Auf Schatzsuche in der Stadt

Kategorien Kultur, Luzern

Flohmärkte sind schon eine tolle Sache. Auf winzigen Tischen stapeln sich Pullover, Hosen und Schuhe – von ihren Besitzern als zu klein oder nicht mehr zeitgemäss eingestuft. Mit kleinem Budget findet man neue Kleidung, mit geringem Aufwand wird man alte los. Ob im Neubad, im Treibhaus oder klassisch an der Reuss. Die hiesigen Flohmärkte befinden sich überall in der Stadt Luzern verstreut und werden regelmässig an trendigen Orten veranstaltet.

«Schatz, du musst unbedingt deinen Kleiderschrank entrümpeln.» Der Lieblingssatz meiner Mutter lässt mir alle Haare zu Berge stehen. Genervt verdrehe ich die Augen und quetsche einen weiteren Pullover in ein offensichtlich überfülltes Tablar. Seit meinem Wegzug von zu Hause höre ich den Lieblingssatz meiner Mutter weniger, das Dilemma blieb bestehen. Mein Kleiderschrank schreit in meiner neuen Wohnung nach einem textilen Detox und meine Kommode gleicht optisch dem Bahnhofs-Coop um sechs Uhr abends: chaotisch und rappelvoll.

Meine Freundin Leonie löst ihr Kleiderproblem auf charmante Weise. Sie mietet sich einen Stand am Flohmarkt und verkauft ihre zu klein gewordenen Pullover und «warum-habe-ich-mir-die-überhaupt-gekauft?»-Hosen zu günstigen Preisen. Echt clever. Schliesslich gibt es in der Stadt Luzern gleich eine anschauliche Anzahl Flohmärkte. Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen treffen sich hier zum Stöbern, Feilschen und Tauschen. Obschon das Konzept das Gleiche bleibt, die verschiedenen Flohmärkte könnten vielfältiger nicht sein.

Treibhaus-Flohmarkt ~ der heimelige

Beim Treibhaus Flohmarkt ist es ein wenig wie bei Alice im Wunderland. Ein dicker schwarzer Vorhang grenzt den Barbereich vom kleinen Saal ab und man »fällt» beim Durchschreiten regelrecht in eine andere Welt. Auf der anderen Seite angekommen erwartet einen ein abgedunkelter Raum, leicht erhellt von einzelnen warmen Glühbirnen. «Der Treibhaus-Flohmarkt ist richtig gemütlich. Als würde man zu Hause im Wohnzimmer seine Kleider tauschen», beschreibt mir eine Standmieterin die Szenerie. Eine junge Kundschaft stöbert sich hier durch trendige Kleidung, Schmuck und Schuhe. Ramsch findet man nicht. Man schätzt die Familiarität und die günstigen Preise. Eine Viertelstunde nach Ankunft begegne ich einer ehemaligen Arbeitskollegin. Eine halbe Stunde später zwei ehemaligen Tanzschülerinnen. Hier im Treibhaus kennt man sich.

Der Flohmarkt im Treibhaus versprüht Wohnzimmer-Atmosphäre © Laila Bosco

Tipp: Ab Mai findet der Flohmi im Garten vor dem Treibhaus statt. Tauschen inmitten von Vogelgezwitscher und Blütengeruch.

Neubad-Flohmarkt ~ der trendige

So bunt die Gegenstände auf den Tischen, so bunt die Besucherschaft. Am 1. und 3. Sonntag im Monat lädt das Neubad zum Strandgut-Flohmarkt ein. (Einen passenderen Namen für diesen Flohmi könnte ich mir nicht vorstellen. Zumal ‚Strandgut‘ Gegenstände beschreibt, welche durch Meeresströmungen an Strände gespült werden). – Im ehemaligen Schwimmbecken des Biregg-Hallenbades planschen heute keine Wasserratten mehr, stattdessen stösst man mit ein wenig Glück auf wahre Schätze. Neben Kleidern und Schuhen werden alte Bücher, Lampen, Schallplatten und Kunstobjekte angeboten. Im Anschluss kann im Neubad-Bistro ein hausgemachter Bagel genossen werden. Ich empfehle den Bagel mit Brie, Zwiebelconfit, Apfel und Sprossen.

