
Most aus hofeigenen Äpfeln im Seetal, Wein aus schönster Lage am Sempachersee oder Hochprozentiges aus Willisau und der UNESCO Biosphäre Entlebuch. Die Vielfalt des Kantons Luzern zeigt sich nicht nur in der Landschaft, sondern auch im Glas. Auf den Spuren der gepressten und destillierten Früchte unserer Region.
Langsam aber sicher gilt es, dem heissgeliebten Sommer mit einem weissen Taschentuch hinterherzuwinken und Arrivederci, Goodbye und Ade Messsiii zu sagen. Der Herbst steht in den Startlöchern und mit ihm die Erntezeit für Mostobst. Höchste Zeit also, dem Apfelsaft wieder die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdient. Denn gibt es etwas Erfrischenderes, als sich nach einer langen Herbstwanderung eine sprudelnde Apfelschorle die Kehle hinunterlaufen zu lassen? I doubt it.

Für den heutigen Blogbeitrag gehe ich auf fruchtige Spurensuche. In einem bis heute nicht dagewesenen Novum besuche ich die jeweiligen Regionen aber nicht selber (das würde als notorische ÖV-Nutzerin zeittechnisch nicht drinliegen), sondern reise gedanklich durch die Erlebnisregion Luzern Land und erkunde, wie der Apfel eigentlich ins Glas kommt.
Barthel und die Brechstange
Ein Blogausflug wäre kein Blogausflug ohne eine kompetente Begleitperson an meiner Seite. Für diese Expedition brauche ich jemanden, der sich mit der Materie auskennt. Einen Mann für das flüssige Gold. Einen Most-Connaisseur per se. Einen, der weiss, wo man den Most holt. Ihr wisst, worauf ich hinauswill. Bühne frei für Bartli.
In den nächsten Blogzeilen zeige ich euch also, wo Bartli den Most holt. Oder den Wein. Oder den Schnaps. Denn weil nicht alle Betriebe auf unserer Route Mostobst verarbeiten, erweitern wir seine Einkaufsliste kurzerhand um weitere regionale Tropfen.

Bevor wir aber definitiv loslegen, möchte ich noch einen kurzen Hintergrundcheck zu Bartli durchführen (frau ist ja nicht einfach so mit einem wildfremden Mann unterwegs). Hmmmm, interessant. Stellt sich heraus, dass die Herkunft der Redewendung nicht vollständig geklärt ist. Eine Version besagt, dass «Bartli» oder «Barthel» (wie Bartli in gewissen Dialekten auch genannt wird) kein Vorname ist, sondern sich vielmehr vom jiddischen Wort für «Brechstange» ableitet. Lustigerweise ist mit «Most» auch nicht Apfelsaft gemeint, sondern vielmehr die jiddische Ableitung für «Geld».
Glaubt man dieser Herleitung, will die Redewendung also so viel sagen wie: «Wissen, wo man mit dem Brecheisen an Geld kommt.» Joa. Ich überlasse es euch, was ihr mit dieser Information jetzt macht …

REGION SEMPACHERSEE
Informativ, interaktiv und superfrisch
Wir brechen (😉) in die Region Sempachersee auf und starten unser Abenteuer in der RAMSEIER Erlebniswelt in Sursee. Wie beim Tanzen ist es auch beim Mosten wichtig, zuerst einmal die Basics zu kennen. Auf rund 900 Quadratmetern lernen wir auf interaktive Weise, wie der Apfel in die Flasche kommt, kosten verschiedene Obstsorten, erfahren mehr über die Herkunft der Schweizer Mostäpfel und bekommen einen Einblick in die traditionelle Handwerkskunst des Mostens. Am Ende des Rundgangs wartet ein hübscher Hofladen auf uns, wo wir uns durch das gesamte RAMSEIER Sortiment schlürfen können – vom naturtrüben Hochstämmer bis zum erfrischenden Huus-Tee. Wer noch mehr Durst oder sogar ein Hüngerchen verspürt, findet anschliessend im Bistro bei der Kasse leckere Verpflegungsmöglichkeiten.

