Fischers Fritz fischt frische Forellen
Kategorien Biosphäre Entlebuch, Familie, Menschen, Übernachten, Wandern
Das Bergjuwel Eisee liegt unterhalb des Brienzer Rothorns auf über 1900 m ü. M. und gilt als absolutes Angelparadies. Also haben auch wir unsere Fischerhütchen montiert und unser Glück beim Fischen in der UNESCO Biosphäre Entlebuch versucht. Damit wir uns nicht selbst auf den Grund des Sees versenken, hat uns Gastgeber Joel vom Berghaus Eisee begleitet.

Pünktlich um 15:10 Uhr setzt sich die rote Luftseilbahn Brienzer Rothorn mit einem sanften Ruckeln in Bewegung. Der «rote Ferrari» wie meine heutige Blogbegleitung Anina die Bahn auch nennt, überwindet tatsächlich in rekordverdächtigen sieben Minuten rund 1’040 Höhenmeter.


Unsere heutige Mission: einen zwei Meter langen Hecht aus dem Eisee ziehen und stolz damit posieren – so wie es die eingefleischten Angler auf ihren Dating- und Whatsapp-Profilbildern tun. (Natürlich gibt’s im Eisee keine Hechte. Das war mehr so metaphorisch gemeint. Nicht, dass ihr jetzt alle angelrutenschwingend zum Eisee rennt.)
Jetzt, wo wir das geklärt hätten: Auf zum Eisee.

Paparazzi in Wanderhosen
Bereits im Vorfeld haben wir uns entschieden, die erste Etappe des Emmenuferwegs (Brienzer Rothorn – Sörenberg) mit dem Foto-Trail zu kombinieren (ein Rundweg um den Eisee mit sechs verschiedenen Fotoposten). Für den besagten Foto-Trail lohnt sich das dazu passende «Foto-Kit» bei der Talstation zu erwerben. In der Tüte finden wir eine Glaskugel, Papierrahmen, einen Spiegel sowie ein Büchlein mit Fototipps und kreativen Inputs – falls uns unterwegs die Ideen ausgehen sollten.





Nachdem wir uns uns bei den ersten beiden Foto-Spots auf 2’348 m ü. M. kreativ ausgetobt haben, nehmen wir den Abstieg zum Eisee unter die Wanderschuhe. Die rund 450 Höhenmeter bis zum Eisee kann Bergmaus entweder bequem per Sessellift überwinden oder es uns gleichtun und zu Fuss hinunterwatscheln. Der Schotterweg entpuppt sich als deutlich steiler als erwartet und ich meine in der Ferne die Steinböcke kichern zu hören. Die wären hier wohl rückwärts, auf dem linken Huf, mit geschlossenen Augen und an einem Iced Matcha Latte schlürfend hinuntergezwirbelt.


Ich habe ein Foto für dich, Anina
Während neben uns der Sessellift gemütlich zum Eisee hinunter tuckert, diskutieren wir angeregt über die neuste Hockey-Romance-Serie (iykyk) und erreichen nach rund einer Stunde Wanderzeit das grosse Holzherz auf dem Eisee-Sattel – und damit Foto-Posten Nummer 3.


Spätestens jetzt sind wir restlos verzaubert. Während unser Blick über den Eisee und die letzten Schneefelder des Winters schweift, wiegen sich die gelben Butterblumen und blauen Enziane sanft im Wind und verführen uns beinahe dazu, barfuss à la Heidi über die saftig grüne Wiese zu tänzeln. Fehlt nur noch das Röckchen.




Nach unserem Fotoshooting auf, in und neben der Holzkonstruktion – Heidi hätte uns dafür definitiv ein Foto gegeben (nicht die von der Alp, die von GNTM) – geht es weiter Richtung Eisee und zu unserer Unterkunft für die Nacht: dem Berghaus Eisee.

Frisch eröffnet
Das Berghaus liegt idyllisch eingebettet zwischen den Flanken des Brienzer Rothorns und des Arnihaaggens. Kaum betreten wir das Restaurant, werden wir herzlich vom neuen Gastgeberpaar Jerica und Joel Wittlin begrüsst. Oder eigentlich doch zuerst von Töchterchen Kaya, die uns mit ausgestreckten Armen und wackeligen Schritten entgegenstolpert.


Frisch von ihrem Vanlife-Abenteuer in Spanien zurückgekehrt, feierten die Wittlins erst noch vor wenigen Wochen die Saisoneröffnung des Berghauses. «Alles ist noch relativ neu, aber wir finden uns immer besser ein» meint Joel und schnappt sich die Schlüssel für unser Steinbock-Zimmer im ersten Stock.

