Steinig, Steil und Wunderschön – Mit Geissen im Paradies 

Kategorien Andermatt, Familie, Menschen, Natur

Christian Näf hat im Göscheneralptal ein Paradies gefunden. Für sich und seine Geissen. 

Das Göscheneralptal, ein verstecktes Juwel in den Schweizer Alpen, besticht durch seine unberührte Schönheit und beeindruckende Landschaft. Zuoberst im Reusstal, bevor die Schöllenenschlucht nach Andermatt führt, erstreckt sich das wilde und raue Tal von Göschenen bis zur Göscheneralp. Umgeben von majestätischen Dreitausendern, eisigen Gletschern und sprudelnden Bächen bietet es ein reizvolles Wander- und Klettergebiet, das sowohl mit dem Auto als auch mit dem Bus bequem erreichbar ist. 

Das Göscheneralptal – Ein schöner Fleck Erde.

Seit 15 Jahren ist hier Christian Näf, Bergbauer und leidenschaftlicher Geissenzüchter, mit seiner jungen Familie zu Hause und kümmert sich um rund 100 Ziegen. Während der Alpzeit kommen zu den eigenen Tieren noch etwa 120 Ziegen und 30 Ziegenböcke dazu.

Christian, der Geissenpeter der Göscheneralp, mit seinen Geissen.

Idylle pur

In der Ferne höre ich Glocken klingen, als ich in der Göscheneralp ankomme. Es ist ein beruhigender Klang, der die Stille der Bergwelt durchdringt und mich willkommen heisst. Christian erwartet mich bereits und beginnt nach der Begrüssung sofort mit der Betriebsführung.

Arbeiten mit Blick auf die Dammakette.

Heute startet die Führung mit einem Besuch im Stall, wo derzeit die Landmaschinen und jungen Geissen untergebracht sind. Aufgrund des steilen Geländes mähen Christian und seine Helfer/innen die Wiesen zu Fuss mit einem 1-Achs-Motormäher. Die Muskeln werden dabei definitiv gefordert, wie ich feststelle, nachdem ich den Mäher selbst einmal anheben durfte. So werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Krafttraining erledigt und Wiese gemäht. In ein paar Wochen wird die Maschine wieder fleissig im Einsatz sein, da jeder schöne Sommertag fürs Heuen genutzt wird.

Das erwähnte Fitnessgerät: Der 1-Achs-Motormäher.
Steinig, Steil und Wunderschön – Heuen im Paradies.

Auch einige Schweine gehören zum Inventar des Stalls, die sich genüsslich im Dreck wälzen und fröhlich vor sich hin grunzen und quieken, als wir an ihnen vorbei zu den Gitzis laufen. Die kleinen Gitzis von diesem Frühjahr sind «gwundrig» und knabbern an allem, was ihnen gerade vors Maul kommt.

Den Geissen auf der Spur

Zu Fuss machen wir uns auf den Weg Richtung Staudamm. Auf halbem Weg erreichen wir die Geisshütte (Melkstand + Alpstall), wo die Ziegen zwei Mal täglich gemolken werden. Dort treffen wir die ersten Geissen an und zugleich habe ich die Gelegenheit, selbst Hand anzulegen. Das Melken steht auf dem Programm. Christian zeigt mir kurz, wie es geht. Wird wohl nicht so schwer sein, denke ich mir, werde jedoch schnell eines Besseren belehrt. Es ist definitiv leichter gesagt, als getan! Täglich werden hier etwa 230 Liter Milch gewonnen, aus denen halbharter Geisskäse, Feta, Frischkäse, Ziger und etwas Butter hergestellt werden. Die daraus gewonnene Molke wird auf Wunsch angeboten, ansonsten erhalten sie die Schweine.

Daraufhin machen wir uns auf die Suche nach weiteren Geissen. Im Sommer ziehen die Tiere auf die Hochweiden oberhalb vom südlichen Seeufer des Stausees, wo sie sich an den frischen Alpenkräutern sattfressen können. Da der Sommer bei meinem Besuch noch ein bisschen entfernt ist, habe ich Glück und wir treffen im Hang unterhalb der Staumauer ein paar an. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sie sich geschickt über das steinige Gelände bewegen und dabei scheinbar mühelos die steilen Hänge erklimmen.

Ein wahres Model.
Say Cheese!

Zeit für den gemütlichen Teil

Nach der spannenden Entdeckungstour bei den Geissen kehren wir zurück auf den Hof. Dort erhalte ich eine Führung durch die kleine Käserei, wo die Produktion bereits auf Hochtouren läuft. Die Käserin formt den Bruch zu kleinen Laiben, die dann für mindestens drei Wochen im Keller gepflegt werden, bis sie zu cremig-mildem Halbhartkäse mit dezentem Ziegenaroma herangereift sind. Neben dem Geisskäse produziert die Familie verschiedene andere Köstlichkeiten. Zum Abschluss der Betriebsführung darf ich eine Auswahl davon verkosten – Yummy!

Ä guätä!

Bevor ich mich verabschiede, stöbere ich natürlich noch im Hofladen, um einige Leckereien mitzunehmen. Neben den verschiedenen Ziegenprodukten gibt es dort unter anderem auch hausgemachten Sirup, Konfitüre und Tannennadelhonig zu kaufen. Bei letzteren beiden Produkten kann ich nicht widerstehen – Für den nächsten Brunch ist somit vorgesorgt! 😊


Christian Näf wuchs in Kirchberg auf, entdeckte aber schon als kleiner Junge seine Liebe zur Göscheneralp. Nach zahlreichen Ferienaufenthalten auf der Alp und seiner Ausbildung zum Landwirt war für ihn klar, dass er den Betrieb dort übernehmen möchte. Gemeinsam mit seiner Frau leitet er heute das Geissenparadies und stellt auf der Göscheneralp eigenen Geissenkäse und eine Vielzahl anderer Köstlichkeiten her. Darüber hinaus bieten sie das ganze Jahr über Betriebsführungen und Taxifahrten im und um das Göscheneralptal an, um Interessenten die Schönheit und den Charme des Tals näherzubringen. Vielmehr geht es bei den unzähligen Betriebsführungen jedoch darum, das Verständnis für den Aufwand und die Sorgfalt zu vermitteln, die hinter einem handwerklich hergestellten Produkt stecken. Zudem sollen die Besucher einen Einblick in das besondere und herausfordernde Leben und Arbeiten im Berggebiet erhalten.


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Ob mit dem Mountainbike, den Wanderschuhen oder den Skiern – Samira liebt es im Kanton Uri auf Entdeckungstour zu gehen. Als gebürtige Urnerin kennt sie ihre Heimat wie ihre Westentasche und schätzt die Vielfältigkeit: Imposante Bergwelt, tiefblaue Seen, zahlreiche Freizeitmöglichkeiten und lebendige Traditionen.

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