
Meine Reise durch die «Wiege der Schweiz» beginnt in Flüelen. An der Schiffstation warten bereits viele Leute gespannt auf das Schiff. Sobald das Dampfschiff Uri von Weitem zu sehen ist, werden auch die ersten Kinder aufgeregt und ahmen die Geräusche des Dampfschiffs nach. Die Vorfreude ist spürbar und steckt an.
Mein Ziel heute: Beckenried. Doch es gilt auch: Der Weg ist das Ziel. Denn zwischen Flüelen und Beckenried liegen erstaunlich viele Orte, die mit den Ursprungsgeschichten der Schweiz verbunden sind. Die Tellsplatte, das Rütli oder der Schillerstein – Namen, die fast jeder kennt. Vom Schiff aus wirken diese eindrücklich, noch näher kommt man ihren Geschichten, wenn man unterwegs aussteigt.
Vom 5. bis 11. Oktober lässt sich die Region besonders gut entdecken: Mit der Spezial-Tageskarte «Mit dem Schiff Geschichten entdecken» kann entlang der Strecke zwischen Beckenried und Flüelen flexibel ein- und ausgestiegen werden. Mit einem späteren Kursschiff geht es einfach weiter. So bleibt genügend Zeit, die Geschichten an Land zu vertiefen – selbstständig mit digitalen smarTrails oder bei insgesamt neun kostenlosen Führungen in Brunnen, Beckenried und auf dem Rütli.


Tell liegt gleich an der Route
Wir verlassen Flüelen und schon nach kurzer Zeit wird klar, weshalb die Schifffahrt selbst ein Teil des Erlebnisses ist. Links und rechts öffnet sich der Blick auf die eindrückliche Urner Bergwelt, dazwischen leuchtet der Urnersee türkisblau. Die Landschaft wirkt ruhig – und trotzdem gibt es entlang der Route immer wieder Neues zu entdecken. Einer der ersten geschichtsträchtigen Orte ist die Tellsplatte. Hier soll Wilhelm Tell der Legende nach aus dem Boot des Landvogts Gessler gesprungen sein. Heute erinnert die Tellskapelle an die bekannte Geschichte. Wer die Tellsgeschichte nicht oder nicht mehr ganz kennt, erfährt während der Fahrt über Lautsprecherdurchsagen mehr dazu. Bei der Tellsplatte steigen weitere Gäste zu. Auch der Weg der Schweiz führt hier vorbei.
Und wer tiefer in die Geschichte rund um Tell und die Region eintauchen möchte, kann in Flüelen oder Sisikon den digitalen smarTrail «Mythos Tell» starten. Genau darin liegt der Vorteil der Tageskarte: Schifffahrt, Wanderung und Geschichten lassen sich flexibel miteinander verbinden. Wer unterwegs aussteigt, kann einen Ort zu Fuss entdecken, einen smarTrail starten und später mit dem nächsten Schiff weiterfahren.


Das Rütli vom Wasser aus
Nach dem Halt in Sisikon führt die Fahrt weiter Richtung Rütli. Der Wind ist inzwischen kräftiger geworden, der Blick auf den See dafür umso eindrücklicher. Und dann erscheint diese berühmte Wiese, die man aus Schulbüchern, Geschichten und Bildern kennt. Von der Schiffstation führt ein kurzer Fussweg hinauf zur Rütliwiese. Wer hier aussteigt, kann die Umgebung zu Fuss entdecken, im Rütlihaus einkehren oder eine Wanderung auf dem Weg der Schweiz oder dem Waldstätterweg starten.
Während der Aktionswoche gibt es zudem kostenlose einstündige Rütliführungen. Sie finden am 5., 7. und 10. Oktober statt. Treffpunkt ist bei der Schiffstation. Da die Plätze begrenzt sind, wird eine vorgängige Anmeldung empfohlen.


Ein Fels mit zwei Namen
Auf dem Weg Richtung Brunnen fällt der fast 40 Meter hohe Schillerstein ins Auge. Eine weitere Durchsage an Bord verrät, dass der Fels ursprünglich Mythenstein hiess. Zum 100. Geburtstag von Friedrich Schiller, dem Autor des Dramas «Wilhelm Tell», wurde der Fels dem Dichter gewidmet und trägt seither seinen heutigen Namen: Schillerstein.