Im Schlafgemach angekommen, deutet Joel auf das Fenster mit den klassischen rot-weissen Vorhängen: «Gestern haben wir hier direkt vor dem Haus eine ganze Gruppe Steinböcke gesehen» eröffnet er uns und lässt uns mit Vorfreude sowie offenen Mündern im heimeligen Zimmer zurück.


Natürlich sind Anina und ich jetzt noch gehypter als zuvor. Entsprechend habe ich in der darauffolgenden Nacht fast kein Auge zugetan und gefühlt alle vierzig Minuten aus dem Fenster geschaut, um keinen vorbei spazierenden Gebirgsakrobaten zu verpassen.
Spoiler: niemand spazierte irgendwo hin
Der Fisch kommt auf den Tisch
Nach einer erfrischenden Dusche schmeissen wir uns in die Birkenstock-Sandalen (City-Girls lassen grüssen) und machen uns auf den Weg zum Abendessen. Die Speisekarte ist klein, aber fein, durchdacht und regional geprägt. So beziehen die Wittlins Brot, Käse, Joghurt und verschiedene Fleischwaren direkt aus dem benachbarten Biosphährenmarkt.

Neben dem Tagesmenü fällt die Wahl auf Rindsbäggli mit Kartoffelstampf, Geschnetzeltes mit Spätzli, Hörnli mit Gehacktem, die beliebten Chässchnitten oder eine mit Gemüse, Kräutern und Zitrone gefüllte Forelle, die am Morgen noch frisch-fröhlich im Eisee plantschte.

«Uns war wichtig, dass wir hinter unseren Gerichten stehen können» erklärt uns Joel und fügt an: «Wir arbeiten mit dem was wir haben. Unsere Vorgänger haben uns beispielsweise einen Räucherofen und einen Pizzaofen hinterlassen. Deshalb können wir uns gut vorstellen, künftig geräucherte Forellen oder Flammkuchen anzubieten.»


Steinböcke ohne Bock
Doch bevor im Berghaus künftig geräuchert und gebacken wird, widme ich mich erst einmal dem Star des heutigen Abends: der Forelle. Denn, wenn ich schon einen Blogbeitrag übers Fischen im Eisee schreibe, dann muss ich fast die gegrillte Forelle bestellen. Eine gute Entscheidung, wie sich bereits nach dem ersten Bissen herausstellt. Die Forelle ist wirklich köstlich und superduper frisch. Mmmmmhhh.


Nach dem Abendessen unternehmen wir noch einen kleinen Entdeckungsspaziergang zum vierten Foto-Spot (mit den Birkenstöcken, mega suvakonform, I know). Doch auch auf dieser Runde haben die Steinböcke keinen Bock, sich zu zeigen, dafür kommen wir in den Genuss des Sonnenuntergangs.

Also rollen wir uns ebenfalls müde in die weichen Bettdecken – nur um uns wenige Stunden später um 05:30 Uhr bereits wieder herauszurollen. Schliesslich haben wir uns für Punkt 6 Uhr mit Joel zum Fischen verabredet. Der frühe Wurm fängt den frühen Fisch, oder wie ging diese Redewendung noch mal?

Hüftschwung ist Hüftschwung
Wir packen Kescher (im Grunde die robustere Version eines Pool-Laubfängers) sowie Angelruten unter die Arme und erreichen nach einem kurzen Fussmarsch das Ufer des Eisees (weiss eigentlich jemand warum der so heisst? Der hat ja nicht mal annähernd die Form eines Eis…?).


Joel gibt uns einen kurzen Crashkurs ins Fischerhandwerk und erklärt, wie wir die Angelrute schwingen sollen, damit der Köder möglichst weit fliegt, ohne dabei versehentlich eines der Angel-Gspändli aufzuspiessen.

Wir spiessen also einen juicy Mehlwurm auf den Haken, werfen das gute Ding samt Wasserkugel mehr oder weniger weit in den See und lassen den Köder Köder sein. Doch statt einfach Däumchen zu drehen, zeigt uns der gebürtige Basler noch eine aktivere Angelmethode: das Spinnfischen. Mit künstlichen Ködern werden kleine Fische imitiert, die Raubfische zum Zubeissen verführen sollen. Gesagt getan. Auch Aninas Technik wird mit jedem Wurf besser, und ich vermute, dass sie die nötige Hüftrotation bereits vom Golfen intus hat.

Petri wartet
Und dann warten wir. Und angeln. Und warten. Erst vor wenigen Tagen haben die Fischer-Freunde Eisee rund 400 Regenbogenforellen in den Eisee eingesetzt. Zusammen mit dem Bestand vom Winter tummeln sich jetzt hier zwischen 1’200 und 1’400 Fische. Irgendeiner wird doch wohl anbeissen müssen?

