Die Familie Stalder produziert an ihren beiden Standorten Egligut und Stächelmoos Rindfleisch nach Bio-Knospen-Richtlinien. Ich war bei der Familie zu Besuch, habe Kühe gestreichelt und mit ihnen über ihre beiden Bio-Betriebe in der UNESCO Biosphäre Entlebuch geplaudert.

Ein unschlagbares Team – Sohn Josua mit Vater Gery auf dem Betrieb Egligut

Ganz hinten im Stroh liegt ein kleines Häufchen Schwarz. Es ist ein verwuscheltes Kälbchen, mit dem wachsamen Blick von Mamma Kuh auf sich gerichtet, während diese uns mit einem skeptischen Side Eye in Schach hält. «Das Kalb ist gestern auf die Welt gekommen», liest Gerry Stalder meine Gedanken. Gerry ist Betriebsleiter des Stalder Biohofs – oder wie seine Frau Karin sagen würde: «Der Chef von diesem Budeli».

Dieses «Budeli» besteht bei Familie Stalder aus zwei verschiedenen Bio-Höfen: dem Betrieb Egligut in Escholzmatt – Heimat von rund 30 Mutterkühen mit ihren Kälbern – und dem Betrieb Stächelmoos im Hilfernthal am Fusse der spektakulären Schrattenfluh.

Ich glaube, ich sehe doppelt: Im Egligut sind auch einige Bündner Strahlen zu Hause. Sie sind in erster Linie für die Landschaftspflege zuständig.
ein frisch geborenes Kälbchen liegt eingekuschelt im Stroh
das Winterwetter scheint den Rindern nichts auszumachen.

Mehr als ein Label

Auf dem Rundgang durch den Stall begleitet uns auch Josua Stalder, der jüngste Sohn der Familie. Aktuell befindet er sich noch in der Ausbildung zum Landwirt und hilft seinem Vater auf dem Familienbetrieb, wo er nur kann. «Ein geschlossener Kreislauf ist das Ziel der Bio-Tierhaltung. Für uns ist es aber viel mehr als ein Label. Es ist eine Herzensangelegenheit» betont der zukünftige Betriebsleiter. Die sanften Wiederkäuer fressen statt Kraftfutter frisches Gras, Silage und Heu vom eigenen Hof, wobei ihr Mist wiederum als natürlicher Dünger für die Felder dient. Nachhaltigkeit, die man anschliessend auch im Bio-Fleisch schmeckt.

Von Generation zu Generation: Sohn Josua wird den Betrieb später von seinem Vater Gerry übernehmen.

Die standortgerechte Fütterung und Haltung gemäss Bio-Knospe-Prinzipien wird besonders im Betrieb im Stächelmoos auf 1200 m ü. M. sichtbar. Mit Ländler und Jodel aus den Lautsprechern geht es per Auto einmal quer über die Beicheln, bis die schroffen Felskanten der Schrattenfluh am Horizont auftauchen. Doch die Ruhe trügt. Beim Betreten des Freilaufstalles werden wir von rund zehn flauschigen Genossen sirenenartig angemuht. «Die Dexterrinder sind überaus kommunikativ» lacht Josua und führt mich näher an die kleine, robuste Mutterkuhrasse heran, die perfekt für die naturnahe und ressourcenschonende Rinderhaltung im steilen Gelände geeignet ist.

Die Dexterrinder mustern mich mit wachsamem Blick.

Da die süssen Strubelpeter nicht viel wiegen (sie gelten als die kleinste europäische Rinderrasse), verursachen sie weniger Bodenschäden. Und dank ihres unkomplizierten Speiseplans kommen sie nicht nur mit weniger Futter aus als grössere Rassen, sie sind auch happy, wenn sie sich die vier Mägen mit Gras und Heu vollschlagen können.

Ich finde, das macht durchaus Sinn. Hier oben eine Rinderrasse zu halten, die bereits mit den lokalen Gegebenheiten klarkommt, ohne dass extra ein Lastwagen mit Kraftfutter den Berg hochrattern muss – genial.

Während im Tal unten der Nebel hängt, scheint auf dem Betrieb Stächlemoos die Sonne.

