Landschaft des Jahres 2019 – die Moorwälder der Ibergeregg

Kategorien Natur, Schwyz

Heute mache ich etwas Verbotenes. Ich fahre über private Waldstrassen und spaziere im Naturschutzgebiet quer durchs Moor. Ich suche jedoch keinen Ärger, sondern begleite Paul Betschart auf einem Rundgang durch die Moorwälder der Ibergeregg. Er ist Betriebsförster der Oberallmeindkorporation Schwyz, der grössten Waldbesitzerin der Zentralschweiz.

Landschaft des Jahres 2019

Der graue Himmel hängt dicht über meinem Kopf. Feine Regenperlen sammeln sich auf der Jacke. Und in meinem Gesicht macht sich ein kindliches Grinsen breit, denn bei jedem Schritt schmatzen die Trekkingschuhe. Ich fühle mich wieder drei Jahre alt und möchte am liebsten eine Schmatzmelodie auf dem federnden Moorboden hüpfen. Doch ich reisse mich zusammen. Schliesslich bin ich mit Paul Betschart hier, um mehr über die Landschaft des Jahres 2019 zu erfahren. Diesen Titel hat die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz den Moorwäldern der Ibergeregg verliehen.

Paul Betschart, Betriebsförster der Oberallmeindkorporation Schwyz

Beim Wort «Moorwald» denke ich an Nebel, Leichen und den englischen Krimischriftsteller Edgar Wallace. Die Realität ist weniger blutig, aber genauso spannend. Der Wald ist nicht unheimlich und hat nichts Drückendes. Im Gegenteil: Ein Moorwald ist ein lichter Wald, der immer wieder von Streuwiesen geöffnet wird. Das feuchte und helle Umfeld gefällt den Heidelbeeren, die in Abwechslung mit verschiedenen Moostypen den Teppich des Walds bilden.

Die locker stehenden Bäume lassen Licht und Wärme in den Wald, was den Heidelbeeren und dem Auerhuhn gefällt.

Viel Regen für den Moorboden

«Der Moorboden ist über Jahrhunderte entstanden» , erklärt Betschart. Dieser wachse nur 1 mm pro Jahr. Entscheidend für das Wachstum ist die Kombination von Flysch, einem wasserstauenden Untergrund, und viel Regen. So erstaunt auch der folgende Vergleich wenig: Regnet es in Luzern im Durchschnitt 1200 mm pro Jahr, so sind es auf der Ibergeregg 2000 mm.

Der Moorboden ausserhalb des Waldes wird auf der Ibergeregg wieder verstärkt als Streuwiese genutzt. «Das heisst, die Bauern mähen die Wiesen einmal pro Jahr, und zwar im Herbst. Daraus gewinnen sie Streu für ihre Tiere im Stall» , erklärt Betschart. Eine Nutzung, die bis vor rund 50 Jahren in der Zentralschweiz verbreitet war und heute von der Oberallmeindkorporation in Zusammenarbeit mit dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei wieder gefördert wird.

Magellans Torfmoos ist wie ein Schwamm und kann bis zum 80-fachen seines Gewichts an Wasser speichern.

Auf den Streuflächen wird es dann doch noch ein wenig blutig. Hier können nur hochspezialisierte Pflanzen überleben wie das blutrote Magellans Torfmoos oder der fleischfressende Sonnentau. Neben diesen geschützten Pflanzen gedeihen im Naturschutzgebiet Ibergeregg auch seltene Vogelarten wie das Auerhuhn oder der Dreizehenspecht. Leider lassen sie sich heute nicht blicken. Ein Grund wiederzukommen.

Die verzahnte Waldlinie bietet Tieren wie dem Schneehasen im Anschluss an die Streufläche mehr Unterschlupf

Die Ibergeregg ist kantonales Naturschutzgebiet. Trotzdem können Wanderer und Spaziergänger dieses ausgezeichnete Gebiet und seine Moorwälder kennenlernen. Wichtig: Sie dürfen die Wege nicht verlassen.


Infos und Tipps

Moorwälder der Ibergeregg – Landschaft des Jahres 2019

Alte Schwyzerweg

Der Alte Schwyzerweg ist ein historischer Verkehrsweg von Oberiberg nach Schwyz, der über den Ibergeregg-Pass führt. Bis heute besteht der Weg stellenweise aus Holzprügeln.

Wanderkombi «Moorwälder Ibergeregg »

Die Wanderkombi Moorwälder Ibergeregg bietet unkompliziertes Wandervergnügen. Im Rundreise-Ticket enthalten sind: Fahrt mit der Rotenfluebahn, Busfahrt Oberiberg – Rickenbach und Zwischenverpflegung im Hotel Passhöhe Ibergeregg. Nur wandern muss man selbst.


Manuela schreibt seit dem Jahr 2000 über den Kanton Schwyz. Zuerst als Journalistin, später für Schwyz Tourismus. Allein oder mit ihrer Familie sucht sie nach Neuem, Unentdecktem und Verstecktem zwischen dem Zürichsee, dem Vierwaldstättersee, der Spitze der Rigi und dem hintersten Winkel des Muotatals. Sie begegnet Menschen, die im lokalen Brauchtum verwurzelt sind, innovative Ideen leben oder die Schätze der Natur hegen. So viel Begeisterung für die Schwyzer Vielfalt und landschaftliche Schönheit kann man nicht für sich behalten, man muss sie teilen.

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