Zwischendurch holen wir die passiven Angelruten aus dem Wasser, nur um festzustellen, dass der juicy Mehlwurm tatsächlich von einem Fisch abgeknabbert wurde und nicht mehr am Haken hängt.
1:0 für die Forellen.
Während wir weiter auf den ersehnten ersten Biss warten, erzählt uns Joel, wie er als kleiner Junge frühmorgens aus dem Elternhaus schlich, um mit seinem ersparten Sackgeld das Busbillett an den Fluss zu bezahlen, wo er den ganzen Tag mit Fischen verbringen würde.


Auch heute bedeutet das Fischen für ihn Entspannung pur. Neben dem Kitesurfen, Wakeboarden, Klettern und Snowboarden – alles Hobbies, die er ebenfalls mit seiner Frau Jerica teilt – ist das Fischen der einzige Ort, wo er zur Ruhe kommt. Dass die Region rund um den Eisee unzählige Outdoor-Möglichkeiten bietet, war auch einer der Gründe, weshalb sich die Familie als Gastgeber des Berghauses beworben hat.

Was lange währt, beisst endlich an
Plötzlich werden wir von einem entfernten Donnern überrascht und erspähen Familie Steinbock oder Familie Gämschi über eine Bergflanke galoppieren. Der 20-fach-Zoom meines Handys hat leider nicht für eine eindeutige Identifikation gereicht. Sorry. Lange bleibt unsere Aufmerksamkeit aber nicht bei den Steinböcken, da beginnt die Wasserkugel in der Seemitte unruhig hin und her zu schaukeln. Hat da tatsächlich etwas angebissen?

Sobald wir den Fisch nah genug zum Ufer gezogen haben, hebt Joel ihn behutsam mit dem Kescher aus dem Wasser und macht, was mensch mit einem Fisch eben macht, wenn er später im Restaurant serviert werden soll. Ich erspare euch die Details.



Fischen für Anfänger:innen
Wer keinen Joel an seiner Seite hat, das Fischen aber trotzdem einmal ausprobieren möchte, kann sich auch bei den Fischer-Freunden Eisee melden. Sie unterstützen gerne bei den ersten Angelversuchen und setzen alles daran, dass auch wirklich ein Fisch anbeisst. Die passende Angelausrüstung kann direkt im Berghaus gemietet werden, das Angelpatent lässt sich sogar bequem vorab online lösen.


Nach zwei Stunden Wasserstarren ist die Luft draussen. Mit einer Forelle in der Tasche kehren wir zum Berghaus zurück, lehnen Joels Angebot dankend ab, den Fisch gleich selbst auszunehmen und pilgern stattdessen direkt zum Frühstückstisch. Nach diesem steilen Start in den Morgen brauchen wir erst einmal etwas Festes im Magen.

Beim Frühstücksbuffet treffen wir auf leckeren Biosphäre-Käse, Aufschnitt, Müsli und Joghurt sowie einmal mehr auf die Handschrift der Familie Wittlin. Vieles wird selbst gemacht, so auch der herrlich luftige Zopf, den Jerica mit viel Herzblut erst wenige Stunden zuvor frisch aus dem Ofen gehievt hat.


Sprudelnder Heimmarsch
Nach unserem ausgiebigen Frühstück verabschieden wir uns von Jerica, Joel und Kaya und machen uns auf den Heimweg Richtung Sörenberg. Wir folgen weiter dem Emmenuferweg, der nach dem Eisee entlang der schwarzen Skipiste talwärts führt und dementsprechend steil, steil, steil ist. Mit einem leichten Zwicken im linken Knie (wir sind schliesslich auch nicht mehr 20) erreichen wir schliesslich weitläufige Blumenwiesen und grasende Kühen.





Und dann hören wir ihn: Den Emmensprung.
Wie von Zauberhand sprudelt das Wasser aus dem Waldboden, bahnt sich tosend und rauschend seinen Weg durch den Wald und stürzt dann als Wasserfall weiter Richtung Tal. Wir verweilen noch einen Moment auf der Brücke und machen uns dann auf die letzten Meter zur Talstation der Luftseilbahn Brienzer Rothorn.



Bevor wir ins Auto steigen, werfen wir noch einmal einen letzten Blick hinauf zum Brienzer Rothorn. Nein. Noch immer kein Steinbock in Sicht. Aber immerhin konnten wir für die nächsten Gäste im Berghaus Eisee eine frische Forelle fürs Abendessen angeln.

Weitere Informationen & Tipps
- Fischen am Eisee
- Das Berghaus Eisee
- Emmenuferweg Etappe 1: Brienzer Rothorn – Sörenberg
- Fototrail Brienzer Rothorn
- Das Brienzer Rothorn mit Top of Biosphäre
- Weitere Übernachtungsmöglichkeiten in der Region Sörenberg
- Mehr Infos zu den Fischer Freunden Eisee

