von seiner Frau Dorothee Wyss sind eher selten. Wenn, dann entsprechen sie nicht dem Verständnis einer partnerschaftlichen Beziehung auf Augenhöhe. Noch seltener zeigen sie Dorothee als eigenständige Persönlichkeit. Das Kunstprojekt «Ein Bild von Dorothee?» setzt hier an.

Ausstellung «Dorothee Wyss» im Museum Bruder Klaus.

Ein Bild von Dorothee?

Die Obwaldner Kunstschaffenden Judith Albert, Moritz Hossli und Christian Kathriner setzen sich auf Einladung des «Förderverein Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss» mit Dorothee auseinander. Ihre sehr unterschiedlichen Werke sind bis zum 1. November 2021 im Museum Bruder Klaus, in der Pfarrkirche Sachseln und beim Wohnhaus von Niklaus und Dorothee in Flüeli zu sehen. Die Arbeiten ergänzen die aktuelle «Dorothee-Ausstellung» im Museum. Machen wir uns auf den Weg zu Dorothee. Wir starten im Museum.

Museum Bruder Klaus: Die «Dorothee Glocke» entsteht

Das Video von Moritz Hossli dokumentiert die Entstehung der «Dorothee Glocke» in der ältesten Giesserei der Schweiz bei Rüetschi in Aarau. Und siehe da: eine junge Frau ist Giesserin. Silvie Gorath schafft ihr Erstlingswerk, unterstützt vom erfahrenen Roland Bolliger. Eine Frau gibt Dorothee erstmals eine Glocken-Stimme.

Pfarrkirche Sachseln: Justaucorps

Auf der Empore der Pfarrkirche irritiert «Justaucorps» von Christian Kathriner. Ein übergrosses herrschaftliches Objekt mit eingerollten Ärmeln, sorgfältig genäht in rohem Leinen. Imposant. Barock. Das voluminöse Gewand steht in Dissonanz zum schlichten Pilgerrock von Bruder Klaus, links unten in der Seitenkapelle. Der einfache Rock, ist das historische Gewand der Schweiz. Er wurde vor über 500 Jahren in Liebe gesponnen, gewoben und genäht von Dorothee. Es ist ihr greifbares Zeichen der Zustimmung für sein Leben in Einheit in Gott, fern der Familie.

Kathriners «Justaucorps» schafft keinen einfachen Zugang, weder zur Gewandreliquie noch zu Dorothee oder Klaus. Seine Kunst regt an, regt auf.

Justaucorps 2021 (links), Originalrock von Bruder Klaus (rechts).

Im Flüeli: Unverkennbare Stimme Dorothees

Beim Wohnhaus im Flüeli erhält Dorothee mit Moritz Hosslis Werk eine eigene, flüchtige Stimme im Chor der männlichen Glockenklänge der umliegenden Kirchen und Kapellen. Symbolhaft verkörpert die «Dorothee Glocke» das Wesen und die Botschaft der Frau des Friedenstifters. Träf die Glockeninschrift: «Nicolai coniunx honesta frugalitate contenta – Die angesehene Ehefrau des Nikolaus, zufrieden mit wenig», Zitat des Gelehrten Peter Numagen.

Nicht nur für Kinder: am Glockenstrick ziehen und die «Dorothee Glocke» erklingen lassen.

Im Wohnhaus: Dorothee Passion – Liebe, Kraft und der Lauf der Zeit

Magisch sind die beiden Videoarbeiten «Dorothee Passion I und II» von Judith Albert im Wohnhaus. Auf dem Küchentisch schieben zwei Hände behutsam Kugel um Kugel im Rhythmus des immer Wiederkehrenden, des nie Endenden. An der rauchgeschwärzten Giebelwand lösen zwei Hände mit einem Klickgeräusch Buchstabe und Buchstabe aus dem Dunkel. Wortfragmente. Schliesslich der Satz: Liebe versetzt Berge. Das passt zu Dorothee. Sie wird spürbar.

Unterwegs zu Dorothee – komm mit!

Wir laden ein zur Kunstwanderung am Samstag, 28. August 2021
mit Judith Albert, Moritz Hossli, Christian Kathriner und weiteren Kunstschaffenden
13.30 Uhr Start im Museum Bruder Klaus Sachseln
Anmeldung an kontakt@bruderklaus.com

Kunstprojekt «Ein Bild von Dorothee?»

Täglich 10-17 Uhr, bis 1. November 2021
Das Museum Bruder Klaus (Videoarbeit Moritz Hossli) ist montags geschlossen.

Wir empfehlen

Ausstellung «Dorothee Wyss. Die Geschichte einer aussergewöhnlichen Frau»
Museum Bruder Klaus Sachseln, www.museumbruderklaus.ch

Neuerscheinung

«Dorothee Wyss von Flüe, Leben und Bedeutung einer aussergewöhnlichen Frau»
Leseheft von Dr. Roland Gröbli, ISBN 978-3-905197-23-2, CHF 12, www.bruderklaus.com/shop

Gast-Bloggerin: Doris Hellmüller, geboren im Thurgau, sesshaft geworden in Nidwalden. Liebt Natur und Kultur. Sie ist gerne unterwegs zu Fuss und auf dem Velo. Als Geschäftsführerin des «Förderverein Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss» hält sie mit ihrem Team die Erinnerung an Niklaus und Dorothee wach.

www.bruderklaus.com

Noch mehr Frauengeschichte in Obwalden Erleben

Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.