Ein besonderes Erlebnis ist zudem die RAMSEIER Mostwoche, die dieses Jahr vom 16. bis 20. September 2026 stattfindet. Dann wird unter anderem eine fahrbare Mostpresse aus dem Jahr 1940 gezückt und live gemostet. Frischer kriegen wir unseren Apfelsaft auf dieser Reise wohl kaum serviert.

Wein mit Aussicht
Weil wir sowieso schon in der Region sind, lockt mich Bartli gleich noch nach Eich zur Brunner Weinmanufaktur. Hier nippen wir zwar nicht an einem Glas Most, dafür landet zur Abwechslung ein seidenfeiner Wein im Glas. Und das erst noch mit wunderbarer Aussicht über den Sempachersee und die Zentralschweizer Berge. Die Trauben profitieren hier vom milden Klima und den durchlässigen Moränenböden, bevor sie in der hauseigenen Kellerei gekeltert und zu charaktervollen Weinen ausgebaut werden. Wer die guten Tropfen von Sauvignon Blanc bis Merlot degustieren möchte, kann dies an den offiziellen Vinothekstagen tun.

Zur Brunner Weinmanufaktur gehören nebst dem aussichtsreichen Weingut am Eichberg noch fünf weitere Rebgüter – unter anderem auch bei der Burgruine Kastelen in der Region Willisau. Darum: Let’s go Bartli. Nimm die Zunge aus dem Weinfass.

REGION WILLISAU
Eine Pause auf dem Pausenhof
Statt hoch zur Burgruine zieht es uns dann aber doch noch ein Weingut weiter, und wir trudeln guten Mutes beim Willisauer Pausenhof ein. Hier erntet die Familie Marti im Herbst pralle, chemisch unbehandelte Tafeltrauben. Trauben, die sich nicht für den Verkauf eignen, werden weiterverarbeitet und landen als Tresterbrand oder Likör im Glas. Was beim italienischen Nachbarn als Grappa bekannt ist, heisst hier «Marc». Das bedeutet auf Französisch sinngemäss Trester bzw. ausgepresster Rückstand und hat somit nichts mit deinem Nachbarn Marc zu tun.
Neben saftigen Tafeltrauben baut Familie Marti auch die beliebten Solaris-Weintrauben an. Der daraus entstehende fruchtige Weisswein eignet sich besonders gut als Apéro-Wein. Das lassen Bartli und ich uns als Apéro-Aficionados nicht zweimal sagen. Eine Flasche eingetütet, und schon ist Bartli flinken Fusses wieder unterwegs. Mir bleibt nichts anderes übrig als brav hinterherzutrotten.


100 Jahre Schnapsideen
Bei der DIWISA AG in Willisau haben Schnapsideen Tradition. Seit 1918 werden in Willisau Spirituosen und Liköre hergestellt. Heute blickt DIWISA auf über 100 Jahre Erfahrung zurück und produziert ein breites Getränkesortiment aus möglichst regionalen Rohstoffen.

Beim Anblick des DIWISA-Verkaufsladens wird uns aber fast ein wenig mulmig im Magen. *hicks* Vielleicht, weil Bartli und ich schon den einen oder anderen schüchternen Schluck Schnaps intus haben. *hicks* Vielleicht aber auch, weil wir uns bei dieser riesigen Auswahl, von klassischen Fruchtbränden und Träsch bis hin zu Gin, Vodka und Whisky, niemals für ein Souvenir entscheiden können.


Zum Glück bietet die DIWISA auch Rundgänge und Degustationen an. So haben wir gute Chancen, unseren Lieblingstropfen herauszukristallisieren und ihn im Verkaufsladen gleich mitzunehmen. *hicks*
SEETAL
Bartli, hol-der-e Moscht
Nach so viel Wein und Schnaps wird es Zeit, unserem Körper wieder mal ein ZWIMO zu gönnen (kurz für «Zwischenmost». Ein Zwischenwasser wäre in unserem Fall ja nicht so passend). Wir hüpfen einmal quer über den Sempachersee und finden uns auf dem Erlosenblick-Hof auf dem schönen Lindenberg im Luzerner Seetal wieder.