Doppelt Bio hält besser

Neben der eigenen Mutterkuhhaltung betreibt die Familie Stalder im Stächelmoos eine Rinderaufzucht für Bio-Talbetriebe. Mit etwa fünf Monaten kommen die Kälber als Milchkuh-Aspirantinnen auf den Hof, bevor sie nach rund zweieinhalb Jahren hochträchtig auf ihren Heimbetrieb zurückkehren, abkalben und feinste Bio-Milch liefern. Ob Kuh oder Rind, im Tal oder hier oben: Alle Tiere geniessen permanenten Auslauf, streifen von Frühling bis Herbst über die Weide, und die meisten wandern im Sommer sogar noch auf die nah gelegenen Sommerresidenzen aka die Alpbetriebe im Hilfernthal.

Natürlich bekommen auch die auswärtigen Rinder ihre täglichen Streicheleinheiten

Wir verlassen den Stall und werden einmal mehr unter dem wachsamen Blick von zehn Augenpaaren herausbegleitet. «Sie haben ein starkes Gruppengefühl und leben von Natur aus in Herden» ergänzt Josua, während sich die Dexterrinder im Hintergrund immer noch lautstark vor der 1.55 m grossen Gefahr mit Kamera und Notizblock warnen.

2022 konnte die Familie den Bio-Betrieb Stächelmoos von Gerrys Bruder und Karins Schwester übernehmen (das Schicksal will, dass die beiden auch miteinander verheiratet sind). «Das Stächelmoos ist seit 1989 ein Bio-Betrieb und somit einer der ersten überhaupt im Entlebuch» ergänzt Gerry, der im Stächelmoos bereits als vierte Generation wirkt. Als sich abzeichnete, dass Josua den Familienbetrieb weiterführen möchte und so die Nachfolge sichern würde, stand der Übernahme nichts mehr im Weg. Der Wunsch: Der Betrieb soll als Bio-Hof weitergeführt werden. Familie Stalder war natürlich sofort an Bord und stellte im Zuge dessen auch gleich den Betrieb Egligut auf Bio um. Doppelt Bio hält besser, oder wie ging die Redewendung schon wieder?

Egal, ob im Stächelmoos im Hilfernthal…
…oder im Egligut in Escholzmatt – Bio wird hier von der Fütterung bis zum Weidenauslauf geliebt und gelebt.

Gemeinsam geht’s ringer

«Wir sind extrem dankbar, dass wir das arbeiten dürfen, was wir am liebsten tun» meint Karin, die als Hebamme noch ihre eigene Praxis im Dorf führt, und Josua ergänzt: «Wir helfen alle mit und unterstützen einander.» So kümmert sich beispielsweise der älteste Sohn Samuel als gelernter Landmaschinenmechaniker zweimal pro Woche um den Maschinenunterhalt, und Verwandte sowie Nachbar:innen springen ein, wenn Not am Mann oder an der Kuh ist.

Ich bedanke mich herzlich bei der Familie Stalder für die Gastfreundschaft und fasse zum Abschluss schmunzelnd zusammen: «Ich sehe bei eurem starken Familienzusammenhalt viele Parallelen zu den Dexterrindern». Die Familie nickt lachend im Einklang: «Ja, durchaus! Wir sind immer füreinander da. Wie eine eingespielte Herde.»

Luzern, wo Bio wächst
Um den Biolandbau zu stärken gibt es im Kanton Luzern den Aktionsplan Biolandbau. Er ist eine gemeinsame Initiative des Kantons Luzern mit verschiedenen Akteuren aus der Landwirtschaft und der Bio-Branche (u.a. Bio Luzern, der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband und dem Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung). Der Plan hat zum Ziel, den Absatz von Luzerner Bio-Produkten zu steigern und gleichzeitig den Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche, die biologisch bewirtschaftet wird, zu erhöhen. Der Aktionsplan umfasst die gesamte Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zum Konsumenten – und stärkt sie mit gezielten Massnahmen. Dazu gehören Förderbeiträge, Beratungsangebote sowie Weiterbildungskurse.
www.bio.lu.ch


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Egal ob im Tanzstudio oder an der Bushaltestelle, Laila ist immer tanzend anzutreffen. Mit einem Lachen im Gesicht und einer Fotokamera in der Hand sucht die gebürtige Luzernerin überall nach Geschichten und Menschen die sie inspirieren. Oder einfach nach weiteren Orten um tanzen zu können. Mehr von Laila auf www.laila-schreibt.com

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