Im ehemaligen Schwimmbecken warten allerlei Schätze auf die Flohmarkt-Besucher © Chrigi Felber

Tipp: Der Neubad-Flohmi ist längst kein Geheimtipp mehr und wer urbanes Strandgut ergattern möchte, sollte möglichst früh am Poolrand auftauchen!

Südpol-Flohmarkt ~ der weitläufige

Dieser Flohmarkt findet einmal im Monat auf dem gesamten Südpol-Areal statt und animiert zum ungezwungenen herumschlendern. Der Aussenbereich, die lichtdurchflutete Shedhalle und die grosse Halle, welche üblicherweise mit Konzerten, Tanz- und Theateraufführungen bespielt wird, bieten am Sonntag eine weitläufige Flaniermeile. Jede Location versprüht dabei ihren eigenen Charme. Wer auf der Suche nach Kleidern und Schuhen ist, wird hier fündig. Gebrauchte Alltagsgegenstände werden eher selten zum Verkauf angeboten. Besonderes Highlight: Der Südpol-Flohmi lässt sich hervorragend mit einem Spaziergang auf der alten Bahntrassee (Freigleis) kombinieren und ist nur zehn Gehminuten vom Neubad entfernt. Auf diese Weise kann man an einem einzelnen Sonntagnachmittag gleich zwei Flohmis besuchen.

Am Südpol-Flohmarkt lässt sich auch im Grünen feilschen und stöbern © Südpol

Flohmarkt am Reusssteg ~ der traditionelle

Von Mai bis Oktober findet jeden Samstag an der Unteren Burgerstrasse / am Reusssteg der Flohmarkt der Stadt Luzern statt. Unter freiem Himmel und mit dem Rauschen der Reuss im Hintergrund werden Raritäten, bunter Krimskrams und einige kuriose Gegenstände angeboten. Perrücken liegen neben Gabeln. Porzellanvasen neben Kinderschuhen. Böse Zungen behaupten sogar, man fände hier nur Ramsch. Stimmt so nicht. Schliesslich erwarb auch Bruno, unser erfahrener Informatiker und vehementer Flohmarkt-Verweigerer, an diesem Flohmarkt eine Schallplatte. Nochmals einen besuchen würde er trotzdem nicht. Obwohl die Aussicht auf die Kapellbrücke und das Seebecken bestechend schön ist.

Der Flohmarkt am Reusssteg ist der grösste der Stadt Luzern © Beat Brechbühl

Bourbaki-Flohmarkt ~ der nächtliche

Das Bourbaki lädt an seinem Nachtflohmarkt «Bar Bazar» die Besucherschaft von 20.00 bis 01.00 zum Stöbern ein. Basar-Atmosphäre hängt in der Luft. Die Tische stapeln sich relativ eng aneinander und nur ein enger Korridor trennt die gegenüberliegenden Stände. Orientalische Musik tröpfelt durch die Boxen und neben dem kleinen Flohmarkt läuft der Barbetrieb des Bourbakis im gewohnten Tempo weiter. Die vielen Menschen und der enge Raum machen mir und meiner 1.55m Körpergrösse etwas zu schaffen, aus diesem Grund beschliesse ich mir die Szenerie von aussen, mit einem Snack in der Hand, anzusehen. Für alle Anti-Nachteulen bietet das Bourbaki auch Flohmärkte am Tag an.

Der Flohmarkt im Bourbaki findet bei Tag und Nacht statt © Laila Bosco

Eine kupferfarbene Lampe und zwei Hosen später ziehe ich folgendes Fazit von meiner Tour-de-Flohmarkt in der Stadt Luzern: Flohmis finde ich toll, solange nicht zu viele Leute zwischen den Ständen herum pilgern und ich den Marktbesuch mit einem kulinarischen Abstecher verbinden kann (Brie-Bagel my love). Ich nehme mir vor beim nächsten Flohmarkt-Besuch definitiv auf der Verkäuferseite zu stehen und endlich meinen Kleiderschrank zu entschlanken.

Vielleicht.


Infos und Tipps


Egal ob im Tanzstudio oder an der Bushaltestelle, Laila ist immer tanzend anzutreffen. Mit einem Lachen im Gesicht und einer Fotokamera in der Hand sucht die gebürtige Luzernerin überall nach Geschichten und Menschen die sie inspirieren. Oder einfach nach weiteren Orten um tanzen zu können.

1 Gedanke zu „Auf Schatzsuche in der Stadt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.