Die Show am Nachthimmel

Kategorien Natur, Seetal

Wir freuen uns wie kleine Kinder: Heute Abend besuchen wir die Sternwarte Nova Solaris in Schmiedrued. Victor Larrosa, Präsident des gleichnamigen Clubs erwartet uns für eine Privatführung. Der Abend ist perfekt – keine Wolke am Himmel. Nichts wird dem Sternenhimmel die Show stehlen.

Die Sternwarte Nova Solaris in Schmiedrued im Abendlicht.

Leise erklingt die Melodie aus Space Odyssey – gleichzeitig bewegt sich der Boden der Sternwarte. Oder ist es doch das Dach, das sich langsam öffnet? Gänsehaut – der Moment ist einfach zu schön, um wahr zu sein. Bei offenem Dach offenbart sich uns aus der kleinen Sternwarte das Firmament. Und das, noch, ohne durchs Teleskop geschaut zu haben.

Staunen

Victor Larrosa lässt unserem Staunen Raum. Dann beginnt er über die Sterne, die sich uns präsentieren zu sprechen. Er richtet das Fernrohr, beantwortet unsere Fragen. Victor ist ein passionierter Hobbyastronom, wie er selbst sagt. Seit über 30 Jahren sei er im Astroclub Solaris dabei, seit 23 Jahren ist er Präsident. In den vergangenen Jahren sei es immer schwieriger geworden, wirklich dunkle Orte zu finden, wo man die Sterne gut beobachten kann. Man spricht von Lichtverschmutzung und meint dabei die künstliche Aufhellung der Nacht, verursacht durch unsere Beleuchtungen.

Lichtverschmutzung in der Schweiz.

Hier oben, auf der Nütziweid, an der Grenze zwischen Kanton Aargau und Kanton Luzern ist es verhältnismässig dunkel. Wir schauen durch das Teleskop und betrachten die Sternbilder. Der Sommerhimmel sei besonders interessant, weil man dann den Saturn mit seinen Ringen sehen könne. «Der Anblick des Saturns brennt sich ins Gedächtnis ein», schwärmt Victor. «Das Firmament und seine Gestirne führen uns vor Augen, wie klein wir sind. Wir nehmen uns oft viel zu wichtig. Unsere Existenz ist im Verhältnis zur Unendlichkeit des Raums so unbedeutend, dass es Vieles relativiert.» Wir lauschen Victors Worten und werden ganz andächtig. Was für ein beeindruckendes Erlebnis.

Faszinierende Astronomie

Der hellste Stern am für uns sichtbaren Himmel ist Sirius. Sirius ist allerdings nicht während des ganzen Jahres am Nachthimmel sichtbar. Im Sommer steht er am Tageshimmel und ist für uns von blossem Auge nicht zu sehen. Gegen Ende August erscheint er in der Morgendämmerung, im Herbst dann in der zweiten Nachthälfte. Erst im Winter geht er bereits am Abend auf. Der Stern hat den 2‘100-fachen Radius unserer Sonne und ist 200‘000-mal grösser als die Erde. Sein Licht benötigt sage und schreibe 5‘000 Jahre, bis es unser Auge erreicht. Dabei legt das Licht 300‘000 km pro Sekunde zurück. «Gut möglich, dass gewisse Sterne, die wir noch sehen, bereits verglüht sind und wir nur noch deren Licht sehen. Wir werden es nie wissen», erklärt Viktor.

«Das Ziel unseres Vereins ist es, den Menschen den Sternenhimmel zu zeigen und sie für die Astronomie zu begeistern. Gerade in der Bildung kommt die Astronomie viel zu kurz», bedauert Victor. Wie schade, denke ich. Als Kind hätte mir der Besuch einer Sternwarte sehr gefallen. Umso mehr geniesse ich diesen Abend und wünschte mir, noch stundenlang bleiben zu können.

Hightech auf dem Lande

Derzeit arbeitet Victor an einem neuen Teleskop. Es gibt wohl wenige Menschen in der Schweiz, die fachmännisch ein Teleskop bauen können. Mit Larrosa Precision Optics konstruiert Victor hochwertige astronomische Instrumente, vom handlichen Reisefernrohr bis zur kompletten Sternwarte sowie Präzisionsinstrumente für die Industrie. Der gelernte Instrumentenoptiker baute die Sternwarte Nova Solaris vor über 30 Jahren praktisch im Alleingang. Gekostet hat sie damals 40’000 Franken. Es mag deshalb nicht verwundern, dass die Besucher nur mit sauberen Schuhen Einlass bekommen und besondere Vorsicht walten lassen müssen. Das Instrumentarium und die Infrastruktur ist Hightech und mit besonderer Vorsicht zu benutzen.

Teleskop auf den nächtlichen Himmel gerichtet.

Sternschnuppen-Show im August

Die Perseiden sind der bekannteste Sternschnuppenschwarm. Ihre Show am Himmel veranstalten sie um Mitte August. Um die Sternschnuppen zu sehen, braucht es kein Teleskop. Sie sind von blossem Auge gut zu sehen. «Fahren Sie in der Zeit um Mitte August an einen dunklen Ort. Je weniger Umgebungslicht, umso besser sehen Sie die Sternschnuppen. Ab Mitternacht sieht man sie schon recht gut, aber so richtig spannend, wird es erst in der zweiten Nachthälfte», erklärt Victor. Zudem sei es wichtig, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Auch der Blick ins helle Smartphone lässt das Auge wieder an die Helligkeit gewöhnen und man muss wieder warten.

Sieht man eine Sternschnuppe, kann man sich etwas wünschen. So will es den Volksmund. In der Tat ist es unglaublich, dass man sie von blossem Auge sehen kann. Denn die Teilchen, die wir sehen, sind oftmals nicht grösser als einen Daumennagel. Sie treten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 km in der Sekunde in die Erdatmosphäre ein und pressen und erhitzen dabei die Luft so sehr, dass sie anfangen zu leuchten. Was wir sehen, ist eigentlich nur leuchtende Luft.

Die Sternwarte besuchen

Besuchen kannst du die Sternwarte von März bis November, jeweils am 1. und 3. Freitag im Monat. Für Gruppen steht die Sternwarte nach vorgängiger Vereinbarung auch an anderen Abenden offen. Voraussetzung ist, dass der Himmel klar ist. In der Sternwarte haben maximal 10 Besuchende Platz. Ab 11 bis 30 Personen werden Gruppen gebildet. Empfohlen wird ein Mindestalter von 10 Jahren. Alle Infos zur Sternwarte findest du hier: www.astroclub-solaris.ch

Gast-Blogger: Diana Fry & Martin Strahm


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Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

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