Der reife Apfel landet hier wortwörtlich nicht weit vom Stamm. Die Familie Budliger verarbeitet Früchte vom eigenen Hof und aus den Hochstamm- und Säulenbäumen der Region zu verschiedenen Most-Spezialitäten – darunter «Budliger’s Suure Moscht» und «Hol-der-e-Moscht» mit handgepflückten Holunderblüten aus dem Seetal (gibt’s beides auch alkoholfrei).
Wer diese lokalen Perlen probieren möchte, findet Budligers Spezialitäten online oder rund um die Uhr in den Regiomaten der Region.

Von Äntebüsis und anderen Experimenten
Bartli findet, fürs Weiterziehen sei es noch zu früh. Einen Betrieb im Seetal möchte er sich unbedingt noch anschauen.
Auf dem Stierlihof bei Hitzkirch verarbeitet Familie Fassbind handverlesenes Obst von Hoch- und Niederstammbäumen zu über 40 Schnäpsen und mehr als 20 Likören. Dabei wird in der hofeigenen Brennerei nicht nur Klassisches gebrannt, sondern auch fleissig getüftelt und mit neuen Eigenkreationen experimentiert. So kommt es, dass wir unser Näschen nicht nur in Kirsch und Williams stecken. Auch einen Schluck vom «Äntebüsi» (ein süsslich-würziger Kümmellikör) oder «Mier esch Glich» (der Kaffi-Schnaps-Klassiker vom Stierlihof) lassen wir uns den Rachen hinuntertröpfeln. Zum breiten Angebot des Stierlihofs gesellen sich zudem hofeigener Wein, Apfelschaumwein und Süssmost (da freut sich der Bartli wieder besonders).
Wer lieber probiert, bevor er das Äntebüsi – äh, die Katze – im Sack kauft, kann sich unter der Woche für eine Führung oder Degustation anmelden. Samstags darf von 10 bis 12 Uhr auch spontan degustiert werden.


UNESCO BIOSPHÄRE ENTLEBUCH
Preisgekrönt und regional
Wir packen eine Flasche sprudeligen Apfelschaumwein ein und watscheln in echter Äntebüsi-Manier zur letzten Region auf unserer Liste: Die UNESCO Biosphäre Entlebuch. Die Produkte der Familie Zemp in Schüpfheim tragen nicht nur ordentlich Region in sich, sondern seit einigen Jahren auch die eine oder andere Medaille nach Hause. Der «Äntlibuecher Chrüter» wurde am Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte mit Bronze ausgezeichnet, der «Äntlibuecher Biräbrand» sogar mit Silber.


Aus den Früchten ihrer rund 50 Obstbäume entstehen nebst den beiden preisgekrönten Produkten auch Apfelbrand, Kernobst-Träsch und verschiedene Liköre. Die sonnengereiften Früchte werden direkt auf dem Hof verarbeitet und eingemaischt, bevor im Folgejahr die mobile Brennerei anrollt und daraus Hochprozentiges mit ordentlich «Äntlibuecher Charakter» macht.
Most gut, alles gut
Zum Abschluss unserer Entdeckungstour machen wir es uns auf dem Hof Grosschreie in Hasle gemütlich. Rund 60 Hochstamm-Obstbäume liefern Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen und Mirabellen, die je nach Ernte zu Most und weiteren Hofprodukten verarbeitet werden.

Also, ich weiss nicht, wie es euch geht, aber Bartli und ich sind nach diesem intensiven Shoppingtag nudelfertig. (Muss sicherlich am weiten Fussmarsch liegen und nicht an anderen Gründen.) Zum Glück gibt es einen hofeigenen Campingplatz mit wunderbarem Blick übers Entlebuch (für Bartli) und ein Zimmer im schnuckeligen Bed & Breakfast (für mich). Somit erübrigt sich der Heimweg für heute.


Mit einem Glas Most in der Hand sinnieren wir darüber, was aus Äpfeln, Trauben und Birnen so alles Leckeres entstehen kann und stossen auf den erfolgreichen Tag im Kanton Luzern an. Eines muss ich Bartli lassen: Der gute Mann weiss, wo es den besten Most zu holen gibt. Und Wein. Und Schnaps.
In dem Sinne: Prost, Goodnight und Danke fürs Mitlaufen!
Tipps und nützliche Infos:
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- Familie Zemp in Schüpfheim

