Künstler Wetz und das Geheimnis des KKLB

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Höchstens zwei Jahre würde das KKLB überleben, hiess es damals. Heute ist das Kunst- und Kulturhaus im neunten Betriebsjahr und die Nachfrage ist weiterhin am Wachsen. Woher kommt dieser Erfolg? Ich habe das KKLB besucht, mit dem international bekannten Künstler Wetz gesprochen und erkannt, was sein Erfolgsgeheimnis ist. Es besteht aus drei Zutaten.

Das Catering-Team eilt hastig umher, füllt die Kühlschränke auf und stellt Teller bereit. Eine Gruppe mit 90 Personen trifft ein. Es ist heute die vierte Führung im KKLB, zwei weitere folgen noch. Das Interesse am Kunsthaus ist ungebrochen. Künstler Werner Zihlmann alias Wetz hat soeben eine Tour beendet, bietet mir einen Espresso an und wir setzen uns. Er beginnt sofort zu erzählen.

Als der «Paradiesvogel unter den Künstlern» das KKLB 2011 im Gebäudekomplex des ehemaligen Landessenders Beromünster ins Leben rief, kam er gerade aus Uffikon, wo er eine riesige Kunstinstallation mangels baurechtlicher Bewilligungen abreissen musste. Das wusste er natürlich; der Akt des Abrisses war Teil der Kunstaktion: «Die krampfhafte Bewahrung von Kunst ist ein Energieverlust für unsere Gesellschaft. Im Leben sind die Dinge nun mal vergänglich», so der Künstler.

Wetz liebt und lebt Kunst aus vollem Herzen – das spüre ich sofort. Er spricht zügig, ohne Oberflächlichkeiten und nimmt den Raum mit seiner Passion und seinem Charisma vollständig ein.

Im KKLB gibt es keine Führungen, es gibt nur Performances

Er verwandelte die ungenutzten Gebäude in ein Kunst- und Kulturhaus, an dessen Überleben in der Szene damals niemand so richtig glauben wollte. Heute wird die Institution täglich von mehreren Gruppen besucht. «Wir machen hier keine Führungen, das sind eigentlich Kunstperformances. Und keine Tour ist gleich.», hält Wetz fest. Das Team informiert sich vorgängig über die Wünsche und Hintergründe der Besuchenden und nimmt diese auf einen individuell ausgestalteten Rundgang mit. Das Arbeiten mit Menschen liegt Wetz: «Über die Jahre habe ich sehr viel Erfahrung gesammelt und kann schnell auf eine Gruppe eingehen. Die Freude, die so entstehen kann, ist der Wahnsinn».

Die erste Zutat

Ich persönlich verstehe gar nichts von Kunst und fühle mich in Museen nicht wohl. Hier ist das anders. Das harmonische Innere des KKLB, die Räume mit den Werken und die lebendige Führung von Wetz nehmen mich ein. Man wird hier mit der Kunst nicht einfach allein gelassen, sondern in eine Performance eingebunden, mit der man auf jede Gruppe individuell eingeht. Das ist die erste Zutat.

Schräg ist hier Programm

Wir gehen durch die verschiedenen Räume, betrachten die Installationen. Wir sehen Bilder, gefaltete Stoffe, Holzskulpturen. Einmal legen wir uns sogar ins Bett, setzen Kopfhörer auf und betrachten die Taschentücher, die von der Decke herabhängen. Manche Werke sind so schräg und obskur, dass ich meine Gedanken erst einen Moment sortieren muss. Allen voran die scheunengrosse Installation «Ziehlenfeldlöchli». Schafe fliegen in einem dunklen Raum umher, Werkzeuge baumeln herunter, es funkt, ein Staubsauger pendelt, Wasser plätschert. Wetz sitzt dabei am Schlagzeug.

Nach vollendeter Performance erzählt er uns von den SRF-Journalisten, die zum Filmen vorbeikamen und denen das Herz in die Hose rutschte, als sie den Raum sahen. «Das Ganze ist natürlich nur als Kunstwerk zugelassen, alles andere wäre schwierig zu bewerkstelligen», sagt er mit einem Zwinkern. Wetz fühlt sich wohl im Bereich des Unüblichen, des Umstrittenen, er will sich der Über-Organisation und der allgegenwärtigen Ordnung unserer Gesellschaft entgegenstellen, auch ein bisschen provozieren. «Provokation ja, aber nur, wenn sie liebenswürdig ist», präzisiert er.

Die zweite Zutat

Wetz ist ein faszinierender, schräger Charakter, der voll in seinem Metier aufgegangen ist. Ich könnte ihm noch lange zuhören. Sein Charakter spiegelt sich im KKLB wider. Es ist verspielt, kreativ, es regt zum Denken an, weil es quirlig und andersartig ist, aber gleichzeitig stilvoll, warm und einladend mit dem vielen Holz in den schön renovierten Räumen. Das KKLB ist untrennbar mit seiner Person verbunden. Das weiss er auch: «Das KKLB ohne Wetz würde nicht funktionieren. Wenn ich einmal weg bin, muss etwas Neues für diese Räume hier gefunden werden», sagt er und lacht. Wetz ist die zweite Zutat.

Der international bekannte Künstler Wetz rief 2011 das KKLB ins Leben

Origami-Kunst im Getränkelager

Künstler Wetz hat für die Werke hier von Agenten aus aller Welt schon Angebote in Millionenhöhe bekommen. Woanders wären die Kunstobjekte hinter Panzerglas in voll klimatisierten Räumen ausgestellt. Zum Beispiel auch das blaue Nashorn, welches der Origami-Künstler Sipho Mabona 2015 an der Art Basel live aus einem 10×10 Meter grossen Blatt Papier gefaltet hat. Ich kann nur raten, welchen Preis das Werk an einer Auktion erzielen würde. So mancher in der gehobenen Kunstszene würde sich die Haare raufen, denn im KKLB ist das Nashorn völlig unspektakulär im Getränkelager zwischengelagert. «Es schien uns ein passender Platz zu sein», begründet Wetz, ohne lange nachzudenken.

Und genau diese Bodenständigkeit ist die dritte Zutat im Erfolgsrezept des KKLB: Kunst wird hier nicht verhätschelt.


Infos und Tipps


Marco ist am Sempachersee aufgewachsen und kennt die Region wie seine Westentasche. Das Schreiben ist seine Passion und er glaubt ungebrochen an die Kraft von spannenden Geschichten. Das hat er zu seinem Beruf gemacht und heute ist er digitaler Marketer und selbstständiger Contentprofi. Marco bloggt für Sempachersee Tourismus, spricht fliessend Digital, fotografiert leidenschaftlich, rennt, klettert, übernachtet im Zelt und seit er einen VW-Bus besitzt, besteigt er eigentlich kaum noch ein Flugzeug.

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