Am westlichen Ufer des Urnersees gelangt man über eine spektakuläre Strasse in ein verstecktes Tal, das Isenthal. Fast am Ende dieses Tals führt eine Kleinseilbahn hoch nach Gitschenen und dort haben wir eine eindrückliche Nacht verbracht. 

Bubble in der Isenthaler Berglandschaft (Foto: Marion Vogel)

Das Isenthal ist definitiv kein touristischer Hotspot, zum Glück nicht. Dafür ist es ein waschechter Geheimtipp. Wer sich über die drei Kilometer lange, kurvenreiche und steile Strasse wagt, welche imposant den hohen Felsen des Urnersee entlangführt, der landet in einem malerischen Bergdorf. Die zahlreichen historischen Gebäude liegen umgeben von hohen Bergen. Der Kirchenturm mitten im Dorf wacht über die Bewohner wie in einem alten Heimatfilm. Das Ende des Dorfes ist bald erreicht, aber das Tal geht weiter. Einzelne Bauernhöfe gibt es hier und dann kommen wir an die Seilbahn, welche uns nach Gitschenen führt. 

Auftauchen in einer anderen Welt 

Von 980 auf 1’550 m.ü. Meer führt die acht Personen Seilbahn, welche über eine beeindruckende Felswand hoch zum Gitschenen führt. Tagsüber jede halbe Stunde und bei Andrang sogar häufiger, fährt die Bahn hoch und runter. Oben in der verschneiten Bergstation angekommen, empfängt uns der Seilbahnwart. In einem kurzen Gespräch erfahren wir, dass bei jedem Wetter einer an der Bergstation die Bahn betreibt, auch wenn der ganze Tag kein Gast kommt. Das sei glücklicherweise selten der Fall. Schliesslich gibt es auch noch vier Bauernfamilien, welche ganzjährig hier oben wohnen und Bauernbetriebe führen. Sehr, sehr schön ist es auf dem Gitschenen, aber das ganzjährige Leben stellen wir uns ziemlich hart vor. Gespannt gehen wir weiter zu unserem Übernachtungsort beim Alpstubli

Der Herbst geht in den Winter über. (Foto: Reto Wyss)

Unter fast freiem Himmel 

Das Alpstubli ist ein charmantes Bergrestaurant aus Holz, welches auf einer kleinen Anhöhe unweit der Bergstation liegt. Gleich daneben steht die Bubble, in welcher wir unsere Nacht verbringen werden. Eine Bubble ist eine Art durchsichtiges Iglu mit lediglich einem Doppelbett darin. Vom Bett aus hat man dadurch eine freie Sicht auf den Sternenhimmel, ist aber trotzdem vor Wind und Wetter geschützt. Bereits von aussen sehen wir, dass die Bubble wunderschön eingerichtet ist und die Vorfreude über die bevorstehende Nacht nimmt noch mehr zu. Eine gewisse Skepsis, ob wir denn bei diesen winterlichen Bedingungen nicht frieren, haben wir dann doch. Bevor wir das Rausfinden, stossen wir mit einem heissen Getränk vor der Bubble an, geniessen die Aussicht auf die Berge und gönnen uns anschliessend im Alpstubli ein leckeres Fondue mit Käse aus dem Isenthal.  

Apero und Nachtessen bei der Übernachtung. (Foto: Reto Wyss)

Spektakuläre Nacht 

Es wird nun höchste Zeit die Bubble zu beziehen. Gut eingepackt legen wir uns auf das weiche Doppelbett und spüren, dass die Heizmatte im Bett eine angenehme, wohlige Wärme abgibt. So liegen wir gut gewärmt im Bett und blicken an den Himmel. Zuerst bedecken Wolken den Himmel, bis diese sich nach und nach verziehen, so dass wir freie Sicht auf den Sternenhimmel haben. Mit diesen unvergesslichen Eindrücken schlafen wir ein. Im Verlaufe der Nacht weckt mich der stark aufdrehende Wind. Wissend, dass wir glücklicherweise nicht ganz unter freiem Himmel liegen und dank der dem warmen Bett, schlafe ich schnell wieder ein. Am Morgen erwachen wir verhältnismässig spät und merken, dass es vorbei ist mit dem Sternenhimmel. Nicht nur weil der Tag angebrochen ist und Wolken aufgezogen sind, sondern weil es in der Nacht ungefähr 20 bis 30 Zentimeter Neuschnee gegeben hat. So ist unsere durchsichtige Bubble nun schneebedeckt und es fühlt sich tatsächlich fast wie ein Iglu an. 

Gitschenen, ein Ausflugsort für spannende Erlebnisse 

Durch den schmalen Ausgang der Bubble kommen wir raus in die frisch verschneite Berglandschaft. Im Alpstubli hat die Gastwirtin Cornelia bereits das ausgiebige Frühstück mit Zopf, lokalem Käse, Kaffee, Orangensaft und vielem mehr aufgedeckt. Sie gehört zu einer der Bauernfamilien auf dem Gitschenen, welche das ganze Jahr hier oben lebt und sie betreibt mit viel Herzblut und Freude das Alpstubli inklusive der Bubble. Wir erfahren von ihr, dass im Winter ein Skilift auf dem Gitschenen betrieben wird und man schöne Schneeschuh-Touren unternehmen kann. Im Sommerhalbjahr kommen die Gäste gerne zum Wandern hierher. Vor allem die Rundreise von Beckenried mit der Bahn auf die Klewenalp, zu Fuss zum Gitschenen, mit der Seilbahn hinunter ins Isenthal, mit dem Postauto an den See und dem Schiff zurück nach Beckenried legt sie uns speziell ans Herzen. Mit dieser Idee für unsere nächste Sommer-Wanderung, ganz vielen Eindrücken und vollkommen erholt, geht es für uns wieder zurück nach Hause. Das war aber ganz bestimmt nicht unsere letzte Reise ins Isenthal hinauf zum Gitschenen. 


Weitere Links und Tipps 


Gast-Blogger: Reto ist seit seiner Jugendzeit leidenschaftlicher Kanufahrer und hat im Verlauf der Jahre verschiedene Ausbildungen im Bereich Kanu-Guide und Tourismus absolviert. Jährlich verbringt er zahlreiche Stunden auf den Gewässern der Region, welche ihn immer wieder aufs Neue faszinieren.

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Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

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