Was unternimmt ein Winterkind im Sommer? Ein Gletschertrekking auf dem Rhonegletscher! Ich nehme euch mit auf die eindrückliche Tour im Furkagebiet und zeige euch, wieso Schnee und Eis auch in der warmen Jahreszeit ihren Reiz haben.

Mein Rucksack ist gepackt und die Vorfreude gross. Heute geht es auf ein Gletschertrekking mit der Mammut Alpine School. Bei den heissen Temperaturen, die in letzter Zeit geherrscht haben, kommt mir die Abkühlung gerade recht.

Unsere fünfköpfige Gruppe trifft sich im Mammut Store auf der Piazza Gottardo in Andermatt. Bergführer Andy Müller begrüsst uns und mit einem kleinen Bus fahren wir direkt los. Über die bekannte Furkapass-Strasse und die Goldfinger-Kurve kommen wir beim Belvédère an. Der Rhonegletscher und die Eisgrotte locken viele Touristen an – so auch heute. Der Parkplatz ist schon gut gefüllt und im Bazar herrscht reger Betrieb. Bei der Aussichtplattform machen wir einen ersten Stopp. Andy erzählt uns spannende Geschichten über den Rhonegletscher. Wir sind alle fassungslos, als wir realisieren, wie weit talwärts die Gletscherzunge noch vor hundert Jahren reichte.

Tausche Wanderschuhe gegen Steigeisen

Wir laufen an glatt geschliffenen Felswänden vorbei, hinunter zum Gletscher. Nun haben wir alle etwas wackelige Beine, denn mit unseren Bergschuhen ist der Halt auf dem Eis nur mässig gut. Höchste Zeit, die Steigeisen anzuschnallen. An einem kleinen Eishubel üben wir gleich ein paar Gehtechniken, damit wir später nicht über unsere eigenen Füsse «troolen».

Es geht nun bergwärts, hinauf, zu ein paar grossen Gletscherspalten. Die Tour ist sehr kurzweilig – Andy erklärt uns beispielsweise, wie Spalten entstehen, welche Anseiltechniken es gibt und wieso genau es unseren Gletschern in der Schweiz so schlecht geht.

10 Meter in die Tiefe

Auf einer Anhöhe essen wir etwas kleines Zmittag, bevor dann mein Highlight des Tages ansteht. Andy hat uns nämlich versprochen, dass er uns in eine Gletscherspalte abseilen wird. Ich darf mich als erste anseilen – runter geht’s in die etwa 10 Meter tiefe Spalte. Je weiter unten man ist, desto härter wird das Eis und es braucht immer mehr Schwung, damit man die Steigeisen richtig einschlagen kann. Vorne und hinten umgibt mich eine steile Eiswand und meine Stimme hallt etwas, als ich Andy zurufe, ich sei nun ganz unten angekommen. Ich geniesse noch kurz die angenehm kühle Luft und klettere dann mithilfe der Eispickel wieder ans Tageslicht. Links einschlagen, hochziehen – rechts einschlagen, hochziehen.

Gletscher- statt Strandferien

Langsam ziehen über unseren Köpfen Gewitterwolken auf. Gemütlich laufen wir zurück zum Ausgangspunkt. Die Eisoberfläche fühlt sich nun ganz anders an als noch am Vormittag. Verrückt, wie schnell sich die Sonneneinstrahlung auf dem Gletscher bemerkbar macht. «Die breite Spalte dort drüben war vor zwei Wochen noch mit kompaktem Schnee gefüllt», zeigt uns Andy. Jetzt üben dort die Gebirgsspezialisten vom Militär Spaltenrettungen.

Das ewige Eis bröckelt. Das kann man nach einem Tag auf dem Gletscher erst recht nicht mehr leugnen. Trotzdem war das Trekking mit der Mammut Alpine School toll und sehr eindrücklich. Allen, die auf der Suche nach einem kleinen Abenteuer sind – und wie ich, lieber Schnee als Meer haben – empfehle ich das Gletschertrekking von Herzen weiter.


Infos und Tipps


Menschen aus der Region Luzern-Vierwaldstättersee. Sie berichten über ihre persönlichen Erlebnisse, plaudern aus dem Nähkästchen und verraten unbekannte Schätze aus der Region. Ob Malerin, Grafiker oder Bauarbeiter. Sie alle verbindet die Begeisterung für ihre Region.

1 Gedanke zu „Eiszeit light

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