Der Urnersee – Der See der Gegensätze

Kategorien Natur, Uri, Wassersport

In meinem Leben dreht sich seit Geburt an alles um Wasser. Mein Vater gründete 1982 eine der ersten Windsurfschulen in der Schweiz. Aufgewachsen direkt am Urnersee, wurde mir also quasi der Neoprenanzug und das Brett in die Wiege gelegt. Der Urnersee ist für mich der See der Gegensätze. Früh morgens ist er spiegelglatt, nachmittags mit Schaumkronen übersät und manchmal bei einem Föhnsturm sogar ganz in Gischt gehüllt. Gepaart mit den schroffen Felswänden der Axenfluh, sowie den schneebedeckten Bergen der Urner Alpen, ist der Urnersee für mich das Paradies auf Erden.

Frühmorgens wenn der See noch flach ist

Mein Tag beginnt mit Blick auf den See. Die Berggipfel sind noch wenig in Wolken gehüllt, leichter Südwestwind ist erkennbar. Der See ist spiegelglatt. Ideal für’s Standuppaddeln. Noch kurz die Wetterprognosen per App checken und ab geht’s Richtung Campingplatz.

An meinem Arbeitsplatz angekommen, starten wir direkt mit dem morgendlichen Mitarbeitermeeting und dazu gehört natürlich auch eine Tasse Kaffee. Sobald die Punkte auf der Traktandenliste besprochen sind, mache ich mich bereit für meine SUP Tour.

Die korrekte Vorbereitung ist das A und O jeder Tour. Auch auf dem Urnersee muss man auf vieles vorbereitet sein.

Vorbereitung ist das halbe Erlebnis

Wir bewegen uns täglich in der Natur. Und da ja die Natur bekanntlich unberechenbar ist, braucht jede Tour die nötige Vorbereitung. Für meine heutige Tour lege ich mir ein Touring Board zurecht. Das hat die ideale Breite, so dass ich auch bei einem aufkommenden Wind wieder sicher ans Land komme. Denn manchmal nützt auch jeder Blick auf den See und lesen der Wettervorhersage nichts – auf dem Urnersee muss man auf vieles vorbereitet sein.

Zu meiner Ausrüstung gehört auch ein Trockenanzug. Im Moment ist der See durch die vielen kalten Tage und die Föhnstürme im April noch nicht wärmer als 10 Grad. Auch die Schwimmweste darf auf keiner Tour fehlen. Zusätzlich packe ich noch meinen Drybag (wasserdichte Tasche) mit Handy für den Notfall und eine kleine Zwischenverpflegung ein. Und schon kann es losgehen ….

Schroffe Felsen, spiegelglatter See und schneebedeckte Gipfel

Ich starte meine Tour entlang des Gruonbachdeltas Richtung Axenegg, vorbei an der Tellskapelle bis nach Sisikon, wo sich jeweils die Red Bull Klippenspringer in die Tiefe stürzen.

Entlang der Uferlinie paddle ich gemächlich Richtung Norden. Mein Blick löst sich immer mehr vom Wasser, so dass ich die ganze Grösse der Axenfluh erfassen kann. 700 Meter senkrechte Felsen ragen direkt aus dem Urnersee empor.

Desto weiter ich der Uferlinie folge, desto mehr schweift mein Blick Richtung Süden. Ich erblicke die Urner Berggipfeln. Viele davon sind über 3000 Meter hoch und in dieser Jahreszeit noch in eine dicke Schneeschicht gehüllt. Dieser Anblick setzt mich jedes Mal von neuem ins Staunen. Ganz besonders auffallend ist der Bristenstock, in der Mitte des Reusstales.

Ab auf den See. Die heutige Tour führt Richtung Axenegg, vorbei an der Tellskapelle bis nach Sisikon

Auf Tell’s Spuren

Nach ca. 20 Minuten erreiche ich das Axenegg und mit ein paar zusätzlichen Paddelschlägen bereits den ersten geschichtsträchtigen Ort – die Tellskapelle. An jener Stelle konnte Wilhelm Tell seinen Bösgesinnten bei Föhnsturm durch einen Sprung aus dem Boot entkommen und sich ans Ufer retten. Es folgen Wiesen, die Gotthardbahnstrecke, welche teilweise direkt am See verläuft, ein kleiner Weinberg, sowie verlassene Bahnwärterhäuschen.

Auf meiner linken Seite erblicke ich nordwestlich, gleich unterhalb von Seelisberg, die Rütliwiese. Ein Ort, der vor Mystischem und Historischem nur so strotzt. Hier wurde also der Grundstein für unsere heutige Schweiz gelegt. In Gedanken versunken paddle ich ruhig in meinem Rhythmus weiter. Langsam aber sicher, spüre ich meine Muskeln. Die Temperatur ist wunderbar angenehm und kein Wind ist in Sicht.

Kurz vor Sisikon, gleich unterhalb der Klippenspringer–Felswand, wo das Urner Wappentier die Felswand säumt, drehe ich um und mache mich auf den Rückweg.

Immer im Blick: das Urner Bergpanorama mit dem markanten Bristenstock

Wind und Regen ziehen auf

Mein Blick ist in den Berggipfeln gefangen . Einfach unbeschreiblich. Ich spüre gar nicht, dass ich mich auf dem kühlen Nass befinde. Es ist vielmehr ein Schweben. Doch meine Ruhe wird durch einen kalten Windstoss jäh unterbrochen. Als ich meinen Kopf drehe, erkenne ich das sich von Brunnen aus eine kleine Regenfront nähert. Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen und paddle weiter in meinem Rhythmus.

Wieder erblicke ich ganz im Süden den Bristenstock – unseren markantesten Urner Berg. Dieses Mal folge ich nicht mehr der Uferlinie, sondern fahre auf dem «offenen» See auf direktem Weg Richtung Camping. Dies natürlich um nicht von der windbringenden Regenfront eingeholt zu werden.

Pünktlich nach dem ich das Ufer erreicht habe, das Material wieder im Wassersportcenter verstaut ist und ich den Trockenzug gegen warme Kleider getauscht habe, beginnt es leicht zu regnen. Über den See legt sich wieder eine Stille.


Infos und Tipps


In seinem Leben dreht sich alles um Wasser, Wind und Berge. Windsurfen ist seine Passion, doch nicht die einzige – Segeln, Standuppaddeln, Kajakfahren und Wandern. Auf und am Urnersee tankt er die nötige Kraft. Er betreibt mit seiner Firma AF Sport GmbH den Campingplatz in Flüelen, auf dem sich auch das dazugehörige Wassersportcenter «Windsurfing Urnersee» befindet.

1 Gedanke zu „Der Urnersee – Der See der Gegensätze

  1. Salut Flo
    Lesenswerter Blog-Beitrag und vor allem ein hammermässiges Foto von dir auf dem SUP mit Blick auf den Bristen :).

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