Brunnen und Treib: einfach aussteigen
In Brunnen angekommen, steigen nochmals viele Gäste zu – andere verlassen das Schiff. Gleichzeitig verändert sich der Blick zurück Richtung Urnersee und die Landschaft öffnet sich weiter Richtung Beckenried.
Auch Brunnen lässt sich während der Aktionswoche genauer entdecken. Am 6., 8. und 11. Oktober finden kostenlose Dorfführungen statt, bei denen Geschichten des ehemaligen Fischerdorfs erzählt werden.
Der nächste Halt ist Treib. Direkt bei der Schiffstation liegt die Talstation der Treib-Seelisberg-Bahn. Wer möchte, kann hier auf die Standseilbahn umsteigen und die Geschichtsreise in Seelisberg fortsetzen – oder später wieder zum Schiff zurückkehren. Nach rund einer Stunde Fahrt zeigt sich: Die Schifffahrt ist bereits für sich ein Erlebnis. Gleichzeitig bietet die Tageskarte die Freiheit, unterwegs auszusteigen und die Orte nicht nur vom Wasser aus kennenzulernen.
Wenn sich zwei Schiffe kreuzen
Dann wird es für einen Moment besonders eindrücklich: Zwei Schiffe kreuzen sich auf dem See, Dampf steigt auf und für einen kurzen Augenblick wird nochmals deutlich, wie viel Atmosphäre zu einer solchen Fahrt gehört. Von Treib aus öffnet sich der Blick Richtung Pilatus, Beckenried und weiter über den See. Die Perspektive verändert sich laufend – obwohl man selbst eigentlich nur gemütlich an Bord sitzt.


Gersau – einst kleinste Republik
In Gersau bietet sich erneut die Möglichkeit, auszusteigen und einen smarTrail zu starten. Der Ort hat eine besondere Vergangenheit: Gersau war einst eine selbstständige Republik und wird bis heute als «einst kleinste Republik» bezeichnet. Für mich geht die Fahrt jedoch weiter Richtung Beckenried. Auf Strecke wird immer deutlicher, wie viele unterschiedliche Geschichten rund um den Vierwaldstättersee zusammenkommen. Rund um den See verläuft zudem der Waldstätterweg. Wer mehr Zeit mitbringt, kann einzelne Schifffahrtsetappen also auch mit einer Wanderung verbinden.
214 Meter Wasser unter dem Schiff
Eine weitere Durchsage liefert eine Zahl, die man beim Blick auf die ruhige Wasseroberfläche kaum vermuten würde: Zwischen Gersau und Beckenried befindet sich die tiefste Stelle des Vierwaldstättersees – 214 Meter tief.
Ankommen in Beckenried
In Beckenried steige ich aus. Hier endet meine Hinfahrt, aber noch nicht mein Ausflug. Mit dem smarTrail «KULTOUR BECKENRIED» lässt sich der Ort auf einem digitalen Dorfrundgang weiter entdecken. Während der Aktionswoche gibt es zudem kostenlose Dorfführungen, bei denen die Geschichte Beckenrieds live erzählt wird. Sie finden am 7., 9. und 10. Oktober statt.
Was von dieser Fahrt bleibt? Rund um den Vierwaldstättersee liegen überraschend viele Geschichten nah beieinander. Manche kennt man bereits aus der Schulzeit, andere entdeckt man unterwegs ganz neu. Und das Beste daran: Der Tagesausflug muss nicht von Anfang bis Ende durchgeplant sein. Dort aussteigen, wo etwas neugierig macht, einen smarTrail starten, an einer Führung teilnehmen oder ein Stück zu Fuss gehen – und später einfach wieder aufs Schiff steigen.
Für mich geht es jetzt zuerst auf den smarTrail in Beckenried. Danach wartet die Rückfahrt über den See. Mal schauen, welches Schiff mich diesmal erwartet.




Weitere Informationen
- Aktionswoche: 5. bis 11. Oktober 2026
- Unschlagbare Preise: Mit Halbtax fahren Erwachsene schon ab CHF 14.–, Kinder bis 15 Jahre für nur CHF 7.– den ganzen Tag Schiff.
- Digitale smarTrails: jederzeit selbstständig mit dem Handy möglich
- Kostenlose Führungen: in Brunnen, Beckenried und auf dem Rütli; die Plätze sind begrenzt, eine Anmeldung wird empfohlen
- Rütli-Führungen: 5., 7. und 10. Oktober, Start 10.45 Uhr
- Brunnen-Führungen: 6., 8. und 11. Oktober, Start 14.15 Uhr
- Beckenried-Führungen: 7., 9. und 10. Oktober, Start 14.40 Uhr
- Treib-Seelisberg-Bahn: Die Standseilbahn ist separat zu lösen

Gast-Bloggerin:
Julia Gisler ist in den Urner Bergen aufgewachsen und am liebsten draussen unterwegs, meist mit Hund, Freunden oder Familie und oft mit der Kamera. Sie spielt Badminton, ist gerne auf Wanderungen unterwegs und selten lange still. Als Projektleiterin der Wiege der Schweiz ist sie in der Urschweiz unterwegs und immer auf der Suche nach spannenden Geschichten und besonderen Momenten.

