Nicht ohne mein Swiss Army Knife

Kategorien Museum / Ausstellung, Schwyz, Tradition

Papst Franziskus hat eines. George Bush senior hatte eines. Und ich habe sogar mehrere Taschenmesser von Victorinox. Macht mich das zu einem Promi? Oder macht es die anderen im Herzen zu Schweizern? Würde das rote Taschenmesser und nicht der rote Pass über das Schweizersein entscheiden, hätte unser Land jedes Jahr 10 Millionen mehr Zugehörige. Heute nehme ich euch mit in das Victorinox-Museum in Brunnen.

Im Victorinox-Museum

Ich stehe im Victorinox-Museum in Brunnen. An der Werkbank setzt eine asiatische Familie unter fachfraulicher Anleitung ein eigenes Taschenmesser zusammen, Modell Spartan. Ein französischsprachiges Paar vertieft sich vor der History Wall in die Entwicklung des Messers. Ich hingegen vergleiche den Giganten mit dem Zwerg: Der Mann, der das Messer mit 141 Funktionen und 87 Werkzeugen in der Hosentasche trägt, muss wohl erst noch geboren werden. Daneben braucht man für das kleinste Offiziersmesser mit beweglichen Teilen die Lupe.

An einer solchen Werkbank wird das Taschenmesser hergestellt.

Wer wohl als erste Frau ein Taschenmesser von Victorinox besass? Vielleicht Victoria Elsener, die Mutter des Firmengründers Karl Elsener? Bestimmt war sie die Erste, nach der Sackmesser benannt wurden. Der Sohn setzte seiner verstorbenen Mutter ein Denkmal: 1909 führte er «Victoria» als Markenname ein. 1921 kam in der Messerfabrik zum ersten Mal rostfreier Stahl zum Einsatz. Dies nahm Carl Elsener II zum Anlass, die Firma in Victorinox umzubenennen.

Victorinox als Denkmal für die eigene verstorbene Mutter Victoria.

Ein unbewaffneter Held

Zurück zum Museum. An der Wand mit den Meilensteinen erkenne ich einen Serienhelden aus den 1980er-Jahren wieder. MacGyver! Ich habe dich vermisst. Niemand rettet sich so wie du aus den unmöglichsten Bedrängnissen und nebenbei auch noch die Welt – einzig mit der Hilfe eines Taschenmessers. Du warst und bist ein Geheimagent, Abenteurer und Nothelfer zum Träumen. Und in der neuen Serie lebst du wieder auf.

Rund um die Welt und im All

Aber auch im echten Leben hat das rote Messer aus Notlagen befreit. Astronaut Chris Hadfield öffnete 1978 mit einem Victorinox-Messer die Luke des Shuttles, um an die russische Raumstation anzudocken. Und mit Bertrand Piccard reiste es 1999 im Ballon Orbiter 3 in 20 Tagen um die Welt – Weltrekord. Weitere Geschichten sind im Story Corner zu hören. Dort erzählen Leute wie du und ich, wie ihnen das Victorinox-Taschenmesser als Nothelfer zur Seite stand.

Über 400 Modelle

Wobei: DAS Messer gibt es nicht. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, reicht ein Blick auf die Messerwand im Shop. Neben den Modellen für Soldaten und Offiziere hängen Spezialmesser für Golfer, Bergwanderer, Kinder, Fahrradbegeisterte, Zigarrenraucher, Segler, Fischer, Jäger und viele mehr. Alle diese verschiedenen Taschenmesser-Modelle werden in der Fabrik in Ibach bei Schwyz und in Delémont im Kanton Jura hergestellt.

Über 400 verschiedene Modelle bietet Victorinox seiner Kundschaft an.

Papst Benedikt und ich

Zum Glück musste ich mit dem Victorinox-Taschenmesser noch keine brenzlige Situation bestehen. Doch ich musste das Messer schon vor dem Zugriff von Sicherheitsleuten bewahren. Als ich vor einigen Jahren den Petersdom im Vatikan besuchte, lag das Taschenmesser wie immer in der Handtasche. Die Eingangskontrolle hätte ich damit nicht passieren können. Deshalb versteckte ich es neben der Basilika unter einem Stein. Und oh Wunder: Es war noch da, als ich wiederkam. Vermutlich stand es unter dem Schutz des damaligen Papstes. Papst Benedikt, ebenfalls ein stolzer Besitzer eines original Swiss Army Knife.


Infos und Tipps


Manuela schreibt seit dem Jahr 2000 über den Kanton Schwyz. Zuerst als Journalistin, später für Schwyz Tourismus. Allein oder mit ihrer Familie sucht sie nach Neuem, Unentdecktem und Verstecktem zwischen dem Zürichsee, dem Vierwaldstättersee, der Spitze der Rigi und dem hintersten Winkel des Muotatals. Sie begegnet Menschen, die im lokalen Brauchtum verwurzelt sind, innovative Ideen leben oder die Schätze der Natur hegen. So viel Begeisterung für die Schwyzer Vielfalt und landschaftliche Schönheit kann man nicht für sich behalten, man muss sie teilen.

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